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Sinus- und Cosinussatz

Problem

Es sind Seitenlängen oder Winkel eines ebenen Dreiecks aus gegebenen Längen dieses Dreiecks zu berechnen. Handelt es sich um ein rechtwinkliges Dreieck, so kann man meist ganz leicht mit Hilfe des Satzes von Pythagoras und der Winkelfunktionen vorgehen. Ist jedoch das Dreieck nicht rechtwinklig, so kann man meist mit Hilfe des Sinus- und des Cosinussatzes vorankommen, um diese Sätze soll es in diesem Artikel gehen.

Notation

Wir werden im Folgenden ein festes Dreieck betrachten

dessen Größen wir – im Bild angedeutet – wie folgt bezeichnen:

  • Die Eckpunkte mit A, B, C in der Reihenfolge, dass die alphabetische Sortierung mit der mathematisch positiven Umlaufrichtung zusammenfällt.
  • Die Winkel mit alpha, beta und gamma, wobei alpha bei A, beta bei B und gamma bei C liegt.
  • Die Seiten mit a, b und c, wobei sich mit gleichen Buchstaben bezeichnete Seiten und Punkte gegenüberliegen, zwecks Vereinfachung wollen wir in der Notation nicht zwischen den Seiten und ihren Längen unterscheiden.

Sinussatz - Aussage und Beweis

Der Sinussatz ist im gewissen Sinne eine Präzisierung der Beobachtung, dass längeren Seiten die größeren Winkel gegenüberliegen, genauer:

Die Längen der Seiten im Dreieck ABC verhalten sich wie die Sinus1 der gegenüberliegenden Winkel, d.h. es gilt

Das erscheint - zumindest so der qualitative Aspekt – doch recht plausibel, aber das ist natürlich kein Beweis. Einen solchen wollen wir hier kurz geben, da er auch im Umgang mit Längen und Winkeln am Dreieck übt. Sollten Sie daran nicht interessiert sein, können Sie ihn überspringen und gleich hier weiterlesen.
Zum Beweis betrachten wir unser Dreieck

Da uns die Winkelfunktionen von der Definition her nur aus rechtwinkligen Dreiecken bekannt sind, sollten wir versuchen, unser Problem auf ein Problem mit rechtwinkligen Dreiecken zurückzuführen. Zeichnen wir doch einmal die Höhe hc ein, das ist die Gerade durch C, die auf der Geraden durch c senkrecht steht, und bezeichnen den Schnittpunkt mit (der Geraden durch) c mit S:

Wir haben nun zwei rechtwinklige Dreiecke ASC und SBC vor uns. Wir wollen etwas über den Sinus von alpha und beta aussagen, also drücken wir diese doch einmal in Größen der rechtwinkligen Dreiecke aus. Es ist der Sinus das Verhältnis von Gegenkathete und Hypotenuse (siehe auch hier), wir erhalten:

  • In ASC ist hc die Gegenkathete von alpha und b die Hypotenuse, also gilt
  • Im Dreieck SBC ist die Gegenkathete von beta gerade hc, die Hypotenuse ist a, also gilt
  • Setzen wir beide Gleichungen zusammen, so folgt

    Damit sind wir aber fertig, denn für gamma und c ergibt sich unsere Behauptung vollkommen analog (denn Namen sind Schall und Rauch), das soll heißen: In einem Dreieck sind alle drei Seiten resp. Winkel gleichberechtigt, was wir hier für a und b gemacht haben, hätten wir mit gleichem Recht (und Ergebnis) auch mit b und c oder mit c und a machen können.
    Hierbei sei gleich auf ein wichtiges Prinzip für Formel über Winkel und Seiten in Dreiecken hingewiesen:

    Zyklische Vertauschung

    Eine Formel, die Winkel und Seiten beliebiger ebener Dreiecke in Beziehung setzt, bleibt richtig, wenn man zyklisch vertauscht, d.h. man ersetzt jede Dreiecksgröße durch die nächste (alphabetisch, nach c fange wieder bei a an), dieses Vorgehen heißt deshalb zyklische Vertauschung, weil das Vertauschen anhand folgender Diagramme abläuft:

    Als Beispiel sei hier noch einmal der Sinussatz betrachtet: Wir wissen bereits, dass für beliebige ebene Dreiecke stets

    ist. Vertauschen wir zyklisch, so ergibt sich, dass auch

    stets richtig ist.

    Der Cosinussatz - Aussage und Beweis

    Der Cosinussatz ist eine Anpassung des Satzes von Pythagoras für beliebige ebene Dreiecke. Wir betrachten dazu ein rechtwinkliges Dreieck

    Machen wir nun gamma stumpfer, so wird die Quadratfläche über a und b kleiner

    wird gamma spitzer, so werden die Flächen entsprechend größer, es ergibt sich

    Es ist also anschaulich einleuchtend, wie sich a2 + b2 im Vergleich zu c2 ändert, wenn wir gamma ändern. Der Cosinussatz macht dieses Verhältnis präziser, er besagt:

    In einem ebenen Dreieck ABC gilt stets

    Auch dieser Satz erscheint qualitativ plausibel (der Cosinus wird kleiner, wenn gamma größer wird, ist negativ, wenn gamma größer als 90° ist, und positiv, falls gamma kleiner ist). Auch diesen Satz wollen wir exercendi causa beweisen, Sie können den Beweis überspringen und gleich mit den Beispielen fortfahren.

    Für den Beweis behandeln wir zunächst den spitzen Fall, das heißt ein Dreieck der Form


    Wir betrachten wieder eine – schon eingezeichnete Höhe – diesmal allerdings über der Seite a, der Schnittpunkt von ha und a heiße S. Wir erhalten die zwei rechtwinkligen Dreiecke ABS und SCA. Betrachten wir zunächst das Dreieck ABS wir erhalten nach Pythagoras, dass
    und genauso ist in SCA
    Setzen wir unsere Gleichungen zusammen, so ergibt sich, da ja a = BS + CS ist, dass
    Im Dreieck SCA ist nun aber CS die Ankathete von gamma und b die Hypotenuse, d.h., es ist
    wir erhalten also
    Das aber hatten wir behauptet.
    Im Falle eines stumpfwinkligen Dreiecks geht man genauso vor, wieder erhalten wir – da alle Seiten gleichberechtigt sind – durch zyklische Vertauschung die ebenfalls wahren Aussagen:

    Beispiele

    Die folgenden Beispiele sollen die Anwendung des Sinus- und des Cosinussatzes zur Berechnung mancher Größen eines Dreiecks aus anderen illustrieren, in der Regel reichen drei Stücke aus, um die anderen zu berechnen.

    • Seien etwa a = 3, b = 4 und c = 6 gegeben, wir wollen alle Winkel berechnen.
      Vergewissern wir uns zunächst einmal, dass die gegebenen Seiten tatsächlich die drei Seiten eines Dreiecks sein können, dazu muss die Summe je zweier Seiten länger sein als die dritte, hier ist
      Da uns nun alle drei Seiten bekannt sind, kennen wir im Cosinussatz alle bis auf eine auftretende Größe, d.h. wenn wir
      nach cos alpha auflösen, können wir alpha berechnen, wir erhalten durch Umformen:
      setzen wir ein, so erhalten wir
      und damit können wir alpha berechnen:
      Zur Berechnung von beta haben wir nun zwei Möglichkeiten: Wir können den Sinus- oder den Cosinussatz benutzen, in so einem Fall empfiehlt es sich, den Cosinussatz zu benutzen, da der Cosinus im Gegensatz zum Sinus einen Winkel zwischen 0° und 180° eindeutig bestimmt, so ist zum Beispiel sin 150° = sin 30°. Wir berechnen also beta mit Hilfe des Cosinussatzes, dabei wissen wir, dass
      Wir setzen ein, es folgt
      und damit
      Nun müssen wir noch gamma berechnen, wir können entweder erneut den Cosinussatz benutzen, oder, was einfacher scheint, ausnützen, dass die Winkelsumme im ebenen Dreieck stets 180° beträgt, wir erhalten also
      Damit haben wir alle fehlenden Teile des Dreiecks berechnet und können nun zum Beispiel das Dreieck skizzieren:
    • Als Nächstes betrachten wir a = 4, b = 2, gamma = 50°.
      Haben wir zwei Seiten und den von ihnen eingeschlossenen Winkel gegeben, so können wir mit Hilfe des Cosinussatzes offenbar die letzte Seite berechnen, wir haben
      Da Seitenlängen stets positiv sind, können wir die Wurzel ziehen, und erhalten
      Nun haben wir alle drei Seiten und können wie im letzten Beispiel einen zweiten Winkel mit dem Sinus oder dem Cosinussatz berechnen, wir entscheiden uns für den Cosinussatz und erhalten wegen
      dass
      also
      alpha können wir nun erneut mit Hilfe der Dreieckswinkelsumme berechnen, es ist
      Damit können wir nun zum Beispiel das Dreieck skizzieren:
    • Wir wollen nun ein Beispiel betrachten, in dem die Anwendung des Sinussatzes nötig ist: Es seien c = 4, alpha = 50°, beta = 70°, und wir wollen die restlichen Größen berechnen.
      Zunächst können wir natürlich gamma mit Hilfe der Winkelsumme bestimmen, es ist
      Mit Hilfe des Sinussatzes können wir nun eine der anderen Seiten berechnen, denn wir kennen doch mit c und gamma den stets gleichen Quotienten von Seiten und Winkelsinus, es ist
      Wir setzen ein und erhalten \begin{eqnarray*} a &=& 4 \cdot \frac{\sin 50^\circ}{\sin 60^\circ}\\ &\approx& 3,54 \end{eqnarray*} Genauso erhalten wir wegen
      dass \begin{eqnarray*} b &=& 4 \cdot \frac{\sin 70^\circ}{\sin 60^\circ}\\ &\approx& 4,34 \end{eqnarray*} Damit haben wir alles berechnet:
    • Mal angenommen, wir wissen, dass a = 5, b = 3 und alpha = 20° und wollen die anderen Stücke berechnen.
      Zunächst fällt uns auf, dass wir eine Seite und ihren gegenüberliegenden Winkel gegeben haben, hier a und alpha. Damit ist uns der Quotient aus dem Sinussatz bekannt, wir können damit aus dem dritten Stück (hier b) die entsprechende Seite resp. den entsprechenden Winkel (hier beta) berechnen. Es ist
      durch Einsetzen erhalten wir
      und damit muss beta einen der folgenden Werte haben
      Haben wir zwei Winkel so können wir, da die Winkelsumme im Dreieck stets 180° beträgt, den dritten berechnen, es ergeben sich für unsere beiden gamma-Werte entsprechend:
      Damit haben wir alle Größen bis auf c bestimmt, es bietet sich an, c mit Hilfe des Sinussatzes zu bestimmen. Wir haben doch
      Damit ergibt sich für unsere beiden Werte von c
      Nun müssen wir noch überprüfen, ob unsere Lösungen tatsächlich Dreiecke beschreiben. Das ist für c1 der Fall, für c2 aber nicht, da
      und in einem Dreieck sind zwei Seiten zusammen stets länger als die dritte. Wir haben also als Lösung
      Hier wieder eine Skizze des Dreiecks:

    Links

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    1. Sinus kommt aus dem Lateinischen und heißt Bogen, der Plural ist Sinus (mit langem u) und nicht etwa Sini oder Sinusse (trotz Duden). zurück