Als langjähriger Koordinator der Fachgruppe C (Mathematik, Naturwissenschaften, Technik) am Kopernikus Gymnasium Rheine blickt der Studiendirektor Gert Broelemann auf viele Aktivitäten und Erfolge mit seinen Schülerinnen und Schülern am „Kopi“ zurück und das bemerkenswerte ist - auch mit 67 Jahren - nach vorne! Er hat seinen Aktionismus auch nach der Pension nicht eingestellt: So gibt er noch 8 reguläre Unterrichtsstunden auf Honorarbasis und 22 (!) freiwillige Zusatz-AG-Stunden pro Woche. Neben drei Mathematik-AGs für unterschiedliche Altersgruppen, einen Zusatz-Mathe-LK, eine Field-Roboter-AG und eine Elektronik-AG.  Am vergangenen Samstag übergab er – wie auch schon in den Jahren davor – überdurchschnittlich vielen (2014 genau: 7) Abiturienten den DMV-Mathematik-Abiturpreis. Stephanie Schiemann vom Netzwerkbüro Schule-Hochschule sprach mit ihm.

Gert Broelemann

(Foto: privat)

Beginnen wir mit dem Mathematik-Abiturpreis. Woher kommt es, dass Sie jedes Jahr wieder so viele würdige Mathematik-Abiturpreisträger haben?

Die beste Investition in die Zukunft eines Kindes ist seine Bildung, verbunden mit dem Vertrauen auf die eigene Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft und einer sozialen Kompetenz. Die Gesamtstruktur des Unterrichtsumfeldes einer Schule fördert oder hemmt das Erreichen dieses Zieles. Daher versuche ich seit 1980 in vielen zusätzlichen  Aktivitäten die individuellen Stärken der Schülerinnen und Schüler zu fördern, ihr selbstständiges und eigenverantwortliches Arbeiten zu entwickeln und ihre jeweiligen Schwächen zu überwinden. Dazu gehören meine drei Mathematik-AG´s sowie die Vorbereitung und die Teilnahme an den verschiedenen Mathematik-Wettbewerben. Die 7 Schülerinnen und Schüler, die dieses Jahr mit dem DMV-Abiturpreis ausgezeichnet wurden, haben alle an meinen Mathematik-Arbeitsgemeinschaften teilgenommen und Preise bei der Mathematikolympiade, im Bundeswettbewerb Mathematik  und/oder im Känguru -Wettbewerb erhalten.

Sie kommen gerade von einer Mathematischen Sommerakademie zurück. Was wird dort gemacht? Wer darf daran teilnehmen?

Der Landesverband Mathematikwettbewerbe NRW e.V. veranstaltet einmal im Jahr die Mathematische Sommerakademie. Teilnehmen dürfen die Preisträgerinnen und Preisträger der NRW-Mathematikolympiade. Die Sommerakademie bietet jährlich ca. 130 Schülern ein Forum, ihre mathematische Begabung und Begeisterung unter Gleichgesinnten auszuleben. Vormittags machen wir alle in Kleingruppen Mathematik, nachmittags gibt es verschiedenste Angebote, die allen Spaß machen. Ich selbst bin seit 16 Jahren dabei, gebe vormittags Mathekurse und biete am Nachmittag  das Programmieren von Legorobotern, elektronisches Basteln, die Darstellung eines 4-dimensionalen Würfels u.ä. an.

Was machen Sie mit den Schülern in den drei Mathematik-AGs? Haben Sie auch Schüler-Helfer oder junge Kollegen, die Sie unterstützen?

In der Mathematik-AG für die Jahrgangstufe 5 versuche ich frühzeitig Schwächen zu beseitigen und den Spaß am Problemlösen zu entwickeln. Die Teilnahme steht jedem offen, auch Schülerinnen und Schülern anderer Schulen. Dazu stelle ich jeden Monat ein „Problem-des Monats“. Die erfolgreichsten Teilnehmer im Jahr erhalten ein mathematisches Wochenende in einer Jugendherberge.

In den weiterführenden Arbeitsgemeinschaften für die Klassenstufen 6/7 und die Älteren ab Kl. 8 bis zum Abitur baue ich die Problemlösefähigkeit mit „Perlen der Mathematik“ weiter aus. Die Themen liegen jenseits des Stoffes im Regelunterricht. Zuweilen finden die AG´s  auch ganztägig am Samstag statt. Dabei unterstützen mich viele Kollegen und  auch ehemalige Schülerinnen und Schüler, so dass die AG´s auch in Zukunft gesichert sind.

 Auch bei den Mathematik-Wettbewerben sind Sie schon lange sehr aktiv. Was machen Sie dort?

Damit möglichst viele Schülerinnen und Schüler die Möglichkeiten einer besonderen Förderung in Mathematik erhalten können, habe ich mich an der Gründung der Mathematikolympiade in NRW beteiligt und die Mathematik-AG zu einer kreisweiten AG erweitert. Aus den 37 Schülerinnen und Schülern, die an der ersten Mathematikolympiade in NRW teilnahmen, sind inzwischen rund 16.000 Olympioniken geworden. Für den Kreis Steinfurt bin ich als Regionalkoordinator für die Organisation und Durchführung der jährlichen Kreisolympiade verantwortlich. Zusammen mit anderen Kolleginnen und Kollegen fördere ich auf mathematischen Wochenenden Schülerinnen und Schüler aus NRW und bereite sie auf die Bundesrunde der Mathematikolympiade vor. Die Mannschaft des Kreises Steinfurt zählt zu den erfolgreichsten auf den NRW-Landesolympiaden. In sämtlichen mathematischen Wettbewerben (bis hin zur Internationalen Mathematik-Olympiade) erzielen unsere Schülerinnen und Schüler Erfolge.  Dafür wurde unsere Schule wurde bereits mehrfach ausgezeichnet.

… Mathematik die schönste Philosophie ist und man mit dem eigenen Denken auch nicht vorstellbare Probleme lösen kann,  z.B. Strukturen im vierdimensionalen Raum. Gert Broelemann


Sie bieten auch einen Mathematik-Zusatz-LK an. Für wen ist er gedacht? Läuft er schon über viele Jahre und wird es ihn jetzt – nach Ihrer Pensionierung - noch weiter geben?

Der Mathe-Zusatz-LK ist für Schülerinnen und Schüler gedacht, die keinen Mathematikleistungskurs mehr wählen konnten, weil sie z.B. Englisch/Informatik oder Englisch/Physik  oder Englisch/Chemie oder  früher zwei Naturwissenschaften gewählt haben und somit keinen Mathe-LK mehr wählen konnten, dies aber gerne wollten, weil ihnen der Grundkurs Mathematik nicht ausreicht. Für diese Kandidatinnen und Kandidaten  biete ich seit 20 Jahren eine Mathematik-Leistungskurs-Erweiterungs-AG  für die JRG  Q1 und Q2 an. Die Teilnehmer haben somit (von der Kursbelegung her betrachtet) drei Leistungskurse. Außer dem normalen Ma-LK-Stoff: Neben Differentialrechnung, Integralrechnung, linearer Algebra, Strukturmathematik, Wahrscheinlichkeitsrechnung und Statistik betrachten wir dort auch komplexe Zahlen und Differentialgleichungen. Jedes Jahr nehmen 10 bis 20 Schülerinnen und Schüler an diesem zusätzlichen Leistungskurs teil. Ich bin dabei, junge Kolleginnen und Kollegen für diese AG´s zu gewinnen.

Spannend finde ich auch Ihre Technikaffinität. In einem allgemeinbildenden Gymnasium gibt es kein Fach „Technik“, genau deswegen bieten Sie den Kopi-Schülern etwas an. Was ist das genau?

Da ist einmal meine Elektronik-AG, in der ich mit den Schülern Schaltungen entwickele. Es wird dort geätzt und gelötet und die Funktionsweise von elektronischen Bauteilen erarbeitet. Dabei helfen die älteren Teilnehmer den jüngeren.

Dann biete ich im Wahlpflichtbereich MIP-Kurse an, welche die Mathematik, Informatik und Physik verknüpfen. Die Schülerinnen und Schüler entwickeln dort z.B. Mess- und Steuer-Interfaces für den Computer; sie bauen z.B.  8x8-Dioden-Displays, Scanner, elektronische Waagen, Lichttelefone, Kraftmesser usw. Ein großes Technik-Projekt ist der Fieldroboter.

Seit 20 Jahren betreue ich auch Schülerinnen und Schüler im Jugend- forscht-Wettbewerb, in dem viele Regional- und Landespreise errungen wurden. Für die Zukunft ist geplant, dass wir auch am „Formel 1 in der Schule“ teilnehmen.

Sie waren mit Ihren Robot-Schüler-Teams auch schon häufiger bei der Field-Robot-Meisterschaft. Was wird dort gefragt? Welche Erfolge hatten sie? Kann da jeder mitmachen?

Dies ist zunächst eine Meisterschaft der Universitäten und Fachhochschulen. Der Veranstalter freut sich aber auch, wenn sich  Schülerteams beteiligen. Ziel dieser Arbeitsgemeinschaft (JRG 9 bis Q2) ist die Konstruktion und Programmierung eines Roboters, der selbstständig durch ein Maisfeld fahren und dort Aufgaben lösen soll. Angefangen bei dem komplexen Chassis besteht dieser Roboter aus fünf Ultraschallsensoren, zwei Drehzahlmessern (aus umgebauten Computermäusen), einem Kompass-Sensor einer handelsüblichen Webcam - neuerdings ein Laserscanner- und einem Laptop. Um aus den Sensoren Informationen auszulesen und um eine Robotersteuerung zu entwickeln, mussten sich die  Schülerinnen und Schüler zum einen  Wissen im Bereich Elektronik und Mechanik und zum anderen in den Gebieten Bildverarbeitung und Algorithmen aneignen bzw. vertiefen. Insbesondere das Auswerten von Kamerabildern, um die Fahrtrichtung im Maisfeld zu bestimmen, und die Bewertung der Richtigkeit der Messwerte waren – nachdem die Ansteuerung des Roboters funktionierte – eine besondere Herausforderung.

Das Kopernikus-Team (jeweils 10 bis 14 Schülerinnen und Schüler) startete auf der Fieldrobot-Weltmeisterschaft der Universitäten (ca. 16 bis 22 Teams, teilweise einziges  Schülerteam) und erreichte dort erstaunliche Platzierungen.

Nun noch eine letzte Frage zu Ihnen persönlich. Wer ist Ihr Vorbild? Hatten Sie auch einen Lehrer, der Sie für die MINT-Fächer in jungen Jahren begeistern konnte?

Mein Vorbild war mein Klassenlehrer, der meine mathematischen naturwissenschaftlichen Interessen sehr gefördert hat.