ADAM RIES

           

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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  Einige Informationen vorweg

 

 

Da zur Zeit des Adam Ries die heute übliche Hochsprache noch nicht vollständig ausgereift war, haben einige Wörter von damals eine andere Bedeutung als in der heutigen Zeit oder es wurden heute nicht mehr gebräuchliche Ausdrücke verwendet. Dies kann – muss jedoch nicht – beim Übersetzen in die heutige Ausdrucksweise teilweise zu Verständnisschwierigkeiten führen. Im Folgenden sind einige Beispiele angeführt, was den Bedeutungsunterschied von damals im Vergleich zu heute anbelangt, um dieses Problem besser verstehen zu können:

 

                Damals                                                            Heute

 

                mögen                                   à                           können

                               sollen                                    à                           können

item                                        à                           es ist gegeben

examinieren                          à                           überprüfen

setzen                                    à                           annehmen, eine Annahme machen

mach’s also                          à                           gehe folgendermaßen vor

also                                        à                           folgendermaßen, wie hier sichtbar

 

Bedeutungsunterschiede können aber auch bei der Münzwährung festgestellt werden. Die damals üblichen Münzarten waren Gulden, Groschen, Pfennige und Heller. Adam Ries verwendet, um nicht unnötige Schreibarbeit zu verrichten, in seinen Rechenbüchern die damals üblichen Abkürzungen. Diese Abkürzungen sind im Folgenden aufgeführt:

 

                Abkürzung                                                         Bedeutung

 

                               fl. = floren                             à                           Gulden

                               gro.                                        à                           Groschen

                               dz.                                          à                           Pfennig

                hlr.                                         à                           Heller

 

Da diese Abkürzungen sehr häufig in die Aufgaben des Adam Ries integriert sind – Adam Ries wollte der Bevölkerung das Rechnen für den Alltagsgebrauch, also die täglichen Einkäufe, beibringen –, ist es sinnvoll, diese Abkürzungen im Hinterkopf zu behalten, um beim Münzrechnen den Überblick nicht zu verlieren.

 

 

Im Folgenden wird an einer relativ einfachen Erklärung aus dem Rechenbuch von Adam Ries gezeigt, wie vorzugehen ist, um eine originale Textstelle in die heute übliche Hochsprache zu übertragen.

Nach einem kurzen Blick auf die Originaltextstelle kann unweigerlich festgestellt werden, dass zur Zeit des Adam Ries kein Wert auf Groß- und Kleinschreibung gelegt wurde. Der Text wurde fast durchgehend mit kleinen Anfangsbuchstaben verfasst.

Auch Satzzeichen wie zum Beispiel Punkte oder Kommas zur Abtrennung von Sätzen wurden teilweise noch von Schrägstrichen ( / ) vertreten. Bei der Übersetzung selbst muss teilweise ein freierer Stil gewählt werden, zumal etliche Worte im Original fehlen.

 

ORIGINALTEXTSTELLE

MODERNE ÜBERSETZUNG

 

Addiren oder Summiren

 

heißt zusamen thun / lehret wie man viel und mancherley zahlen von gülden / groschen / pfenning und hellern in eine summa bringen soll.

 

 

 

Thu ihm also: Mache für dich linien / die theil in so viel feld / als Münz vorhanden

 

/

 

lege die fz. besonder / gro. allein / dz. und heller auch jeglich allein

 

/

 

hlr. und dz. mach zu gro. was kompt leg zu den gro. Als dann mach die gro. zu fz. leg es zu den andern gülden / nach art eines jeglichen landes.

 

 

 

Auch soltu mercken / wenn fünff dz. auff einer linien ligen / dass du sie auff hebest / un den fünfften in das nechst spacium darüber legest.

 

 

 

Deßgleichen auch / wann zween dz in einem spacio ligen / so heb sie auff / unnd lege einen auff die nechste linien darüber

 

/

 

wie dann die nechsten zwey Exempel / den groschen für 12. dz. und den fz. für 21. groschen gerechnet / klärlich lehren werden.“

 

 

 

„Addieren oder Summieren

 

heißt zusammentun und bringt einem bei, wie man viele und verschiedene Anzahlen von Gulden, Groschen, Pfennigen und Hellern in eine Summe bringen kann.

 

 

Gehe folgendermaßen vor: Mache für Dich Linien, die Du in so viele Felder (Spalten) aufteilst, wie Münzarten vorhanden sind.

 

 

 

Lege die Gulden für sich alleine, ebenso die Groschen, Pfennige und Heller.

 

 

Rechne die Heller und Pfennige in Groschen um [...] und anschließend die Groschen in Gulden, [...] wie es für jedes Land üblich ist.

 

 

 

 

Auch sollst Du Dir merken: Wenn fünf Pfennige auf einer Linie liegen, sollst Du sie bündeln und nur das fünfte Pfennigstück in das darüberliegende Spacium legen.

 

 

 

Genauso verhält es sich, wenn zwei Pfennige in einem Spacium liegen. Bündle sie und lege einen auf die nächste Linie darüber.

 

 

 

Die folgenden zwei Beispiele werden Dir den Sachverhalt verdeutlichen, wobei 1 Groschen 12 Pfennigen entspricht und 1 Gulden 21 Groschen.“

 

 

 

(Übersetzung nach Ries 1574: 4-5)