Pressemitteilung der DMV
Presseerklärung der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV) anlässlich der Vorstellung der Internetseite www.mathematik.deSchlüsseltechnologie Mathematik
Mathematik ist eine Schlüsseltechnologie des Informationszeitalters. (Dies wird in der ``Greencard''-Debatte vielfach übersehen, wenn immer nur von ``Informatik-Spezialisten'' die Rede ist.) Probleme wie Kodierung und Dekodierung, Datensicherheit, Datenkompression, (Daten-)Verkehrssteuerung, Netzwerkoptimierung etc. sind allesamt mathematische Verfahren. Wir alle halten es inzwischen für selbstverständlich, dass unser Handy fast überall einwandfrei funktioniert. Dass dahinter aber sehr viel Mathematik steht, wissen die wenigsten.
Die überaus dynamische Entwicklung des Faches
Mathematik zeigt sich aber auch durch die Erschließung neuer
Anwendungsgebiete (z.B. stochastische Methoden in der Finanzmathematik,
Mathematik in der Medizin).
Der Arbeitsmarkt boomt - trotzdem gibt es Nachwuchsprobleme
Dies hat die Industrie längst erkannt - Mathematikerinnen und Mathematiker, haben hervorragende Berufsaussichten. Sie werden einerseits wegen ihrer spezifischen Fachkenntnisse eingestellt, andererseits aber auch, weil sie durch ihr Studium die Fähigkeit erworben haben, selbst hochkomplexe Probleme zu analysieren und zu lösen (letztlich auch ,,auf dem Computer'' - aber ,,der Computer'' selbst löst keine Probleme...)
Deshalb ist es bedauerlich und schädlich, dass
die Mathematik Nachwuchsprobleme hat. So entsteht die groteske
Situation, dass einerseits Fachleute dringend gesucht werden
und Examenskandidaten vom Fleck weg auf die attraktivsten Positionen
engagiert werden, andererseits aber an vielen Hochschulorten die
Hörsäle wesentlich leerer sind als noch vor einigen Jahren
- und die Lehre auch weniger gut ausgestattet und gefördert
ist.
Ein Image-Problem?
Mathematik gilt oftmals als ein abgeschlossenes Gebäude von Lehrsätzen und Kochrezepten, die sich nicht mehr verändern, nur wenigen zugänglich sind, und kaum einen Bezug zur Realität haben.
Mathematik ist aber nicht nur ein hochrangiges Kulturgut, sondern auch eine lebendige Wissenschaft mit vielen offenen Fragen, die große Auswirkungen für Anwendungen haben, und die von Menschen getragen wird, die sich um Wege und Methoden streiten.
Die DMV hat es sich zur Aufgabe gemacht, dieses Bild von Mathematik zu verbreiten. Dazu gibt es derzeit zwei Initiativen, andere werden folgen.
- Aufbau von www.mathematik.de -
Homepage der Mathematik - als Service und als Informationsmedium
für Nichtmathematiker.
Diese wird im Rahmen der ''European Science and Technology Week'' vorgestellt. Die Seite enthält Informationen zur Mathematik selbst, zu neuen interessanten Entwicklungen, Kontakte zu Mathematikern, Universitäten und Firmen. Es wird auch einen interaktiven Zugang für alle an der Mathematik Interessierten geben. Am einfachsten ist es, die Seite anzuklicken und sich über den derzeitigen Stand zu informieren. - In Zusammenarbeit mit den Kollegen aus der Didaktik sollen Konzepte zur Modernisierung der Lehreraus- und fortbildung entwickelt werden, die diese praxisnäher machen, was dann rückwirkend einen modernen Mathematikunterricht bewirken kann. Die Chance der zunehmenden Ausstattung der Schulen mit PCs soll für einen lebendigen Mathematikunterricht genutzt werden. Dazu bietet die DMV ihren Fachverstand an.
Forderungen
Mathematik muss mehr als bisher gefördert werden. Die Kürzungen
in den Stundentafeln der Schulen müssen aufhören. Die Ausstattung
der Schulen mit PC und Laptop reicht nicht. Es muss vielmehr gefragt
werden, wie diese neuen Medien sinnvoll im Mathematikunterricht eingesetzt
werden können. Über Inhalte, nicht über technische
Ausstattung muss zunächst geredet werden. Danach kommt die Umsetzung
in entsprechende Software. Die Universitäten müssen besser
ausgestattet werden, damit sie ihrem genuinen Auftrag zur Lehreraus-
und -fortbildung nachkommen können. All dies kostet Geld. In einem
Land, das kaum natürliche Resourcen hat, ist eine Investition
in die Mathematik, gerade wegen ihrer zentralen Bedeutung, eine Investition
in die Zukunft, die sich für die gesamte Gesellschaft auszahlt.
Der Präsident der DMV, Prof. Dr. G. Stroth.
Redaktion: Prof. Dr. E. Behrends (Schriftführer)

