
Wir haben nun Lösungskonzepte für die
Nullsummenspiele entwickelt. Doch nicht alle durch die Spieltheorie
darstellbaren Situationen sind Nullsummenspiele. Betrachten wir einmal folgendes
Problem:
Zwei Autofahrer kommen sich auf einer Straße
entgegen. Beide fahren auf derselben Straßenseite. Es gibt nun folgende
Strategien: Jeder Fahrer kann entweder die Seite wechseln oder auf seiner Seite
bleiben. Dabei soll unterstellt werden, dass beide Fahrer nur simultan handeln
können. Wenn wir ein reibungsloses Passieren der beiden Autos mit 0 und einen
Crash mit -100 für beide Fahrer bewerten, ergibt sich folgende Payoff-Matrix:
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Fahrer
B |
|
|
|
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wechseln |
bleiben |
|
Fahrer
A |
wechseln |
-100,
-100 |
0,0 |
|
bleiben |
0,0 |
-100,
100 |
|

Das Spiel ist auf keinen Fall ein
Nullsummenspiel. Die Summe der Payoffs variiert in den einzelnen Zellen. Solch
ein Spiel wird Spiel mit nonkonstanten Summen genannt.
Es lässt sich hier keine dominante Strategie
erkennen. Auch die Analyseverfahren, die wir bei den Nullsummenspielen verwendet
haben, bringen bei diesem Beispiel nicht viel. Es fällt vielmehr auf, dass die
jeweils optimale Entscheidung von der Strategie des anderen Spielers abhängt.
Ein Untersuchungskonzept für Situationen wie
die hier geschilderte lieferte John Nash der, wie schon erwähnt, 1994 den
Nobelpreis erhielt. Er stellte folgende Definition auf:
| Definition: Wenn es in einem Spiel eine Strategiekombination gibt, für die gilt, dass es für keinen Spieler profitabel ist seine Strategie zu ändern, wenn die anderen Spieler ihre Strategie unverändert lassen, bilden die Strategiekombination und die resultierenden Payoffs ein Nash-Gleichgewicht. |
In dem genannten Beispiel gibt es also zwei
Nash-Gleichgewichte, nämlich (wechseln, bleiben) und (bleiben, wechseln). In
der Praxis kann man durch soziale Konventionen, hier Verkehrsregeln, bestimmen
welches Nash-Gleichgewicht zu wählen ist. Eine weitere Lösung für die beiden
Fahrer wäre es wenn einer der beiden seine Hände demonstrativ vom Lenkrad
lösen würde und somit als manövrierunfähig erkennbar wäre. Dann würde der
andere Fahrer, der dies sieht seine Fahrseite wechseln und ein reibungsloses
Passieren der beiden Autos wäre möglich.
Kommen wir nun zu einer weiteren
Marktsituation. Angenommen zwei miteinander konkurrierende Unternehmen
produzieren Orangensaft, der in 1 Liter-Flaschen verkauft wird. Sie können
entweder einen Preis von 1€ oder von 2€ veranschlagen. Für diesen Markt
gilt folgende Payoff-Matrix:
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Unternehmen
B |
|
|
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1
€ |
2
€ |
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Unternehmen
A |
1
€ |
-20,
40 |
10,
35 |
|
2
€ |
-25,
50 |
15,
100 |
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Auch hier gibt es wieder für keinen Spieler
eine dominante Strategie. Die optimale Wahl des einen Spielers hängt von der
Entscheidung des anderen ab. Wenn A sich für 1€ entscheidet, so ist es für B
am besten ebenfalls 1€ zu wählen. Entscheidet sich A aber für 2€ ist es
das Beste für B ebenfalls 2€ zu verlangen.
Als Nash-Gleichgewichte
ergeben sich nach unserer Definition die Strategiekombinationen (1€, 1€) und (2€, 2€). Hierbei bemerkt man aber,
dass das Nash-Gleichgewicht (2€,2€) für beide Spieler wesentlich
ertragreicher ist als das andere. Trotzdem kann es natürlich passieren, dass
das schlechtere Nash-Gleichgewicht oder sogar eine Situation, die kein
Nash-Gleichgewicht ist, in einem Spiel gewählt wird.
Hierbei spielt es zum Beispiel eine Rolle wie sich die Spieler einschätzen.
Wenn wir noch einmal das Gefangenendilemma
betrachten, finden wir heraus, dass das gefundene Gleichgewicht in dominanten
Strategien auch ein Nash-Gleichgewicht ist. Dies ist eigentlich logisch, denn
ein Gleichgewicht in dominanten Strategien ist per Definition eine Situation, in
der alle Spieler die Strategie gewählt haben, die ihnen unabhängig von der
Wahl des Gegners den besseren Ertrag von den zur Verfügung stehenden
Strategiekombinationen bringt.
Demzufolge ist es für keinen Spieler profitabel seine Strategie zu ändern,
wenn der andere seine Strategie beibehält. Dies deckt sich mit der Definition
des Nash-Gleichgewichtes.
Auch in dem von uns untersuchten
Nullsummenspiel "Elfmeterschießen" lässt sich das Nash-Gleichgewicht
anwenden. Wir haben herausgefunden, dass es für jeden Spieler optimal ist,
beide zur Verfügung stehenden Strategien jeweils mit einer
Wahrscheinlichkeitsgewichtung von 50% zu spielen. Dies ist gleichzeitig auch das
Nash-Gleichgewicht des Spiels, denn kein Spieler kann davon profitieren diese
Gewichtung zu ändern, wenn der andere seine unverändert lässt.