Einführung

Selbstbildnis
Mauritz
Cornelis Escher, geboren 1898 in Leeuwarden, Holland, schaffte eine breite
Palette von eigenartigen und faszinierenden Kunstwerken, die ein weites Feld
mathematischer Ideen erkundet und darstellt.
Schon zu
seinen Schulzeiten zeigte er besondere Neigungen für das Zeichnen und Design, was
ihn zur Grafik führte.
1956
veranstaltete Escher seine erste große Ausstellung und wurde praktisch über Nacht
zum internationalen Star. Seine größten
Bewunderer waren und bleiben natürlich die Mathematiker und
Mathematikbegeisterten. Sie bemerken in seinen Arbeiten ein außerordentliches
mathematisches Visualisierungsvermögen. Obwohl Escher keine solide
mathematische Ausbildung genossen hatte, war er sehr mathematikbegeistert.
Er war von der
projektiven und nichteuklidischen Geometrie inspiriert, und er war auch von
„unmöglichen“ Figuren begeistert. Er benutzte die Idee von Roger Penrose zum
Kreieren vieler seiner Meisterwerke. Für die Studierenden der Mathematik
sind in der Escherschen Arbeit zwei Aspekte interessant: räumliche Geometrie und
räumliche Logik.
Mosaike
 
Die regelmäßige
Aufteilung der Ebene wird Mosaik genannt und ist ein Muster von geschlossenen Figuren, welche
lückenlos und ohne Überlappungen die gesamte Ebene bedeckt.
Aus der
Mathematik ist bekannt, dass aus regulären Polygonen nur die Dreiecke, Vierecke
und Hexagone für die Mosaiken verwendet werden können. Escher benutzte diese
Basismuster in seinen Mosaiken, unter zusätzlicher Anwendung von Spiegelungen, Schiebungen
und Drehungen zum Erreichen einer größeren Anzahl von Mustern.
  
  
Polyeder
  
Die
gleichseitigen Körper, die auch als Polyeder bekannt sind, faszinierten Escher
so stark, dass er sie zum Thema vieler seiner Arbeiten machte. Es gibt nur fünf
Gruppen von Polyedern mit exakt ähnlichen polygonalen
Oberflächen, die so genannten platonischen Körper: den Tetraeder, mit vier
dreieckigen Oberflächen; den Würfel, mit sechs quadratischen Oberflächen;
das Oktaeder, mit acht dreieckigen Oberflächen; das Dodekaeder, mit zwölf pentagonalen
Oberflächen; das Ikosaeder, mit zwanzig dreieckigen Oberflächen.
In der Holzschnitzerei „Vier gleichkantige
Körper“ fügt Escher platonische Körper zusammen, und zwar symmetrisch
ausgerichtet und transparent, so dass jeder durch die anderen gesehen werden
kann. Die Frage lautet nur, welcher platonische Körper dabei fehlt?
Es gibt viele
interessante Körper, die aus platonischen Körpern abgeleitet werden
können. Die Stellation bedeutet hier, dass alle Flächen des
platonischen Körpers durch die Pyramiden ersetzt werden. So ist es bei dem
abgebildeten Körper, der dreieckigen Flächen hat: Die Stellation führt ihn dann in einen dreidimensionalen Stern über.
Ein wunderbares Beispiel für ein „stelliertes“ Dodekaeder findet man im
Escherschen „Ordnung und Chaos“.
Ein weiterer
interessanter Körper ist auch in „Sterne“ dargestellt, wo die Körper aus
Oktaedern, Tetraedern und Kuben konstruiert sind.
Die "Form" des Raumes
  
Zu den
wichtigsten Werken Eschers, aus mathematischer Sicht, gehören die Werke, die
sich der „Natur des Raumes“ widmen. Seine Holzschnitzerei „Drei merkwürdige
Perspektiven“ ist ein guter Anfang für unsere Besprechung. Die Arbeit kann als
Beispiel für die Begeisterung des Künstlers für die Dimensionierung des
Raumes und Fähigkeit des Menschen, Dreidimensionales als Zweidimensionales
wahrzunehmen, angesehen werden.
Inspiriert von
den Zeichnungen des Mathematikers H.S.M. Coxeter kreierte Escher viele
wunderbare Darstellungen des hyperbolischen Raumes, wie die Holzschnitzerei
„Kreislimit III“. Sie stellt uns zwei Arten des nichteuklidischen
Raumes dar, und das Modell repräsentiert gewisse Ideen des
französischen Mathematikers Poincare.
Um ein Gefühl von solchen Räumen zu
bekommen, stellen Sie sich nun vor, Sie wären im Bild. Wenn Sie dann zum
Rande des Bildes spazieren, schrumpfen Sie genau wie die Fische im Bild. Sie
müssen dann unendlich lang laufen um den Rand des Bildes zu erreichen. Des
Weiteren sind alle ähnlichen Dreiecke im Bild gleich groß, auch gibt es keine quadratischen
Formen, weil dieser Raum keine Quadrate oder Rechtecke enthalten kann.

Sogar noch
ungewöhnlicher erscheint uns der Raum in der Holzschnitzerei „Schlangen“. Hier
gibt es sogar zwei Richtungen für einen unendlichen Spaziergang: zum Zentrum und
zum Rand des Kunstwerks.
Zusätzlich zur
euklidischen und nichteuklidischen Geometrie interessierte sich Escher für
visuelle Aspekte der Topologie (ein Zweig der Mathematik der zu seinen
Lebzeiten besonders blühte). Die Topologie beschäftigt sich hauptsächlich mit
den Eigenschaften des Raumes, die unter Verzerrungen invariant sind. Die Topologen entdeckten damals
Objekte mit kuriosen Eigenschaften. Das
bekannte Möbiusband ist ein gutes Beispiel dafür. Das Band hat eine merkwürdige Eigenschaft, dass es nur
eine Seite und nur einen Rand hat. Escher benutzte oft diese Idee in seinen
Kunstwerken. Als hervorragendes Beispiel dient uns „Möbiusband II“, an dem die
Ameisen alle auf der gleichen Seite des Bandes laufen! Was wird passieren, wenn
wir versuchen würden, das Band mit einer Schere zu zerschneiden?
Eine andere
sehr bemerkenswerte Lithografie, Print Gallery“ genannt,
zeigt uns beides: die Logik und die Topologie des Raumes. Ein junger Mann
befindet sich gleichzeitig im und außerhalb des Bildes. Erstaunlich, aber irgendwie
scheint es Escher doch gelungen zu sein, den Raum in sich selbst zu kehren. Das
Geheimnis dieses Bildes könnte weniger obskur interpretiert werden, wenn wir
uns erst einmal das Rasterblatt für diese Lithografie anschauen. Wir bemerken
gleich, dass die Skalierung gleichmäßig vom Zentrum zum Rande des
Bildes, und zwar im Urzeigersinn, wächst. Wir stellen fest, was dieser Trick
nach sich zieht, nämlich das Loch in der Mitte des Bildes. Der Mathematiker
würde es Singularität nennen, der Platz, in dem die Materie des Raumes nicht
länger zusammenhängt. Es gibt einfach keine Möglichkeit, um diesen bizarren Raum
zusammenzufügen. Genau in diesem Punkt platziert er dann sein
Markenzeichen.
Autoren: Christian Schulz und Bertram Schief.
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