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Pressestimmen

Mathematiker optimieren eigenen Kongress

Berlin im August 2012. Die Sonne brennt unerbittlich und bringt selbst gestandene Mathematiker ins Grübeln. Wie bewege ich mich am besten über das Gelände der TU Berlin, um möglichst wenig zu schwitzen? Gehe ich besser langsam, bin dabei aber länger in der sengenden Hitze unterwegs? Oder lieber schweißtreibend schnell, um das kühle Uni-Hauptgebäude früher zu erreichen?

Es sind Probleme wie diese, die 2000 Forscher aus aller Welt auf dem 21. Kongress für mathematische Optimierung (ISMP 2012) in Berlin beschäftigten. „Die Welt wird immer komplexer“, sagt Martin Skutella von der TU Berlin, Cheforganisator der Tagung. „Und die Probleme, die wir lösen müssen, werden immer schwieriger.“ Mathematische Optimierung – das heißt mittlerweile fast immer, dass der Computer hilft, eine möglichst gute Lösung zu finden.

Ein Paradebeispiel für mathematische Optimierung ist der Kongress an der TU Berlin selbst. Mathematiker vom Berliner Zuse-Institut haben das Tagungsprogramm nämlich so gestaltet, dass die Teilnehmer kurze Wege haben und die Veranstaltungsräume möglichst immer groß genug für alle Interessenten sind. Keine leichte Aufgabe: 1700 Einzelvorträge mussten die Forscher auf fünf Tage verteilen, 40 Sessions finden von Montag bis Freitag parallel statt.

Erschwerend hinzu kamen Hunderte Nebenbedingungen – man könnte auch sagen: Sonderwünsche. Ein Vortragender hat nur am Mittwochnachmittag Zeit, andere halten mehrere Vorträge in verschiedenen Themengebieten, einige Sessions sollten in einer bestimmten logischen Reihenfolge aufeinander folgen. „Wenn Sie versuchen, das alles mit der Hand zu machen, verlieren Sie ganz schnell die Übersicht“, sagt Ralf Borndörfer vom Zuse-Institut Berlin.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Alexander Tesch hat der Mathematiker das sogenannte Conference Scheduling Problem mit Optimierungssoftware gelöst. „Wir wollten auch, dass thematisch ähnliche Vorträge möglichst in benachbarten Hörsälen stattfinden, damit man schnell wechseln kann“, sagt er. Und nicht zuletzt ging es darum, ein Programm aufzustellen, das an jedem Tag attraktiv ist. Bekannte Redner und populäre Themen sollten also keinesfalls alle auf denselben Tag gelegt werden.

„Wir haben zuerst mit den Daten vom letzten Kongress aus dem Jahr 2009 gespielt“, sagt Borndörfer. So wussten die Forscher, welche Themen besonders viele Zuhörer gefunden hatten. Diese Vorträge sollten in Berlin dann in möglichst großen Hörsälen laufen. „Bei der Anmeldung konnten die Teilnehmer zudem drei Sessions angeben, die sie unbedingt besuchen wollen.“ Dies habe bei der Abschätzung geholfen, mit wie vielen Teilnehmern man bei jeder einzelnen Session rechnen müsse.

Die Optimierung des Tagungsprogramms ist kein isoliertes Problem: Jedes Jahr stehen Schulen bundesweit vor dem Problem, die Stundenpläne so zu gestalten, dass Lehrer und Schüler möglichst wenig Freistunden und kurze Wege haben. Mancher Direktor verteilt Lehrer, Räume und Klassen noch per Hand, doch inzwischen wird auch Software dafür eingesetzt, wenngleich diese nicht so raffiniert arbeitet wie die Lösung der Optimierer aus Berlin.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter Spiegel.de.

jb