
Das Gefangenen-Dilemma
Ein berühmtes Problem aus der Spieltheorie,
das sich auf viele Situationen in Politik, Wirtschaft und auch Kriegsführung
anwenden lässt, ist das so genannte "Gefangenen-Dilemma". Hieran
lassen sich darüber hinaus einige Methoden und Begriffe der Spieltheorie
praktisch anwenden. Außerdem lassen
sich viele Situationen in Politik und Wirtschaft durch die hier gewonnenen
Erkenntnisse erklären.
Zwei Männer, Sam und
Bob, werden beschuldigt gemeinsam ein schlimmes Verbrechen begangen zu haben. Der
zuständige Polizeibeamte macht, um das Aufklärungsverfahren zu beschleunigen, den beiden
folgendes Angebot:
Wenn einer der Gefangenen den Hergang des
Verbrechens schildert und der andere schweigt, so wird derjenige freigelassen,
der mit der Polizei zusammengearbeitet hat. Der Andere muss für 20 Jahre ins
Gefängnis. Sollten sowohl Sam als auch Bob reden, gehen beide für je 10 Jahre
ins Gefängnis. Wenn beide schweigen, steht der Polizei genug Beweismaterial zur
Verfügung um Sam und Paul für je 2 Jahre gefangen zu halten.
Es ist klar, dass beide Spieler das Ziel haben
so wenig Zeit wie möglich im Gefängnis zu verbringen. Wenn wir also Punkte für
das "Spiel" vergeben wollen, können wir die Anzahl der Haftjahre als
einen Verlust, also eine negative Punktzahl darstellen.
Spiele wie dieses visualisiert man in der
Spieltheorie mit Hilfe einer so genannten Payoff-Matrix, eine Tabelle in der alle
möglichen Strategien für jeden der beiden Spieler aufgelistet sind und die
Zellen der Tabelle die entsprechenden Auszahlungen(=Payoffs) für die Spieler wiedergeben.
In der folgenden Tabelle ist die erste der beiden Zahlen die Auszahlung für Bob
und die zweite entsprechend die für Sam.
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Sam |
|
|
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reden |
schweigen |
|
Bob |
reden |
-10,
-10 |
0,
-20 |
|
schweigen |
-20,0 |
-2,
-2 |
|

Die beiden Gefangenen sind in zwei getrennten
Räumen. Keiner weiß, wie der andere entscheidet. Jeder Gefangene stellt nun
folgende Überlegung auf:
"Es gibt zwei Möglichkeiten: Mein
Gegenspieler kann reden oder nicht. Wenn er redet, muss ich für 10 Jahre ins
Gefängnis, wenn ich auch rede und für 20 Jahre, wenn ich schweige. Wenn er
aber schweigt, muss ich nicht ins Gefängnis wenn ich rede und
für 2 Jahre wenn ich ebenfalls schweige. Also ist es in jedem Fall besser, wenn
ich rede."
Allgemein formuliert berechnen die Spieler
also alle möglichen Strategiepaare. Der Spieler findet heraus, dass er in jedem
Fall, egal was der Gegner gewählt hat, eine höhere Punktzahl erzielt, wenn er
redet. Demzufolge könnte man die beiden Zeilen, die für die
Schweigen-Strategie bei beiden Spieler stehen löschen, denn wenn sich beide
Spieler vernünftig verhalten, würden sie diese Strategie nie wählen. Zurück
bleibt also nur eine Zelle für die Strategiekombination, dass beide reden. Dies
ist das Strategiepaar, das auftritt, wenn sich beide Spieler ökonomisch
rational verhalten, man kann es also als "Lösung" betrachten. Reden wird
als dominante Strategie bezeichnet. Die Strategiekombination, in der beide
reden, wird Gleichgewicht in dominanten Strategien genannt.
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Definition:
Wenn ein Spieler in einem Spiel alle möglichen Strategiekombinationen
durchrechnet und herausfindet, dass er mit einer bestimmten Strategie unabhängig
vom Verhalten seines Gegners den jeweils besten Ertrag erzielen kann, so nennt
man diese Strategie eine dominante
Strategie. |
| Definition:
Wenn in einem Spiel jeder Spieler eine dominante Strategie hat und diese auch
spielt, führt diese Strategiekombination und die resultierende Auszahlung
zu einem Gleichgewicht in dominanten
Strategien. |
Nun fällt aber auf, dass beide Gefangenen
einen günstigeren Ertrag erhalten hätten, wenn sie beide geschwiegen, sich also
"irrational" verhalten hätten, nämlich -2. Dies ist das Dilemma der
Situation. Dadurch, dass sich jeder Spieler rational verhält, entsteht für
beide ein schlechterer Ertrag.
Nun könnte man die Situation dahingehend verändern, dass die Gefangenen sich vor ihrer Entscheidung absprechen können, ihre Strategien aber weiterhin getrennt wählen. In diesem Fall würden sich die beiden Gefangenen wahrscheinlich darauf einigen nichts zu sagen, sodass beide nur für 2 Jahre ins Gefängnis müssen.
Aber würden sie sich wirklich daran halten? Nach der
Besprechung merkt jeder der beiden Gefangenen, dass der andere einen ja
vielleicht hereinlegen könnte und trotz der Abmachung reden würde, wodurch er
ungescholten davon käme, während man selbst 20 Jahre im Gefängnis verbringen
müsste. Andererseits könnte man selbst versuchen den anderen hereinzulegen, um
so einen besseren Ertrag zu erzielen. Somit werden weiterhin beide Spieler mit
der Polizei kooperieren und ihren Komplizen verraten. Folglich beeinflusst die Änderung des
Spiels das Gleichgewicht in dominanten Strategien nicht.
Für die vollständige Darstellung von Spielen
gibt es in der Spieltheorie verschiedene Methoden. Das Gefangenendilemma lässt
sich, wie die nächsten folgenden Spiele am besten in der so genannten Normalform festhalten.
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Definition: Die Normalform eines
Spiels enthält folgende
Angaben über dessen Eigenschaften: - die Anzahl der Spieler - die Entscheidungsmöglichkeiten für jeden Spieler - die resultierenden Profite für jede Strategiekombination |
Wenn man also das Gefangenendilemma vollständig
in der Normalform beschreiben will, muss man folgende Angaben machen:
- Es gibt 2 Spieler (Sam und Bob)
- Für jeden Spieler gilt folgende
Strategiemenge S={schweigen, reden}
die Auszahlungen können dann in einer Tabelle
wie schon geschehen notiert werden.