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Verleihung der Fields-Medaillen

In diesem Jahr findet der Internationale Mathematikerkongress (ICM) in Zentralindien statt. Im Kongresszentrum von Hyderabad hat die indische Präsidentin Pratibha Patil am Donnerstagmorgen die Fields-Medaillen verliehen, die als Nobelpreise der Mathematik gelten. Zugleich wurden drei weitere Preise an herausragende Mathematiker vergeben.


Zwar werden die Fields-Medaillen gerne mit dem Nobelpreis verglichen, aber es gibt einige wichtige Unterschiede: Sie werden nur alle vier Jahre verliehen und das Preisgeld ist mit 15.000 kanadischen Dollar eher bescheiden. Vor allem aber dürfen die Preisträger nicht älter als 40 Jahre sein. Es werden also relativ junge Wissenschaftler geehrt, deren bahnbrechende Entdeckungen aus den letzten Jahren stammen.

Die Internationale Mathematische Union (IMU) hat in diesem Jahr die maximale Zahl von vier Fields-Medaillen voll ausgeschöpft und die Preisträger sind:

Cédric Villani (36), Leiter des Institut Henri Poincaré in Paris, der sich vor allem mit der Entropie beschäftigt hat. Dieser Begriff bezeichnet der Tendenz physikalischer Systeme, zu einem Gleichgewicht zu streben und dabei unwiderruflich an Ordnung abzunehmen.

Elon Lindenstrauss (40) von der Hebräischen Universität in Jerusalem hat neue Erkenntnisse über ergodische Systeme gefunden – das sind dynamische Systeme, mit denen man ursprünglich die Himmelsmechanik erklärt hat.

Ngô Bảo Châu (38) von der Université Paris-Sud in Orsay hat das "Fundamentale Lemma" in der Theorie der automorphen Formen bewiesen. Dabei geht es um einen visionären Ansatz des Mathematikers Robert Langlands aus den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts, der versprach, viele anscheinend weit entfernte Gebiete der modernen Mathematik zu vereinheitlichen, darunter die Zahlentheorie, die Gruppentheorie und die Algebraische Geometrie.

Stanislaw Smirnow (40) von der Universität Genf beschäftigt sich mit Perkolationen – die treten in der Physik immer dann auf, wenn ein Material "durchlöchert" wird. Das ist ein Problem der fraktalen Mathematik, zu dem Smirnow einige Erkenntnisse beitrug – ebenso wie zum Ising-Modell, einer ähnlich verzweigten mathematischen Struktur, die physikalische Vorgänge beschreibt.

Außerdem wurden in Hyderabad noch drei weitere Preise vergeben: Der Rolf-Nevanlinna-Preis an den Informatiker Daniel Spielman (40) von der Yale-Universität, der Carl-Friedrich-Gauß-Preis an Yves Meier (71) von der französischen École Normale Supérieure in Cachan und die Chern-Medaille an Louis Nirenberg (85) von der New York University.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter wikipedia.de, auf der Homepage des internationalen Mathematiker Kongresses (englischsprachig) und Biografien der Preisträger auf der Homepage der Deutschen-Mathematiker-Vereinigung.

jb