

Nullsummenspiele
Kommen wir nun zu einem anderen
Beispiel. Angenommen zwei Autofirmen stehen im Wettbewerb
gegeneinander. Beide haben die gleichen festen Kosten und zwar 1 Mrd. € pro
Geschäftsperiode. Die Firmen können ihre Modelle entweder zu einem Preis von 10.000€
oder 20.000€ anbieten. Bei einem Preis von 10.000€ können 200.000 Autos
verkauft werden, sodass es zu einem Umsatz von 2 Mrd. € kommt, bei einem Preis
von 20000€ können 100.000 Autos verkauft werden, es ergibt sich wieder ein
Umsatz von 2 Mrd. €. Wenn die beiden Firmen unterschiedliche Preise wählen, verkauft
nur das Unternehmen mit dem geringeren Preis etwas, wählen beide den gleichen
Preis, spaltet sich der Markt in zwei gleich große Teile auf und jedes
Unternehmen verkauft gleich viel. Man erhält also folgende Payoff-Matrix für
die Gewinne (=Umsatz - feste Kosten) der Autofirmen:
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|
|
Firma
B |
|
|
|
|
10.000€ |
20.000€ |
|
Firma
A |
10.000€ |
0,0 |
1
Mrd. €, -1 Mrd. € |
|
20.000€ |
-1
Mrd. €, 1Mrd. € |
0,0 |
|
Abgesehen davon, dass dies ein sehr
unrealistisches Preismodell ist, fällt auf, dass man, wenn man die Payoffs für
beide Firmen addiert, in jeder Zelle den Wert Null erhält. Das
heißt, was das eine Unternehmen gewinnt, verliert das andere. In einem solchen
Fall spricht man von einem Nullsummenspiel.
| Definition:
Wenn in einem Spiel für jede Strategiekombination die Summe der
Auszahlungen Null ergibt, so nennt man dieses Spiel ein Nullsummenspiel. |
Beispiele für Nullsummenspiele sind auch
Poker (der Geldbetrag, den ein Spieler gewinnt, stammt von den anderen),
Lohnverhandlungen (mehr Gehalt = mehr Geld für Arbeitnehmer, gleicher Betrag
weniger für Arbeitgeber, wenn man Steuern, Lohnnebenkosten nicht
berücksichtigt) oder auch verschiedene Finanzinstrumente wie z.B. Futures, bei
denen einer der beiden Händler auf steigende und der andere auf fallende Kurse einer Aktie setzt und sich
nach Ablauf einer vereinbarten Zeit der Payoff der beiden Händler durch den
Aktienkurs ermittelt und der eine das verdient, was der andere zahlen muss.
In einem Zwei-Personen-Nullsummenspiel ist es
rational, diejenige Strategie auszuwählen, die den minimalen Payoff maximiert.
Dies ist die so genannte Maximin-Strategie.
An unserem Autofirmen-Beispiel wird dies deutlich: Wenn eine Firma einen Preis von 20000€ wählt,
fährt sie entweder einen Verlust von 1Mrd. Euro oder ein ausgeglichenes
Ergebnis ein. Wenn man dagegen den Preis auf 10000€ festsetzt, hat man die
Chance 1 Mrd. Euro Gewinn zu machen oder einen Nullgewinn zu erzielen. Es ist
also für beide Firmen rational einen Preis von 10.000€ zu wählen, womit sich
ein Gleichgewicht einstellt, in dem beide Unternehmen Nullgewinne
erzielen.
Ein anderes Nullsummenspiel ist das klassische
Elfmeterschießen, wie wir es oft beim Fußball sehen. Dies soll nun auf
folgende, vereinfachte Weise modelliert werden: Es gibt zwei Spieler einmal den
Stürmer und einmal den Torwart. Der Stürmer kann entweder nach links oder nach
rechts schießen, der Torwart kann in eine der beiden Richtungen springen. Wir
unterstellen nun, dass der Torwart, wenn er zur selben Seite springt, in die der
Stürmer geschossen hat, den Ball fängt. Dies soll mit einem Punkt für den
Torwart gewertet werden. Springt er auf die falsche Seite, schießt der Stürmer
ein Tor, was als Punkt für ihn gewertet werden kann. Beide Spieler wählen
simultan ihre Strategie. Es ergibt sich also
folgende Payoff-Matrix:
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Torwart |
|
|
|
|
links |
rechts |
|
Stürmer |
links |
-1,1 |
1,
-1 |
|
rechts |
1,-1 |
-1,1 |
|

Hier ist es nicht so einfach eine rationale
Strategie herauszufinden, denn der minimale Payoff ist für beide Strategien
–1 und der maximale +1. Es leuchtet ein, dass hier eine vernünftige
Spielweise nie darin bestehen kann immer dieselbe Strategie zu verwenden, denn
so kann sich der Gegner darauf einstellen. Also sollte man alle zur Verfügung
stehenden Strategien nutzen und die Auswahl dem Zufall überlassen. Eine solche
Strategie nennt man gemischte Strategie.
| Definition:
Wenn ein Spieler in einem Spiel zwischen zwei oder mehreren Strategien zufällig
nach vorher spezifizierten Wahrscheinlichkeiten wählt, so nennt man dies eine
gemischte Strategie. |
Dies
fand auch John
von Neumann heraus. Er analysierte als einer der ersten Mathematiker
Nullsummenspiele und konnte zeigen, dass jedes Zwei-Personen-Nullsummenspiel
eine Maximallösung in gemischten wenn nicht in einer reinen Strategie hat.