In einer gestern (10.7) veröffentlichten Petition fordern Wissenschaftlerinnen und Wissenschaflter die EU zu höheren Ausgaben für das EU-Förderprogramm für Forschung und Innovation Horizon Europe auf. Statt 100 Milliarden Euro, wie jüngst von der EU-Kommission vorgeschlagen, solle die EU von 2021 bis 2027 ganze 160 Milliarden bereitstellen. Sonst werde Europa bei der rasanten Entwicklung anderer Erdteile nicht mithalten können, befürchten die derzeit rund 300 Unterzeichner der Petition, darunter vorrangig in Europa tätige Professorinnen und Professoren.


Neben dem jährlichen Haushalt legen die EU-Organe in größeren Abständen auch einen sogenannten mehrjährigen Finanzrahmen fest. Vorige Woche gab die EU-Kommission ihren Vorschlag bekannt: Horizon Europe, das selbsternannte „ambitionierteste Forschungs- und Innovationsprojekt aller Zeiten“, soll auf die Ergebnisse des Vorläufers Horizon 2020 mit einem erhöhten Etat von 100 Milliarden Euro aufbauen. Ob der Vorschlag umgesetzt wird, hängt nun von den Stimmen des Rats und des Parlament der Europäischen Union ab. Zu den Maßnahmen des auslaufenden Horizon 2020 gehört unter anderem der Europäische Forschungssrat ERC, der herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fördert.

EU bewirbt Horizon Europe

Mehr Mittel – schön und gut. Nur ist es zu wenig des Mehr, finden die Petitions-Initiatoren ISE und Euroscience . Im Petitionstext geben sie zu bedenken: „Wir sind der Ansicht, dass es nicht genügt, um den wachsenden geopolitischen Herausforderungen Europas sowie dem sehr hohen Wettbewerb, der jetzt insbesondere von asiatischen Ländern ausgeht, entgegenzuwirken. Die Bruttoinlandsausgaben für Forschung und Entwicklung liegen in der EU unter 2% des BIP und bleiben damit hinter denen von Korea (4,2%) Japan (3,1%), den USA (2,7%) und auch China (3,3%) zurück.“ Bei unterfinanzierter Forschungsförderung könne Europa auf Dauer für vielversprechende junge Wissenschaftler unattraktiv werden. Der drohende Exzellenzverlust sei ernstzunehmen. Ihn in Kauf zu nehmen, ist dann wohl fahrlässig selbstschädigend. Das zumindest suggeriert die Schrift mit ihrem „Europe must take the lead“-Szenario für die bevorstehende Dekade: „Europa wird sich mehr auf seine eigenen Kräfte verlassen müssen, um seine Werte und seine Führungsrolle zu behaupten. Ein vereintes Europa muss in die Bereiche investieren, die für die Stärkung unserer Gesellschaft, unserer Volkswirtschaften, unserer Sicherheit und unserer Anstrengungen zur Bewältigung der großen globalen Herausforderungen unseres Planeten wichtig sind.“

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