
Die
UMTS-Auktionen
Am
17. August 2000 wurden die deutschen UMTS-Auktionen beendet. Erzielt wurde eine
Gesamtsumme von insgesamt annähernd 100 Mrd. Mark für die Lizenzen, was die
Erwartungen dramatisch übertroffen hat. Mittlerweile wird deutlich, dass sich
wohl einige Unternehmen an den riesigen Summen überhoben haben, denn sie sind
in finanzielle Schieflagen geraten. Mittlerweile wird sogar offen eine
Annullierung der Auktionen gefordert um den betroffenen Unternehmen zu helfen.
Aus
spieltheoretischer Sicht sind diese Auktionen natürlich ein interessantes
Anwendungsfeld. Man kann hier die Erwartungen einer Firma in ein Modell fassen
und so versuchen eine optimale Bietstrategie zu entwerfen. Auch die
schlussendliche Verteilung der Lizenzen lässt sich mit der Spieltheorie besser
begründen.
Die
Bedeutung der Spieltheorie für die Auktionen wurde wohl auch von den
Unternehmen entdeckt. So wurden einige Schritte der Firmen von den
Verantwortlichen nach den Auktionen mit spieltheoretischen Ansätzen begründet.
Außerdem ließ sich ein Unternehmen von dem Nobelpreisträger Reinhard Selten
beraten. In einem Interview sagte dieser, dass die Probleme der Auktion darin
lagen, dass den Firmen nicht genau klar war, was die Lizenzen genau wert sind.
Außerdem entwickelte sich eine Eigendynamik bei der Auktion, wobei sich die
Unternehmen scheinbar nicht alle an ihre Pläne hielten.
Eine
wichtige Rolle bei der Auktion spielten auch die Kapitalmärkte, wie wir noch
sehen werden. Es wäre auch interessant zu untersuchen, inwieweit dort Druck
ausgeübt werden kann.
Am
Anfang wollen wir einmal betrachten, welche Überlegungen bei der Konzeption der
Versteigerungssysteme eine Rolle spielen. Anscheinend gibt es hierbei und auch
bei der Umsetzung der Ziele höchst unterschiedliche Meinungen, denn in Europa
gab es viele verschiedene Formen der Zuteilung der Lizenzen. Im Groben lassen
sich diese in zwei unterschiedliche Konzepte gliedern: Die Auktionen und die
Beauty-Contests. Bei den Beauty-Contests wurden die Unternehmen, die sich für
die Lizenzen beworben haben nach verschiedenen Kriterien gemustert und der Staat
hat dann den Unternehmen, die ihm am meisten zusagten die Lizenzen zugeteilt.
Eine solche Zuteilung ist jedoch ziemlich problematisch, da hier die genauen
Entscheidungsprozesse nicht transparent sind. Andererseits wird hier im
Vergleich zu den Auktionen ein Bieterwettstreit mit desaströsen Folgen für die
Unternehmen, Absprachen der Beteiligten und anderen negativen Aspekte der Auktion
vermieden.
Das
Hauptziel der Versteigerungen sollte in jedem Fall wirtschaftliche Effizienz
sein. So dürfen nicht zu viele Unternehmen den neuen Markt betreten, da dies zu
einem ruinösen Preiskampf und wahrscheinlich vielen Insolvenzen führen würde.
Es darf aber auch kein Monopol entstehen, da so der Nutzen der Verbraucher an
der Technik durch hohe Preise und keinen Wettbewerb gering wäre.
Bei
den Teilnehmern an der Auktion muss zwischen zwei Typen unterschieden werden:
den GSM-Providern, die schon ein Handynetz haben und den übrigen Firmen, die
vielleicht schon in der Branche tätig sind, aber über kein bestehendes Netz
verfügen.
Es
ist klar, dass jede Firma vor der Auktion wenn sie ihre Strategie erstellt eine
Schätzung des erwarteten Profits durch die UMTS-Technologie macht. Hierbei muss
man vom erwarteten Profit die Lizenzkosten und die Kosten zum Aufbau des Netzes
abziehen. Des Weiteren ergibt sich, dass der Wert einer Lizenz eine Funktion der
Marktkonstellation ist, denn je mehr Unternehmen lizenziert werden, desto
geringer ist der Wert und Profit der Lizenz für jede der einzelnen Firmen. In
dieser Arbeit wird die Annahme gemacht, dass die GSM-Provider eine höhere
Bewertung der Lizenzen haben, denn sie haben schon eine Infrastruktur und daher
wahrscheinlich geringere Kosten. Des Weiteren werden sie GSM-Kunden an die
UMTS-Dienste verlieren. Es kann natürlich trotzdem sein, dass eine andere Firma
günstigere Bedingungen hat als ein GSM-Provider doch im Durchschnitt wird dies
nicht der Fall sein. Auch Einzelfälle, wie eine besondere strategische
Wichtigkeit des Erwerbens einer Lizenz sollen nicht berücksichtigt werden.
Nach
unseren Annahmen sind die GSM-Provider also bereit höhere Summen zu bieten als
die Neueinsteiger. Außerdem haben sie verschiedene Wettbewerbsvorteile. Daher würden
wahrscheinlich die meisten Einsteiger gar nicht erst in die Auktion einsteigen
oder sie werden versuchen mit den großen Unternehmen zu kooperieren. Dies hätte
jedoch negative Konsequenzen auf den Wettbewerb. Daher sollte man als
Auktionator überlegen, wie man diese Umstände verändern und somit Anreize für
die Einsteiger schaffen kann auch mitzubieten.
Aus
unseren bisherigen Überlegungen folgt, dass der Auktionator die Nummern der künftigen
Marktteilnehmer irgendwie beschränken muss. Das wichtigste Instrument hierfür
ist ohne Frage die Anzahl der Lizenzen. Eine Möglichkeit für die
Begrenzung der Lizenzen wäre es die Auktion in zwei Teile zu gliedern: einen für
die GSM-Provider und einen für die Einsteiger. Man könnte z.B. 3 Lizenzen
unter den GSM-Providern und 3 unter den Einsteigern versteigern. Eine bessere Möglichkeit
ist es eine Lizenz mehr zu versteigern als es GSM-Provider gibt, dies wurde z.B.
in Großbritannien gemacht.
In
den Niederlanden wurde die Notwendigkeit der Förderung der Einsteiger nicht
erkannt, denn es wurden 5 Lizenzen versteigert, während es 5 GSM-Provider gibt.
Allerdings lässt sich sagen, dass 5 Lizenzen für ein kleines Land wie die
Niederlanden schon genug sind.
Auch
in Deutschland wurden derartige Überlegungen nicht angestellt. Das deutsche
System, welches wie wir noch sehen werden sehr flexibel konzipiert war, erlaubte
eine Anzahl von lizenzierten Unternehmen von 1 bis 6. Jedoch hätten die
GSM-Provider einen Einstieg anderer Teilnehmer durch bestimmte Strategien
verhindern können, was letztlich nicht passiert ist.
Natürlich
muss bei der Entscheidung über die Anzahl der Lizenzen auch der erreichbare
Gewinn für den Auktionator eine Rolle spielen. So wurde es bei den Auktionen in
Italien festgelegt, dass die Nummer der zu versteigernden Lizenzen nach der
Entscheidung welche Anbieter für die Auktion zugelassen werden sollen, auf
(Anzahl der qualifizierten Unternehmen +1) gesetzt werden sollte. Es passierte
aber, dass eine Firma sehr schnell aus der Auktion ausschied, sodass danach
keine weitere Versteigerung mehr nötig war und die einzelnen Anbieter mit sehr
geringen Kosten an die Lizenzen kamen.
Die
Regeln der deutschen UMTS-Auktion waren im Vergleich zu den anderen europäischen
Ländern relativ komplex. Es gab zwei Teilauktionen. In der ersten Auktion
wurden die Lizenzen ersteigert, in der zweiten Runde konnten die lizenzierten
Firmen dann zusätzliche Kapazitäten ersteigern.
In
der Lizenzauktion stehen 12 so genannte Blöcke mit einem Spektrum von je 2 * 5
MHZ zur Versteigerung. Die Bieter können höchstens drei solcher Blöcke
ersteigern aber sie müssen mindestens zwei ersteigern um eine Lizenz zu
bekommen. Daraus folgt, dass die Nummer der lizenzierten Firmen zwischen 0 und 6
sein kann. Für jeden Block mussten mindestens 100 Mio € geboten werden.
Daraus folgt, dass ein Block nur aus zwei Gründen nicht verkauft werden kann:
Entweder niemand bietet mehr für den Block als den Mindestpreis oder derjenige,
der das höchste Gebot für den Block gemacht hat, hat sonst keinen weiteren
Block ersteigert und ist somit nicht lizenziert.
Darüber
hinaus gab es viele weitere Regeln, die jedoch nicht alle großen Einfluss auf
die strategischen Überlegungen haben und daher an dieser Stelle vernachlässigt
werden.
An
der Auktion für die zusätzlichen Kapazitäten dürfen nur die Firmen
teilnehmen, die in der ersten Auktion lizenziert wurden. Neben den nicht
versteigerten Blöcken aus der ersten Auktion werden hier 5 ungepaarte Blöcke
mit einer Frequenz von jeweils 1*5MHZ versteigert. Jeder Teilnehmer kann
beliebig viele von den nicht gepaarten Blöcken ersteigern, kann aber nicht mehr
als einen gepaarten Block übernehmen.
Modellierung
Da
das deutsche System sehr komplex ist, wollen wir zunächst einmal ein
einfacheres Auktionsmodell analysieren. Hier gibt es n>=2
Netzbetreiber
und m>=2
übrige
Firmen, die im Folgenden nur noch Neueinsteiger genannt werden. Die Nummer der
zu versteigernden Lizenzen wird durch die Variable k beschrieben, mit k>=n.
Nun müssen die Bieter anhand ihrer Erwartungen des Marktes und den Auswirkungen
der Entwicklungen auf ihr Geschäft sowie der Kosten für den Aufbau eines
UMTS-Netzes beschrieben werden.
Nehmen
wir an, dass s<=k
Neueinsteiger
eine Lizenz erhalten. Dann ist der Ertrag pro Firma die eine Lizenz erhalten hat
für die Zukunft ertrag(n+s)>=0.
Die Funktion ertrag
sinkt für
eine steigende Anzahl von Wettbewerbern.
Ein
GSM-Anbieter wird, wenn er keine UMTS-Lizenz erhält nach unseren Annahmen wie
schon erklärt einen Verlust aufweisen. Dieser Verlust lässt sich durch die
Formel -verlust(n+s)<=0
beschreiben.
Die Funktion verlust
sinkt
ebenfalls mit einer steigenden Anzahl von Wettbewerbern. Ein Neueinsteiger, der
keine Lizenz erhält macht weder Verluste noch Gewinne.
Die
Fixkosten für den Aufbau und die Instandsetzung des Netzes für einen
GSM-Netzbetreiber sind ci, die für einen Neueinsteiger sind ce. Für die beiden Variablen gilt,
dass ce-ci>e
mit
e>0
.
Nehmen
wir einmal an, dass s Neueinsteiger
lizenziert werden. Hierbei hat ein Einsteiger den Preis p für seine
Lizenz geboten. Da der Profit für den Einsteiger nicht negativ sein darf, denn
sonst hätte er dieses Angebot ja nicht gemacht gilt
ertrag(n+s)-p-ce>=0
Durch
Umformen erhält man aus dieser Ungleichung eine Bedingung für den Preis:
p<=ertrag(n+s)
-ce.
Ein GSM-Netzbetreiber, der ein geringeres Gebot abgeben würde und somit nicht
lizenziert wäre, hätte somit einen Verlust von -verlust(n+s).
Wenn der
GSM-Netzbetreiber aber nun p+e
bietet, ist sein Profit ertrag(n+s-1)-(
p+e)-ci.
Es gilt nun
folgende Ungleichung:
ertrag(n+s-1)-( p+e)-ci>=ertrag(n+s-1)-(
ertrag(n+s) -ce)-e-ci>ce-ci-e.
Da ce-ci-e>0>=
-verlust(n+s)
lohnt es
sich für den GSM-Netzbetreiber mehr zu bieten als der Neueinsteiger und so die
Auktion zu gewinnen. Daraus lässt sich nun folgern, dass in jedem
Gleichgewicht, wo mindestens ein Neueinsteiger lizenziert wird, alle
GSM-Netzbetreiber eine Lizenz erwerben müssen. Damit ist mathematisch
bewiesen, dass in diesem Modell die GSM-Netzbetreiber eine höhere Bewertung der
Lizenzen haben.
Wenn
nun die Anzahl der Lizenzen der Anzahl der GSM-Netzbetreiber entspricht aber ertrag(n+1)-ce>=0
gilt, so lässt
sich vermuten, dass kein Neueinsteiger eine Lizenz erhält. Wir nehmen an, dass
die Neueinsteiger ertrag(n+1)-ce
bieten
und die GSM-Betreiber ertrag(n+1)-ce+e.
Wenn
die genannten Strategien gespielt werden, wird kein Neueinsteiger lizenziert, da
sein Gebot geringer als das der GSM-Anbieter ist und alle Neueinsteiger erhalten
somit einen Payoff von 0. Der Payoff eines GSM-Betreibers wäre
ertrag(n)-(ertrag(n+1)-ce+e)-ci=ertrag(n)- ertrag(n+1)+ce-ci-e>0
Diese
Strategiekombination ergibt ein Nash-Gleichgewicht, denn keine Firma profitiert
davon ihr Gebot zu ändern:
·
ein
Neueinsteiger würde, wenn er die GSM-Anbieter überbieten wollte Verluste
schreiben, was schlechter ist als ein Payoff von 0 bei keiner erworbenen Lizenz
·
für
einen GSM-Anbieter ist es sinnlos mehr als den genannten Betrag zu bieten.
Analog
dazu lässt sich beweisen, dass wenn die Anzahl der Lizenzen größer als die
Anzahl der Neueinsteiger ist, also k>n,
ein Gleichgewicht in folgenden Strategien besteht:
jeder
Neueinsteiger bietet ertrag(k)-ce
, jeder
Netzbetreiber bietet ertrag(k)-ce
+e
also
werden alle GSM-Anbieter und k-n Neueinsteiger lizenziert.
Nun,
wo die Methoden der Analyse einer solchen Auktion geliefert wurden, können wir
zu der deutschen Auktion kommen. Dabei soll allerdings nur die Lizenzauktion
betrachtet werden. Wie wir wissen, gab es in Deutschland zum Zeitpunkt der
Auktion 4 Handynetzbetreiber, diese bieten alle mit, also gilt n=4. Für
die Anzahl der mitbietenden Neueinsteiger gilt m>=2 .
Bei
der deutschen Auktion ist die Handhabung der Regelung der Blöcke ein zusätzliches
Problem. Wenn s Neueinsteiger eine Lizenz erhalten, wird durch ertragq(n+s)>=0
der Erwartungswert einer Firma für q mit q=2 oder q=3 beschrieben.
Hierbei ist ertrag
für
wachsende q steigend und für wachsende n+s sinkend.
Bei
der Analyse der Auktion lassen sich dieselben Ansätze verwenden wie bei dem
anderen Modell. Nach den Ergebnissen lässt sich folgende Vermutung anstellen:
In einem Gleichgewicht, wo mindestens ein Neueinsteiger lizenziert wird, d.h. q>=2
Blöcke erhält, wird jeder der 4 Netzbetreiber lizenziert und erhält
mindestens q Blöcke. Im Folgenden soll dies bewiesen werden:
Wir
gehen von einem Gleichgewicht aus, wo n+s Firmen lizenziert sind, darunter ein Neueinsteiger, der q>=2
Blöcke
ersteigert und für jeden einen Preis von b bezahlt hat. Da der Ertrag für
den Neueinsteiger positiv sein muss, gilt ertragq(n+s)-g*b-ce>=0 durch Umformung der Gleichung erhält man:
ertragq(n+s)- ce
b<=
____________
q
Nun
nehmen wir an, dass ein GSM-Netzbetreiber keine Lizenz erhält. In diesem Fall müsste
ein GSM-Netzbetreiber weniger als b für eine Lizenz bieten. Sein Payoff
wäre dann:
-verlust(n+s)<=0.
Wenn der GSM-Netzbetreiber jedoch von dieser Strategie abweicht und b+e
für die Blöcke
bietet, wird sein Payoff
ertragq(n+s-1)-g*(b+e)-ci>=ertragq(n+s-1)- ertragq(n+s)+ce-ci>=0>-verlust(n+s)
Folglich
ist diese Abweichung profitabel und es wird so ein Gleichgewicht gebildet. Damit
ist die Vermutung bewiesen.
Eine
weitere Vermutung über die Auswirkung verschiedener Strategieprofile soll nun
bewiesen werden:
Angenommen
jeder Neueinsteiger bietet für 3 Blöcke bis zu
profit3(5)-ce
be=
_________
3
für
jeden Block. Jeder GSM-Netzbetreiber bietet auf drei Blöcken bis zu bi=be+e
pro Block.
ertrag3(5)-ce
ertrag2(5)-ce
Wenn ertrag3(4)-ertrag2(4)>= _________
>=
____________
3
2
gilt,
dann bildet dieses Strategieprofil ein Gleichgewicht.
Nach
der eben bewiesenen Vermutung ist
der höchste Profit, den ein Neueinsteiger je erzielen kann ertrag3(5).
Nach der oben beschriebenen Strategiezusammensetzung erhält kein Neueinsteiger
eine Lizenz, also haben alle Neueinsteiger einen Payoff von 0, und alle
GSM-Netzbetreiber werden lizenziert. Die Neueinsteiger können bei ihren Payoff
nicht dadurch profitieren, weniger als be zu bieten. Wenn sie
hingegen b>be
auf
drei Blöcken bieten, erhalten sie einen Payoff von ertrag3(5)-3b-ce<ertrag3(5)-3be-ce=0
und wenn sie b<be
auf
zwei Blöcken bieten, erhalten sie einen Payoff von ertrag2(5)-2b-ce<=ertrag3(5)-3b-ce<ertrag3(5)-3be-ce=0,
also wieder 0. Die Strategie des Neueinsteigers kann also nicht mehr verbessert
werden.
Nun
betrachten wir einen GSM-Netzbetreiber. Wenn er bi=be+e
bietet, erhält er 3 Blöcke und ist somit lizenziert. Sein Payoff entspricht ertrag3(4)-3bi-ci=ertrag3(4)-ertrag3(5)-ci+ce-3e>0>-verlust(4). Daher ist es nicht optimal auf einigen Blöcken mehr zu bieten. Wenn der
Netzbetreiber weniger für zwei oder mehr Blöcke bietet, verliert er diese und
erhält keine Lizenz, sein Payoff ist also
-verlust(4)<=0.
Wenn der GSM-Netzbetreiber nur für einen Block weniger bietet ist sein Payoff
ebenfalls niedriger als durch die beschriebene Strategie, nämlich
ertrag2(4)-2bi-ci<=ertrag3(4)-3bi-ci. Es lässt
sich also folgern, dass die Strategie der Netzbetreiber nicht mehr optimiert
werden kann. Schlussendlich haben wir also ein Gleichgewicht gefunden.
Eine
weitere Vermutung ist, dass für ein Gleichgewicht, in dem 6 Firmen lizenziert
sind die Bedingung
3*ertrag2(6)-ce
ertrag3(5)<=______________
erfüllt sein muss.
2
Wie
schon bewiesen müssen bei 6 lizenzierten Firmen alle 4 GSM-Netzbetreiber
lizenziert sein. In diesem Gleichgewicht ist der Preis pro Block b, folglich
bekommen die Neueinsteiger einen Payoff von ertrag2(6)-2b-ce . Da dieser Payoff nicht negativ sein darf, lässt
sich voraussetzen, dass
ertrag2(6)-2b-ce
b<=
_________
2
Der
Ertrag eines Netzbetreibers ist durch ertrag2(6)-2b-ci
gegeben.
Wenn wir nun annehmen, dass ein Netzbetreiber b+ertrag für
einen Block bietet, in diesem Fall wird es nur 5 lizenzierte Firmen geben und
der Payoff des angesprochenen Netzbetreibers ist ertrag3(5)-3b-ci-e.
Folglich ist es notwendig, dass ertrag3(5)-3b-ci-e<=ertrag2(6)-2b-ci,
wenn die
Kombination mit 6 lizenzierten Firmen ein Gleichgewicht bilden soll. Dies
ist äquivalent zu
ertrag3(5)<=ertrag2(6)+b.
Da
ertrag2(6)-2b-ce
b<=
_________
2
ergibt
sich schließlich als notwendige Bedingung für ein Gleichgewicht, in dem 6
Firmen lizenziert sind:
3*ertrag2(6)-ce
ertrag3(5)R______________
. Damit ist die Vermutung bewiesen!
2
Die
deutsche UMTS-Auktion verlief sehr dramatisch. Mit dem Auktionsdesign wurde, wie
schon bewiesen riskiert, dass nur wenige Firmen den Markt unter sich aufteilen.
Diesbezügliche Befürchtungen haben sich jedoch nicht bewahrheitet. Es wurde
vielmehr ein sehr hohes Auktionsergebnis und der Einstieg zweier Firmen neben
den Handynetzbetreibern ermöglicht.
Das
Ergebnis der Auktion war, dass insgesamt sieben Lizenzen vergeben wurden, davon
4 an die Handynetzbetreiber. In der Hauptauktion erwarb jede Firma 2 Blöcke,
wobei durchschnittlich 8,4 Mrd. € für zwei Blöcke bezahlt werden musste.
Eine
aus spieltheoretischer und ökonomischer Sicht sehr interessante Situation
entstand als Debitel, eine der Firmen ohne eigenes Handynetz, die Auktion verließ.
Der Preis pro Block lag zu diesem Zeitpunkt bei 2,5 Mrd €. Nun hätte die
Auktion ziemlich schnell gestoppt werden können, da nur 6 Firmen um 6 Lizenzen
geboten haben. Stattdessen wurden die Gebote immer weiter erhöht. Das liegt
daran, dass die beiden großen Handynetzbetreiber mehr Kapazität erwerben
wollten. Dies hätte nur funktioniert, wenn mindestens eine weitere Firma die
Auktion verlassen hätte. Dies wollte jedoch niemand, wahrscheinlich weil
allgemein recht hohe Erwartungen an UMTS gestellt wurden und somit auch die
Kapitalmärkte einen gewissen Druck ausübten. Firmen, die keine Lizenz
erhielten, ließen sich zu diesem Zeitpunkt schlecht als Investitionen in die
Zukunft vermarkten. Die Konsequenz war, dass die Preise enorm stiegen. Nun
hatten die Kapitalmärkte wiederum einen Einfluss auf den Auktionsverlauf. Viele
Analysten und Ratingagenturen erkannten,
dass die Preise für die Lizenzen sehr stark gestiegen waren und die Firmen
somit hohe Schulden machen mussten. Dies würde zu höheren Kreditzinsen und
weniger Gewinnen führen, mindestens für die Zeit bis zur UMTS-Einführung.
Daher wurde die Auktion nach vielen Runden beendet. Die Unternehmen mussten
zusammen 20 Mrd mehr zahlen, als sie dass gemusst hätten, wenn sie die Auktion
direkt nach dem Debitel-Ausstieg beendet hätten. Diese Entwicklung wurde
dadurch begünstigt, dass durch das
Auktionsdesign nicht genau klar war, wie viele Lizenzen letztendlich verkauft
werden würden. Dadurch wird es schwieriger für die Unternehmen Pläne aufzustellen. Außerdem
wäre es für die großen Handynetzbetreiber profitabel gewesen, wenn sie es
geschafft hätten zusätzliche Kapazität zu erwerben, denn dann hätte, wie im
Modell bewiesen, mindestens ein Neueinsteiger die Auktion verlassen müssen.
Dadurch wäre weniger Wettbewerb auf dem Markt entstanden, was sich positiv auf
die Gewinnmargen ausgewirkt hätte. Eine weitere Erklärung für das Entstehen
der hohen Preise wäre, dass die France Telecom, die über Mobilcom auch an der
Auktion beteiligt war, vor der Auktion von der Deutschen Telekom nicht gerade
freundlich behandelt wurde. Daher könnte die Firma aus Rache die Preise
hochgetrieben haben. Rache ist aber nicht gerade etwas, dass Manager großer
Konzerne, in die viele Aktionäre ihr Geld gesteckt haben, bei ihren
Entscheidungen leiten sollte.
Darüber
hinaus wurde von einigen die Behauptung aufgestellt, dass die Deutsche Telekom
die Preise absichtlich hochtreiben sollte. Der Grund dafür wäre, dass der
Bund, der Hauptaktionär der Telekom ist, von hohen Preisen höhere Einnahmen hätte.
Daher hätte die Telekom auf diese Weise ihrem Hauptaktionär geholfen. Aber
auch das sind alles Thesen, die sich ohne Weiteres nicht belegen lassen.
Wenn
man die bisherigen Auktionsmodelle betrachtet hat, könnte man meinen, dass die
Firmen sich ja einfach hätten absprechen können, um so die Lizenzkosten sehr
gering zu halten, wovon alle profitiert hätten. Das haben natürlich auch die für
die Auktion Verantwortlichen gemerkt und daher haben diese hohe Strafen auf
solche Absprachen gesetzt. Verbieten können die Auktionatoren allerdings nicht,
dass sich die Firmen über ihr Bietverhalten Signale geben.
Dies
wurde bei der Auktion der Zusatzkapazitäten in Deutschland deutlich. Hierbei
standen insgesamt 10 Blöcke zur Versteigerung, wobei 9 davon aus 2*1 MHZ und
einer aus
2*1,4
MHZ bestand. Nur die 4 Handynetzbetreiber durften an der Auktion teilnehmen.
Nach der ersten Runde war Mannesmann die höchstbietende Firma für alle Blöcke
mit 36.360.000 DM für jeden der Blöcke 1-5 und
40.000.000 DM für die Blöcke 6-9 und 56.000.000 DM für den größten
Block 10. In der zweiten Runde bot T-Mobile 40.010.000 DM für die Blöcke 1-5
und die Auktion wurde geschlossen. Folglich bekam jeder der beiden großen
Netzbetreiber 5 Blöcke mit einem Preis von 20 Mio DM pro Block. Man kann also
sagen, dass Mannesmann T-Mobile ein klares Angebot in der ersten Runde gemacht
hat. Durch die unterschiedlichen Summen die für technisch identische Blöcke
geboten wurden, entstand eine Signalwirkung. Somit konnte schnell eine
Verteilung der Lizenzen erreicht werden, bei der beide Unternehmen ungefähr
gleich gut fahren.
Interessant
ist auch, dass zwischen den beiden großen Netzbetreibern während der
Lizenzauktion Signale ausgetauscht wurden. Über Signale konnte man das andere
Unternehmen informieren, ob man bereit ist weiter zu bieten. So könnte man
signalisieren, dass man die Auktion beenden will und mit 6 lizenzierten Firmen
einverstanden ist, indem man oft hintereinander in seinen Geboten die Ziffer 6
erscheinen lässt, wenn man hingegen weiter bieten möchte, kann man dies über
die Ziffer 5 signalisieren.
Die
hier angesprochenen Modelle sind relativ einfach. Sie erlauben noch keine präzisierte
Entwicklung von Strategien, außerdem wird das Regelwerk der Auktion nicht
hundertprozentig umgesetzt, was auch viel zu schwierig wäre. Allerdings kann
man aus den Modellen schon einige Zusammenhänge erkennen. Sie können eine
Basis für viele Erweiterungen bis hin zur Entwicklung eines kompletten Analyse-
und Strategieentwicklungskonzeptes darstellen. So wurden in den
Telekommunikationsunternehmen aber auch bei vielen Investmentbanken vor der
Auktion wahrscheinlich Modelle über das Verhalten der einzelnen Akteure und die
Wechselwirkungen erstellt. Hierdurch sollten optimale Strategien entwickelt
werden und präzise Vorhersagen ermöglicht werden. Eine Frage ist es natürlich,
inwieweit die rationalen Modelle zum Schluss der Auktion durch die emotionalen
Entscheidungen dominiert wurden. Ein wichtiger Ansatz wäre es zunächst die
Gewinn- oder Verlustfunktionen, die in unseren Modellen angewandt wurden näher
zu spezifizieren. Wenn man dies einmal überlegt gelangt man schon zu
zahlreichen Problemen. So kann man natürlich noch keine klare Prognose über
die Entwicklung des UMTS-Marktes in der Zukunft machen. Hierbei spielen viele
verschiedene Faktoren eine Rolle, sodass man bei diesen Prognosen für die
Funktion zunächst nur mit Hilfe von statistischen Methoden arbeiten kann.
Des
Weiteren ist es von Nöten, in den Strategieüberlegungen die Eigenschaften der
anderen Auktionsteilnehmer einzubeziehen. So spielen finanzielle Verhältnisse
aber auch die Fähigkeiten zur Realisierung der Technologie eine Rolle für das
Verhalten bei der Auktion. Aber auch andere viel schwieriger zu modellierende
Faktoren können die Auktion beeinflussen, z.B. die Kapitalmärkte, wie das
schon aufgezeigt wurde. Zusammenfassend gesehen lässt sich also sagen, dass man
bei diesen Modellen mit einem großen Maß an Unsicherheit zu tun hat. Es war
bestimmt keine leichte Aufgabe für die beteiligten Manager ihr Unternehmen bei
der Auktion zu vertreten.
