Lisa Sauermann, Jahrgang 1992, wurde schon als Schülerin des Dresdner Martin-Andersen-Nexö-Gymnasiums bekannt, weil sie auf der Internationalen Mathematik-Olympiade IMO regelmäßig Medaillen für Deutschland holte (wir berichteten z.B. hier).

Lisa SauermannLisa Sauermann, Quelle: Privat


Sie promovierte 2019 bei Jacob Fox an der Stanford University. Ihre Dissertation wurde jetzt mit dem Richard-Rado-Preis 2020 der DMV-Fachgruppe Diskrete Mathematik ausgezeichnet. Aus diesem Anlass stellte das DMV-Medienbüro Lisa Sauermann online ein paar Fragen:

 

weil es noch so Vieles zu erforschen gibt.
 

Was sind deine ersten mathematischen Erlebnisse, an die du dich erinnerst?
Ich erinnere mich daran, dass ich in der Grundschule schon ganz gut rechnen konnte. Aber das ist natürlich noch nicht ungewöhnlich und schon gar keine Mathematik. Als ich dann in der 4. Klasse war, hat meine Mutter organisiert, dass ich an der Matheolympiade teilnehme, die damals eigentlich erst ab Klasse 5 war. Das war eine tolle Erfahrung und hat mich motiviert, an weiteren Mathe-Wettbewerben teilzunehmen.

Und wie ging es dann mit den Wettbewerben weiter?
In der 5. Klasse habe ich wieder mitgemacht und war noch erfolgreicher und hab in der dritten Stufe gewonnen. Das war natürlich super motivierend für mich. Aber das klingt jetzt so, als ob mich nur der Erfolg motiviert hätte. Natürlich haben mir die Aufgaben Spaß gemacht, aber ich mochte es als Kind auch zu den Wettbewerben hinzufahren, in den Landheimen zu übernachten und mit anderen Leuten zusammen zu sein.
Und als ich in der 6. Klasse das erste Mal bei der Bundesrunde der Mathematik-Olympiade dabei war, bin ich für die Achtklässler angetreten und hab einen ersten Preis geholt.

Was hat dir damals geholfen, so erfolgreich zu sein?
Zum einen haben mich meine Eltern unterstützt, wo sie nur konnten, und dann hat diese Aufgabe das Gymnasium übernommen, auf dem ich war. Das Martin-Andersen-Nexö-Gymnasium in Dresden ist seit DDR-Zeiten eine Spezialschule für Mathematik. Es gab da eine sehr gute Mathe-AG und später dann ein Mathetraining an der TU Dresden für die, die gut in der Matheolympiade abgeschnitten haben. Das hat mir sehr geholfen.

Dann war ein Mathe-Studium ja quasi vorprogrammiert...
Genau. Ich bin dann - zusammen mit mehreren Freunden aus Olympiadezeiten - zum Mathe-Studium nach Bonn gegangen und später mit einem Stipendium des DAAD für die Promotion in die USA nach Stanford.

Worüber hast du promoviert?
Die Doktorarbeit hieß "Modern Methods in Extremal Combinatorics" da gab es herausfordernde Probleme, die ich mir vorgenommen und die ich geknackt habe.

Was ist denn extremale Kombinatorik?
Die extremale Kombinatorik ist ein Teilgebiet der Kombinatorik. Typischerweise geht es in extremaler Kombinatorik um Probleme, die maximale oder minimale Größe kombinatorischer Konfigurationen unter bestimmten Bedingungen zu bestimmen. Ein Beispiel ist das folgende Problem, das schon vor mehr als hundert Jahren gelöst wurde: Wie viele Kanten kann ein Graph mit n Knoten maximal haben, ohne dass drei Knoten paarweise durch Kanten verbunden sind (also ohne dass der Graph ein Dreieck enthält)? Extremale Kombinatorik ist ein sehr lebendiges Gebiet mit engen Verbindungen zu anderen Gebieten der Mathematik.

Magst du uns eventuell auch sagen, wie es privat für dich weiterging?
Gerne. Ich habe in Stanford einen Promotionsstudenten aus Kanada kennengelernt und geheiratet und habe seit zwei Jahren zusammen mit ihm eine kleine Tochter namens Clara.

Die Laudatio zum Richard-Rado-Preis und ein Beitrag von Lisa Sauermann über ihre Arbeit findet sich in den DMV-Mitteilungen 28-1, die gerade erscheinen. Ein ausführliches Interview mit Lisa Sauermann wird im Heft 28-2 erscheinen.

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