extreme events in

Extreme Events in Nature and Society

S. Albeverio, V. Jentsch, H. Kantz (Hrsg.)
Springer Verlag - Series: The Frontiers Collection, 2006, 352 Seiten, 53,45 €

ISBN:3-540-28610-1

Dieser Sammelband befasst sich mit dem noch jungen Thema der Extrem-Ereignisse, so genannter "Xevents", die die Forschung in der Mathematik, Physik, Ozeanografie, Meteorologie, Geologie und Hirnforschung seit etwa zehn Jahren umtreibt. Ein "Xevent" ist ein Ereignis von sehr geringer Wahrscheinlichkeit aber katastrophaler Wirkung. Beispiele dafür sind zahllos: Terrorangriffe, Stromausfälle, Erdbeben, Monsterwellen, Wind- und Niederschlagsextreme, Epilepsie und Finanzkrisen. Statistisch können Xevents mit Ansätzen der bereits vor etwa fünfzig Jahren entwickelten "Statistik extremer Werte" beschrieben werden. Für andere Eigenschaften wie die Dynamik von Xevents eignen sich physikalische Methoden der komplexen Systeme, die Zustände betrachten, die sich weit entfernt von ihrem Gleichgewicht befinden. Ziel ist letztlich über Modellierung einen universellen Zugang zu Xevents zu finden, der bis zu einem gewissen Grad dann Gemeinsamkeiten zwischen den so unterschiedlichen Feldern formuliert, in denen Xevents auftreten. Damit wäre dann die notwendige Vorhersage, Abschätzung und das Management von Xevents möglich.
Die Gliederung des Buches folgt diesem Leitfaden: in drei Teilen - Allgemeine Betrachtungen, Szenarios, Vorbeugung - entwickelt der Sammelband einen Überblick über den gegenwärtigen Stand des Problems. Die Faszination für Xevents und die Suche nach geeigneten Methoden, diesem Phänomen mit Lösungen nahe zu kommen, durchzieht das gesamte Buch. Vom Standpunkt der Mathematik aus, der letztlich die Aufgabe zukommen wird, eine universellen Formulierung zu liefern, gibt es Ähnlichkeiten zu der in den siebziger Jahren von Thom und später Arnol'd entwickelten "Katastrophentheorie". Xevents erfordern aber wohl eine Vereinigung verschiedener Ansätze aus der Statistik extremer Werte, dynamischen Systemtheorie, Chaos- und Katastrophentheorie, die gegenwärtig in einer Kombination der "Theorie großer Abweichungen" und Sattelpunkt-Methoden gesehen wird.
Es bleibt also spannend und dadurch ist dieses Buch selbst ein kleiner Xevent: Es fasziniert für eine Theorie, die nicht nur unzählige Anwendungsfelder hat, sondern darüber hinaus darauf zielt, Disaster zu verstehen und zu vermeiden und damit etwas in den Mittelpunkt stellt, was uns allen gemeinsam ist: das Leben.

(Rezension: Mark Krüger)