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Rezension

   
Titel
Pythagoras und kein Ende?

Peter Baptist
Ernst Klett Schulbuchverlag Leipzig, 1998, 152 Seiten, 10.50 Euro
ISBN: 3127200404
   

Das Vorwort beginnt mit drei Zitaten. Das erste (von Leonardo von Pisa) besitzt die Pointe, dass "an alles zu denken und keine Fehler zu begehen ist eher göttliche als menschliche Eigenschaft". Dennoch soll hier eine Rezension versucht werden. Die beiden anderen Zitate (von Georg Christoph Lichtenberg) gipfeln in der Aussage, dass Rezensenten die Bücher, die sie beurteilen, gar nicht lesen. Dies zu bewerten sei dem Leser dieser Rezension anheim gestellt. Das Buch "Pythagoras und kein Ende?" ist als Lese- und nicht als Lehrbuch konzipiert, der Unterhaltungsaspekt steht im Vordergrund. So werden im einleitenden ersten Kapitel zwar einige Ausführungen zu den "Elementen" des Euklids gegeben, doch spannt sich der Bogen auch zu Kunstwerken, Briefmarken, Werbekampagnen und Anekdoten sowie einem Drama rund um die Person Pythagoras und des nach ihm benannten Lehrsatzes. Allerdings ist der Abschnitt, der sich mit Geldscheinen mit den Konterfeis von Mathematikern beschäftigt, wohl in absehbarer Zeit wegen der Einführung des Euro geringfügig umzuschreiben. In diesem ersten Kapitel wird auch versucht, ein Bild von der Person Pythagoras zu zeichnen, dieses mündet allerdings bei dem Eingeständnis, dass man eigentlich gar nichts so richtig weiß (was aber auch nicht verwundert).
Im zweiten Kapitel werden verschiedene Varianten zur Entstehungsgeschichte des Lehrsatzes dargestellt - gespickt mit Gedicht(fragment)en aber auch Ausführungen zu potenziellen Quellen im alten Ägypten und den Babyloniern.
Das dritte Kapitel ist den verschiedenen Beweisideen gewidmet, wobei hier etliche in anderem Zusammenhang bekannte Persönlichkeiten zitiert und deren Auseinandersetzung mit dem Lehrsatz des Pythagoras dargestellt werden. Hierzu zählen u. a. Arthur Schopenhauer, Leonardo da Vinci, James A. Garfield (20. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika), Abraham Lincoln und Albert Einstein. Dieser Teil ist zwar reich mit geometrischen Figuren illustriert, doch bleibt der Charakter des Lesebuchs auch hier erhalten.
Das vierte Kapitel stellt Beziehungen zwischen Pythagoras und anderen Persönlichkeiten wie Thales, Ptolemäus, Kopernikus, Kepler und Fibonacci her und lässt dabei auch fiktive Begegnungen zu. Hierbei werden auch Zusammenhänge mit anderen mathematischen Sätzen nachvollziehbar dargestellt. Nebenbei erfährt man auch, woher die heute verwendeten Begriffe "Winkelminute" und "-sekunde" ihren Ursprung haben.
Letztlich bilden Verallgemeinerungen des Satzes des Pythagoras das letzte Kapitel dieses Buches. Hier wird zwar die Mathematik mehr in den Vordergrund gestellt, doch wirkt sie nicht erschlagend.

Das Buch ist für alle interessant, die sich nicht nur für die nackte Aussage des Satzes des Pythagoras interessieren, sondern auch gerne ein bisschen links und rechts schauen. Das Buch ist liebevoll geschrieben. Allerdings bedarf es für den Ungeübten einiger Auseinandersetzung mit den Feinheiten der Ausführungen - da werden z. B. schon mal Winkel im und gegen den Uhrzeigersinn gemessen. Es haben sich auch einige wenige kleinere Fehler in den Formeln eingeschlichen, doch kann man inhaltlich den Ausführungen gut folgen.



(Rezension: Wolfgang Volk)