Das mathematikhistorische Kalenderblatt - September 2005
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Dreihundert Jahre Pi
Die heutigen zweckmäßigen und zumindest im elementareren Bereich allgemein bekannten und üblichen mathematischen
Bezeichnungen und Schreibweisen sind das Resultat vieler kleiner
Schritte im Laufe einer langen Entwicklung. Einer dieser Schritte war die Einführung des
griechischen Buchstaben
(für perimeter = Umfang) für das Verhältnis von Kreisumfang zu Kreisdurchmesser.
Es erschien erstmals 1706 in dem Buch Synopsis palmariorum mathesos des aus
Wales stammenden Gelehrten William Jones (1675 - 1749). Dass es von dort aus seinen
Siegeszug antreten konnte, hat sicher damit zu tun, dass Jones, obwohl kein bedeutender
Mathematiker, im Umkreis von damals wie heute sehr berühmten Gelehrten lebte und eine einflussreiche
Stellung erreichte.
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| William Jones |
Jones, Sohn eines wenig begüterten Bauern, wurde zunächst Gehilfe eines Londoner Kaufmanns, dann auf Grund von autodidaktischer Weiterbildung Lehrer, u.a. Hauslehrer eines jungen Mannes, der später Lordkanzler von England wurde, sowie eines anderen, der es zum Präsidenten der Royal Society, d.h. der britischen Wissenschaftsakademie, brachte. Sein oben genanntes Buch führte, obwohl als Lehrbuch für Anfänger geschrieben, bis zu den damals neuesten Errungenschaften der Mathematik: Newtons Fluxionskalkül und dem Rechnen mit unendlichen Reihen. Es erregte wohlwollende Aufmerksamkeit von Edmond Halley und Isaac Newton und führte zu einer engeren Zusammenarbeit mit letzterem. 1712 wurde er zum Mitglied der Royal Society erwählt und später sogar deren Vizepräsident. Er gehörte auch der Kommission an, die im Auftrag der Royal Society den Prioritätsstreit zwischen Newton und Leibniz untersuchte. Seine umfangreiche Hinterlassenschaft besteht hauptsächlich aus Briefwechseln, Übersetzungen und Adaptionen von Manuskripten berühmterer Zeitgenossen sowie Abhandlungen über praktische Themen in den Philosophical Transactions der Royal Society.
Die Bemühungen um immer genauere Berechnung der Zahl
, aus denen unter anderem ihr zweiter Name
"Ludolphsche Zahl" (nach Ludolph van Ceulen, 1540 - 1610) entstand, dann die Untersuchung ihrer
zahlentheoretischen Natur, die 1882 im Transzendenzbeweis durch Ferdinand von Lindemann (1852 - 1939)
gipfelte (aber nicht endete), sind eine große Geschichte für sich, auf die wir hier nicht weiter
eingehen können. Während jedoch die tatsächliche Verfügbarkeit von
jahrhundertelang durch die
gedruckte Angabe vieler Dezimalstellen in Zahlentafeln und Formelsammlungen erfolgte, hat die
Bezeichnung
im Zeitalter des Taschenrechners bzw. des Computers eine neue Bedeutung als Name von
Rechenprogrammen erhalten, die - vom Nutzer unbemerkt - aufgerufen werden und die Zahl mit jeweils
benötigter Genauigkeit blitzschnell berechnen, sobald sie benötigt wird. Von hier öffnet sich der
Blick zu neuen Fragestellungen. So lange man nicht ein so schnelles Werkzeug wie den Computer hatte,
war Rechenarbeit viel kostbarer als "Speicherplatz". Jetzt ist es umgekehrt. Daher ist
nicht länger
der Name (die Adresse) eines gespeicherten Ergebnisses sondern der Name eines viel weniger Platz
erfordernden Programms zur Erzeugung dieses Ergebnisses.
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