Im Januar 2019 gedenkt die DMV folgender bekannter Mathematiker :

Michelangelo Ricci (400. Geburtstag),
Moritz Abraham Stern (125. Todestag),
Stephen Cole Kleene ( 25. Todestag).

Am 30. Januar 2019 ist Michelangelo Riccis 400. Geburtstag.

Michelangelo RicciMichelangelo Ricci
Quelle: wikimedia

Er ist heute vor allem wegen seiner mathematischen Veröffentlichung Exercitatio geometrica, De maximis et minimis von 1666 bekannt. Neben der Extremabestimmung findet sich darin auch ein frühes Beispiel für die Vollständige Induktion. Die Verbreitung seines Wissens fand vor allem durch Briefwechsel statt: Unter anderem mit Torricelli, Christophorus Clavius, Viviani und De Sluze. In einem Brief von 1668 findet sich zum Beispiel eine explizite Formulierung des Hauptsatzes der Differential- und Integralrechnung- und - deutlich vor Newton und Leibniz.

Für Evangelista Torricelli war Michelangelo Ricci nicht nur ein Schüler, sondern auch ein Freund. Torricelli war früher Schüler und später der Vertreter von Benedetto Castelli, Professor für Mathematik an der Universität Rom und Freund von Galileo Galilei. Ricci allerdings studierte hauptsächlich Jura und Theologie; danach arbeitete Ricci für die katholische Kirche, ohne je zum Priester geweiht worden zu sein. Zeitlebens litt er an epileptischen Anfällen, dennoch war er Sekretär der Kongregation für Ablässe und Reliquien, war Berater der Inquisition und wurde sogar trotz anfänglichen Sträubens im September 1681 durch Papst Innozenz XI. zum Kardinal erhoben. Kurz darauf erfolgte noch 1681 seine Ernennung zum Kardinaldiakon von Santa Maria in Aquiro. In diesen Funktionen bemühte er sich, Konfrontationen der Kirche mit den sich entwickelnden modernen Naturwissenschaften (wie sie im Fall Galilei eskalierten) zu dämpfen. Beispielsweise korrespondierte er über der Kirche offiziell akzeptable Formulierungen mit dem Galilei Schüler und Physiker Vincenzo Viviani, als dieser an einer Galilei-Biographie schrieb. Er war korrespondierendes Mitglied der Mediceischen Accademia del Cimento in Florenz und stand auch mit Leopoldo de’ Medici in Briefwechsel. 1668 gründete er mit Giovanni Giusto Ciampini (1633–1698) und Francesco Nazari (1634–1714) die Zeitschrift Giornale de letterati.

 

Am 30. Januar 2019 ist Moritz Abraham Sterns 125. Todestag

Moritz Abraham SternMoritz Abraham Stern
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Moritz Abraham Stern war der erste deutsche Mathematiker jüdishcen Glaubens, der an einer deutschen Universität Ordinarius wurde.

Stern war Sohn einer alteingesessenen Familie der jüdischen Gemeinde Frankfurts. Durch Privatlehrer erhielt Stern eine umfassende Bildung. Anders als vielen anderen jüdischen Familien ihrer Zeit war Sterns Familie die Lektüre nichtreligiöser Texte gestattet. 1827 immatrikulierte er sich in Göttingen und studierte dort Mathematik bei Carl Friedrich Gauß und Bernhard Friedrich Thibaut, er hörte Physik- und Chemievorlesungen und darüberhinaus Vorlesungen zu den klassischen Sprachen bei Karl Ottfried Müller. 1829 bestand er mit höchster Auszeichnung die Doktorprüfung; sein Examinator war dabei kein geringerer als Carl Friedrich Gauß. Seine Dissertation „Observationum in fractiones continuas specimen“ reichte Stern 1829 ein. Nach dem Magisterexamen (1829) erhielt er die venia docendi und unterrichtete als Privatdozent in Göttingen. Bis zu seiner Ernennung zum ordentlichen Professor sollten allerdings noch drei Jahrzente vergehen: Er wurde 1848 zum Extraordinarius ernannt und 1859 zum Ordinarius an der Georg-August-Universität Göttingen. Stern wurde damals zusammen mit Bernhard Riemann vereidigt. 1838 erhielt er den Preis der Dänischen Gesellschaft der Wissenschaften, 1840 den Preis der Belgischen Akademie der Wissenschaften, wurde 1859 Mitglied der Königlich-Bayerischen Akademie der Wissenschaften und 1862 Mitglied der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen. 1884 beendete Stern seine Dienstzeit in Göttingen und zog zu seinem Sohn, dem Historiker Alfred Stern, nach Bern, mit diesem 1887 weiter nach Zürich und starb in dessen Haus er am 30. Januar 1894 .

Der 25. Januar 2019 ist Stephen Cole Kleene's 25. Todestag.

KleeneStephen Cole Kleene
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Stephen Cole Kleene war ein US-amerikanischer Mathematiker und Logiker. Er gilt als einer der Begründer der theoretischen Informatik, insbesondere der formalen Sprachen und der Automatentheorie. Wichtige Begriffe und Sätze der Theoretischen Informatik im Allgemeinen und der Automatentheorie im Speziellen gehen auf ihn zurück, beispielsweise die Kleene'sche Hülle, der Lambda-Kalkül (den er zusammen mit Chruch untersuchte), der Fixpunktsatz von Kleene und die Kleene'sche Normalform.

Kleene wuchs auf der Farm seines Großvaters in Maine auf, studierte am Amherst College und erhielt 1930 seinen Abschluss mit „summa cum laude“. 1934 wurde er an der Princeton University bei Alonzo Church promoviert. Der Titel seiner Promotion lautete „A Theory of Positive Integers in Formal Logic“. An der University of Wisconsin in Madison wurde er 1937 Assistenzprofessor und 1948 ordentlicher Professor, was er  es bis zu seiner Emeritierung 1979  blieb, untrbrochen nur durch seine Offizierszeit in der US Navy von 1942-46. Kleene trug wie sein Lehrer Church zur Entwicklung der Theorie der rekursiven Funktionen bei. Seit einem Aufenthalt bei der Rand Corporation zeigte er großes Interesse für Automaten und verfasste einen einflussreichen Bericht, in dem er Ideen von John von Neumann über Rechenmaschinen mit denen über neuronale Netzwerke von Warren McCulloch und Walter Pitts verband. Kleene war in den USA auch ein führender Vertreter intuitionistischer Mathematik, die aus Ideen von Luitzen Egbertus Jan Brouwer entstand. Er schrieb zwei vielzitierte Lehrbücher über mathematische Logik und Metamathematik, in denen er auch eine klare Formulierung von Gödels Theorem angab. Kleene erhielt neben dem Leroy P. Steele Prize die National Medal of Science und wurde Mitglied der National Academy of Sciences, der American Academy of Arts and Sciences. 1958 hielt er einen Plenarvortrag auf dem Internationalen Mathematikerkongress in Edinburgh, 1950 war er Invited Speaker auf dem ICM in Cambridge.

Mina-Anina Ahmadi

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