Zusammenspiel: Mathematik und Architektur
Minimalflächen:
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Eine andere Teildisziplin der Architektur beschäftigt sich mit dem zum letztgenannten komplementären Problem: Wie kann man mit möglichst wenig Material eine möglichst große Halle überdachen? Diese Fragestellung ist eng verwandt mit der Frage nach optimaler Kräfteverteilung und Stabilität einer Konstruktion. Optimale Kräfteverteilung heißt hierbei, dass möglichst alle auf die Bauteile wirkenden Kräfte der Steifigkeit und Stabilität der Konstruktion selbst zu Gute kommen. Anders ausgedrückt, sollte eine solche Konstruktion keinerlei innere Verspannungen haben. Eine nahe liegende Fertigungsmöglichkeit, von der auch häufig Gebrauch gemacht wird, besteht darin, ein Gerüst der Konstruktion als Stabwerk zu realisieren und die einzelnen Zellen der Konstruktion mit einem leichten Material z.B. Plexiglas zu verschließen. Eine ideale Kräfteverteilung ist dann erreicht, wenn die Stäbe des Gerüstes letztlich nur auf Zug oder Druck, nicht aber auf Verbiegung oder Verdrehung belastet werden. Zwangsweise führt dies zu geschwungenen Formen, da scharfe Kanten zu Scherkräften und inneren Spannungen führen würden. Solche Konstruktionen verfügen aufgrund der effektiven Ausnutzung der Ressourcen über eine verblüffende Stabilität bei gleichzeitiger optischer Leichtigkeit. Fertigungstechnisch stellen sie jedoch eine große Herausforderung dar. Durch die amorphen Formen sind selten auch nur zwei Teile identisch, und die Stablängen der Konstruktion müssten exakt vorberechnet werden.
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| Schwimmbad Neckarsulm, Schlaich, Bergmann und Partner, 1989. |
An dieser Stelle soll noch einmal ein anderer Aspekt im Zusammenspiel von Mathematik und Architektur gewürdigt werden, der wohl zu den wichtigsten Innovationen der Neuzeit gehört. In den letzen Jahren hat sich im Bereich der Fertigungstechnik für architektonische Konstruktionen ein langsamer, aber dramatischer Wandel vollzogen. Die Beschränkung auf wenige, genormte Standardteile war eine wichtige Errungenschaft der Industrialisierung, durch die die Kosten eines Gesamtgebildes entscheidend gesenkt werden konnten. Dieses Prinzip zieht sich durch die gesamte Fertigungstechnik, nicht nur durch die Architektur, beginnend mit dem Buchdruck aus einzelnen Lettern bis hinein in die aus heutiger Sicht wenig aufregende Tatsache, dass es nur noch wenige Typen von Gewindeschrauben gibt.
Durch den Einzug der rechner- und robotergestützten Fertigung ist es heute aber erstmalig möglich, jedes einzelne Teil individuell und dennoch kostengünstig anzufertigen. Die vollständige Computerisierung der Architektur vom Rohentwurf und Design im CAD-System bis zur Fräsmaschine erlöst vom Druck der Gleichmacherei und gibt die Chance, bis an die Grenze des mathematisch-physikalisch Machbaren zu gehen. Ein Prozess, bei dem Mathematik an den verschiedensten Stellen eine Rolle spielt.
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| Innenhof des Great Court des British Museum, 2000. |
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