Der erste OECD-Bildungsbericht zu Geschlechterunterschieden kommt zu dem Ergebnis, dass sich Mädchen in Mathematik deutlich weniger zutrauen als Jungen. Dieser geschlechtsspezifische Unterschied ist in Deutschland bedenkswert groß - deutlich größer als in den meisten anderen Industrieländern. Woran liegt das?

Die Frage geschlechterspezifische Motivationsunterschiede hat die Hector-Studie "Was Mädchen über Mathe denken" untersucht.

Mädchen sehen für sich weniger den Nutzen der Mathematik für ihr weiteres Leben. Sie büffeln also quasi "nur" für die Schule das, was notwendig ist, um gute Noten zu bekommen.

"Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung und der Exzellenz-Graduiertenschule LEAD, die jetzt in der Fachzeitschrift Journal of Educational Psychology erschienen ist. Die Untersuchung liefert Hinweise darauf, warum Männer in mathematisch orientierten Berufen deutlich stärker repräsentiert sind als Frauen und auch, wie man Mädchen für Mathematik motivieren kann.

Mädchen, so zeigt die Studie, haben in Teilbereichen durchaus genauso hohe Wertüberzeugungen im Fach Mathematik wie Jungen – allerdings betrachten sie den Nutzen des Faches eher als kurzfristig. Während also beide Geschlechter den schulischen Leistungen in diesem Fach die gleiche Bedeutung zumessen, nehmen Mädchen Mathematik als ein eher unattraktives Fach wahr, das ihnen persönlich weniger bedeutet als Jungen und das sie außerdem für ihre Zukunft als weniger nützlich empfinden." schreibt die Universität Tübingen auf ihrer Webseite.

Andreas Clasen kommentiert den OECD-Bildungsbericht zu Geschlechterunterschieden:
"Der OECD-Bildungsbericht zur Chancengleichheit der Geschlechter zeigt leider, dass noch viele Deutsche diesen alten Denkschemata folgen: Rund 40 Prozent der Eltern können sich vorstellen, dass ihre Söhne in den Bereichen Wissenschaft, Technik oder Maschinenbau Karriere machen, bei den Töchtern gilt das für 15 Prozent. Diese Denke überträgt sich zu allem Unglück auf die Kinder. Mädchen, die gleich gut rechnen wie ihre Schulkameraden, trauen sich seltener eine Karriere in besagten Bereichen zu als die Jungs.Mdchen OECD Studie Das muss sich ändern und das kann sich ändern, das zeigen die asiatischen Staaten, wo die Studie kaum geschlechtsspezifische Unterschiede feststellt. Das geht sogar ganz einfach: Eltern, Verwandte und Lehrer müssen den Mädchen nur mehr zutrauen."

Über die Studie berichten:
DGB, scook - Die Plattform für Lehrer und ihre Schüler, Südwest Presse, Schwäbische Tagblatt und der Reutlinger General-Anzeiger. Auch die dpa greift die Studie in einer Meldung zum aktuellen OECD-Bildungsbericht auf.

Hier können Sie die OECD-Studie "The ABC of Gender, Equality in Education Aptitude, Behaviour, Confidence" nachlesen:
www.oecd.org/pisa/keyfindings/pisa-2012-results-gender-eng.pdf

Stephanie Schiemann

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