Im September 2020 feiert die deutsche Mathematiker Vereinigung Ihr 130-jähriges Bestehen: Im September 1890 war die Deutsche Mathematiker-Vereinigung aus der Abteilung I (Mathematik und Astronomie)  der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte hervorgegangen. Dieses Ziel hatten die Jahre zuvor mehrere renommierte Mathematiker verfolgt, darunter Georg Cantor, David Hilbert und Hermann Minkowski.

Die Gründer der DMV Foto: J.Ortgies jrDie Gründer der DMV

Foto: J.Ortgies jr., Bremen

Zu Ehren ihres ersten Vorsitzenden Cantor vergibt die DMV seit vielen Jahren die „Cantor-Medaille" für herausragende wissenschaftliche Leistungen in der Mathematik. Im Jubiläumsjahr 2020 vergibt die DMV erstmals die neu geschaffene Minkowski-Medaille. De Raum zeit Minkowski BildHermann Minkowski

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Bei diesem neuen Preis, der mit 2000 Euro dotiert ist,  geht es um eine Auszeichnung für Mathematikerinnen und Mathematiker, die sich zwar durch herausragende Arbeiten bereits internationale Anerkennung erworben haben, deren Karriere aber zu einem großen Teil noch vor ihnen liegt („Mid Career Prize"). Konkret bedeutet dies, dass die Promotion nicht länger als 12 Jahre zurückliegen soll, wobei Familienzeiten angemessen berücksichtigt werden. Die Zielgruppe, die adressiert wird, ist damit vergleichbar mit der, die auch durch den ERC Consolidator Grant angesprochen wird

 Aus Anlass des Jubiläums entwickelt die DMV im Jahr 2020 mehrere besondere Aktivitäten.  Eine davon ist die im Jahre 2020 neu geschaffene Minkowski Medaille (s.o.). Sie ging an Moritz Kerz von der Universität Regensburg, wie im April 2020 per Presseinformation verkündet wurde.

Aus Anlass ihres Jubiläums und des französischen Jahrs der Mathematik (Schuljahr 2019/20) hat die Deutsche Mathematiker-Vereinigung zusammen mit der Abteilung für Wissenschaft und Technologie der französischen Botschaft in Berlin eine gemeinsame Veranstaltungsreihe zum Thema Mathematik mit deutsch-französischen Bezügen geplant. Die deutsch-französische Veranstaltungsreihe besteht aus mehreren Vorträgen und Konferenzen über das Jahr 2020 verteilt. Leider ist momentan wegen der Kontaktsperre (COVID-19) unklar, welche Veranstaltungen stattfinden können.

Die erste Veranstaltung war am Pi-Tag, dem 14. März 2020, im Arithmeum in Bonn geplant: Der Mathematiker Dr. Thomas Simon von der Abteilung für Wissenschaft und Technologie der Französischen Botschaft sollte aus historischer Perspektive über die Kreiszahl Pi und die (unmögliche) Quadratur des Kreises (Hermite-Lindemann Theorem) sprechen. Weitere Details hier. Die Veranstaltung wurde abgesagt.

Die zweite Veranstaltung, geplant für den 17. März 2020  zum Thema Mathematik und Kosmologie in Berlin,  wurde ebenfalls  abgesagt, wie auch die Veranstaltung, die am 23. und 24. April dem aus Frankreich stammenden Schülerwettbewerb „Math en Jeans" gewidmet sein sollte. Der Wettbewerb findet  in vielen Ländern Europas zunehmend Verbreitung  und ist auch in Deutschland beliebt: Gymnasiast_innen, Lehrer_innen und Hochschulangehörige treffen sich zum internationalen Austausch und zur Präsentation von Mathematik-Problemen, die sie das Schuljahr über gemeinsam bearbeitet haben.

Am 11. Mai soll es in der Französischen Botschaft  in Zusammenarbeit mit dem Bureau des Arts Plastiques um die  „Mathematik in der klassischen Perspektive" gehen.  Es diskutieren ggf. Andreas Beyer (Universität Basel) und Denis Favennec (Lycée Montaigne, Bordeaux) über die beliebte Form der Ellipse in der Architektur (Borromini), in der Astronomie (Kepler) und in der Geometrie (Desargues). Die Einführung soll Prof. Dr. Hans Belting geben.

„Mathematik und Klima" lautet das Thema am 2. Juni in der französischen Botschaft im Rahmen der Europäischen Nachhaltigkeitswoche (ESDW). Es sprechen Prof. Dr. Rupert Klein von der Freien Universität Berlin und Prof. Dr. Sabrina Speich  von der ENS in Paris zur Klimamodellierung.

Mathematik und kulturelles Gedächtnis - Vom wissenschaftlichen Exil in Frankreich bis zur deutsch-französischen Versöhnung (1930-1950). 29-30. Juni, Französische Botschaft zusammen mit dem Centre Marc Bloch und der Commission d’indemnisation des victimes de spoliations (CIVS). Mit Norbert Schappacher, Universität Strasbourg. Themen und Filmvorführungen:

- Destins français de Wolfgang Döblin et Emil Gumbel : exposés par Christian Jansen (Trêves), Annette Vogt (Berlin) et Sylvie Roelly (Potsdam). Projection en soirée à l’Ambassade d’un film sur Döblin (Der versiegelte Brief) et/ou sur Gumbel (Statistik des Verbrechens) en présence des réalisateurs.
- Collaboration et Résistance : exposés par Christophe Eckes (Nancy), Gaël Eismann (Caen) et Reinhard Siegmund-Schultze (Kristiansand).
- Reconstruction après-guerre : exposés par Volker Remmert (Wuppertal) et Corinne Defrance (Paris).

Mathematik und Künstliche Intelligenz ist im September das Thema im Institut Français in München, zusammen mit dem Bureau BayFrance. Es diskutieren Frédéric Chazal (INRIA) und Ulrich Bauer (TU München) zur Datenanalyse mit topologischen Methoden.

Weitere Informationen folgen.