Vom 6. bis zum 14. Juli 2022 findet in Helsinki der internationale Mathematiker-Kongress (ICM2022) online statt. Zuvor fanden die Generalversammlung der Internationalen Mathematischen Union (IMU) und die Vergabe der großen Preise statt, darunter die Fields-Medaillen. Informationen zu allen Preisträger*innen des jahres 2022 finden Sie auf einen Blick auf den Internetseiten der Internationalen Mathematischen Union (IMU).

Die Fields-Medaillen 2022, die den Rang eines Nobelpreises haben, gehen an Hugo Duminil-Copin, June Huh, James Maynard and Maryna Viazovska, siehe unten.

Die Abakus-Medaille 2022 für mathematiknahe Informatik geht an Mark Braverman vom Department für Informatik der Princeton University. Er arbeitet auf dem Gebiet der theoretischen Informatik und ihrer Verbindung zu anderen Disziplinen zum Beispiel zur Informationstheorie, zur mathematischen Analysis und zu den Wirtschaftswissenschaften.

Den Carl Friedrich Gauß Preis 2022, den die IMU alle vier Jahre zusammen mit der DMV für die praktische Anwendung von Mathematik vergibt, bekommt Elliott H. Lieb für seine tiefe und breit angelegte Forschung, die zum Beispiel die Quantenmechanik und die Statistische Mechanik geprägt hat.

Die Chern Medaille 2022 wurde Barry Mazur zugespochen für seine fundamentalen Entdeckungen auf den Gebieten der Topologie, der Arithmetischen Geometrie und der Zahlentheorie sowie für seine engagierte Nachwuchstätigkeit.

Der Leelavati-Preis des Jahres 2022 für die Popularisierung von Mathematik geht an Nikolai Andreev für seine künstlerischen Animationen und Modelle in Mathematik, die Alt und Jung gleichermaßen inspirieren, und die Mathematiker*innen weltweit flexibel für ihre Zwecke nutzen können.

Die Fields-Medaillen erhalten:

Hugo Duminil-Copin, geboren 1985 in Frankreich, promovierte 2011 in Genf und ist seit 2016 Professor am IHES im Pariser Vorort Bures-sur-Yvette. In der Arbeit „Marginal triviality of the scaling limits of critical 4D Ising and φ44 models“ (mit M. Aizenman) bewies er, dass das Skalierungslimit des 4-dimensionalen Ising-Modells nahe des kritischen Punktes eine Gauß-Verteilung ist.

June Huh, geboren 1983 als Sohn koreanischer Eltern in den USA, promovierte 2014 in Michigan und ist seit 2021 Professor in Princeton, zuvor 2020-21 Professor in Stanford, außerdem ist er Distinguished Professor am KIAS in Seoul. In der Arbeit “Milnor numbers of projective hypersurfaces and the chromatic polynomial of graphs“ bewies er, dass die chromatischen Polynome von Graphen unimodal sind, d.h. die Beträge der Koeffizienten wachsen monoton bis zu einem Maximum und fallen dann monoton.

James Maynard, geboren 1987 in England, promovierte 2013 in Oxford, wo er seit 2017 Research Professor ist.
In der Arbeit „Small gaps between primes“ bewies er, dass für die Folge der Primzahlen pn der Limes inferior der Differenzenfolge pn+1-pn kleiner als 600 ist.

Maryna Viazovska, geboren 1984 in der Ukraine, promovierte 2013 in Bonn. Während ihrer Zeit als Postdoc an der Berlin University School (BMS) entstanden mehrere ihrer später preisgekrönten Forschungsarbeiten. Seit 2018 ist sie Professorin an der EPF in Lausanne. In der Arbeit The sphere packing problem in dimension 8“ hat sie bewiesen, dass die Gitterpackung zum Gitter E8 die dichteste Kugelpackung im 8-dimensionalen Raum ist. Maryna Viazovska hielt am 6. Juli 2021 eine Gaußvorlesung der DMV, ausgerichtet von der Universität Augsburg. Ihr Vortrag "The Leecch Lattice" ist hier (ab ca. 2:00)  auf dem YouTube-Kanal der DMV anzuhören.

Maryna Vazovska am MFO 2013

Foto: Oberwolfach Photo Collection, Text: Thilo Küssner (Mathlog), Thomas Vogt, DMV-Medienbüro.