Wir gedenken dem Schweizer Mathematiker Johann Heinrich Graf. Am 17.6.2018 findet sein 100. Todestag statt. Grafs Hauptinteresse galt den Gammafunktionen, sphärische Funktionen und Bessel-Funktionen. Im letzteren Gebiet ist das Graf-Addition-Theorem nach ihm benannt. Seine größte Inspirationsquelle fand er in seinem Mentor Ludwig Schläfli, einer der Gründerväter des Begriffs der Dimension. Neben der Mathematik selbst beschäftigte Graf sich mit der Geschichte der Mathematik, der Kartographie und den Aktuarwissenschaften.

Johann Heinrich GrafJohann Heinrich Graf
Quelle:  St. Andrews

Johann Heinrich Graf wurde 1852 geboren als Sohn von Margaretha Kläui und dem Polizisten Rudolf Graf. Nach seiner schulischen Ausbildung in Töss und Zürich ging er an das Privatcollege für Lehrer im Umland von Bern. 1871 erhielt er ein Zertifikat zum Grundschullehrer (1874 folgte das Zertifikat zum Oberschullehrer) und studierte zusätzlich am Polytechnikum Zürich (heute: Technische Hochschule Zürich). Im gleichen Jahr heiratete er Anna Luisa Däniker von Zürich (Im Alter von 46 heiratete er nochmals), zog zurück nach Bern, wo er Mathematik und Physik an der Oberschule Lerberschule unterrichtete (heute: Freies Gymnasium Bern) und immatrikulierte sich für den Doktor der Philosophie an der Universität. Sein Mentor war sein unvergessliches Vorbild Ludwig Schläfli, welcher den Stuhl der Mathematik inne hatte. Graf promovierte 1877 mit seiner These “Beiträge zur Theorie der Riemannschen Fläche“. Ein Jahr darauf wurde er an der Universität von Bern Privatdozent, wobei er seine Lehre an der Lerberschule fortführte und 1885 wurde er sogar stellvertretender Schulleiter. Die Stelle zum Schuldirektor wurde ihm als Advokat auf Grund der humanistischen Prinzipien der Schule verwehrt. Zwei Jahre später wurde er nach Schläfli’s Pensionierung sein Nachfolger. Er hielt den Stuhl der Mathematik an der Universität von Bern bis zu seinem Tod am 17. Juni 1918.

Grafs gut vorbereiteten Kurse und klaren wie auch lebhaften Vorlesungen entgegnete die Audienz immer mit Sympathie. Graf schätzte seine Studenten sehr und interessierte sich selbst nach deren Abschluss für ihr folgendes Leben, ihre Karriere und ihren Erfolg.

Zu Lebzeiten hielt Graf weitere führende Positionen inne: An der Universität von Bern war er Vizekanzler und Dekan der Fakultät der Philosophie und Wissenschaften, er war Präsident des Schweizer Bibliothekskommitees und Zuständig für die Stiftung der Schweizer National Bibliothek. Darüber hinaus war er Mitglied der Bern Stadtverwaltung, des Bern Bezirksrats, der Schweizer und Berner Gesellschaft für Naturwissenschaftler und Herausgeber der „Kommunikation der Berner Gesellschaft“ von 1883-1910. Ebenfalls war er Mitglied von verschiedene Komitees und eröffnete einige Versicherungsfonds, wie der Universitätsfond für Witwen und Waisen.

Mina-Anina Ahmadi

Quelle: http://www-history.mcs.st-andrews.ac.uk/Biographies/Graf.html

Um einen Kommentar zu verfassen, müssen Sie sich einloggen bzw. kurz als Gast registrieren.