Die Verhandlungen zwischen den Hochschulen (vertreten durch die Hochschulrektorenkonferenz, HRK), den deutschen Wissenschaftsorganisationen einerseits und dem Wissenschaftsverlag Elsevier andererseits ziehen sich hin.
Es geht um den Zugriff auf wissenschaftliche Fachzeitschriften (siehe auch DMV-Mitteilungen, Heft 1-2017).

unibib fu2Bibliothek der Freien Universität Berlin
Quelle: FU Presse

Sprecherin der erstgenannten Gruppe ist Antje Kellersohn, die Direktorin der Universitätsbibliothek Freiburg. Sie sagte am 20.09.2017 im Deutschlandfunk, dass es intensive Verhandlungen mit den Wissenschaftsverlagen Springer Nature und Wiley gebe. Mit Elsevier gehe es aktuell nicht voran.
Wörtlich sagte sie dazu: „Für uns sind die Kosten, die Elsevier verlangt, (...) als inakzeptabel anzusehen, weil sich die Kosten für die deutschen Wissenschaftseinrichtungen noch mal um einen ganz erheblichen Faktor erhöhen würden im Vergleich zu dem, was wir bisher bezahlt haben.“ (Das gesamte Interview mit Antje Kellersohn im Deutschlandfunk finden Sie hier).
Der Widerstand auf Seiten der Wissenschaft steige stetig, gehe auf 200 Einrichtungen zu. Im August 2017 hatten 16 Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft  ihre Lizenzverträge mit dem Wissenschaftsverlag Elsevier zum Jahresende 2017 gekündigt. Mit dieser Entscheidung laufen die Elsevier-Verträge aller Helmholtz-Zentren aus, deren Verträge am 31.12.2017 enden. Damit schloss sich die größte deutsche Forschungsorganisation den damals schon mehr als hundert Wissenschaftseinrichtungen an, die ihre Lizenzverträge mit Elsevier gekündigt bzw. nicht verlängert haben, um die Verhandlungsposition des DEAL-Projektes zu stärken.

Auch die baden-württembergischen Universitäten und Hochschulen haben ihren Vertrag  zum Ende mit Elsevier zum Ende des Jahresgekündigt. "Insofern ist auch meine Universität, die Universität Freiburg, von dieser Aktion betroffen. Das heißt, wir müssen uns darauf einrichten, dass wir ab Anfang nächsten Jahres in den vertragslosen und womöglich auch in den versorgungslosen Zustand hineinlaufen, wenn wir bis dahin (...) mit Elsevier nicht handelseinig geworden sind.“, sagte Kellersohn dem Deutschlandfunk. Diesen Zustand gebe es bei einer Reihe von Einrichtungen schon seit Ende 2016. Damals seien 60 bis 70 Einrichtungen betroffen gewesen. Elsevier habe einen Teil der Einrichtungen seinerseits unaufgefordert freigeschaltet, aber nicht alle. Das Tauziehen geht also weiter...

Die Gegenseite kam im Deutschlandfunk (DlF) auch zu Wort: Sich Fachaufsätze an den Unis beschaffen - ohne die Elsevier-Datenbank? "Nicht auszudenken, wie viele Ineffizienzen das hervorrufen würde", sagte Hannfried von Hindenburg im DlF. (Das komplette Interview mit Hannfried von Hindenburg im Deutschlandfunk finden Sie hier)

Die Verhandlungen von DEAL und Wiley gehen derweil weiter. Vertreter des Projekts DEAL und des Verlags Wiley haben  ihre Verhandlungen über ein zukunftsorientiertes Modell des Publizierens und Lesens wissenschaftlicher Literatur fortgesetzt. Der Sprecher des Projektlenkungsausschusses, Prof. Dr. Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, und Dr. Guido F. Herrmann, Geschäftsführer Wiley-VCH, berichteten im Anschluss von einer guten Atmosphäre und konstruktiven, zielorientierten Gesprächen.

Allerdings würden die Verhandlungen angesichts der Komplexität der Materie noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Daher vereinbarten die beiden Seiten eine Zwischenlösung für diejenigen Einrichtungen, deren Verträge am 31. Dezember 2017 enden. Details hierzu würden noch zeitnah abgestimmt und an die betroffenen Einrichtungen direkt kommuniziert. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter: www.projekt-deal.de

 

 

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