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Die Welt als Spiel

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Die Welt als Spiel
Spieltheorie in Gesellschaft, Wirtschaft und Natur

Pierre Basieux
Rowohlt TB, rororo Taschenbücher Nr.62311 2008. 254 S. Paperback, 8,95 €

ISBN 9783499623110

Die Spieltheorie als mathematische Disziplin ist vergleichsweise jung: Sie begann mit Arbeiten von Morgenstern und von Neumann im ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts. Diese Theorie wird im Buch von Basieux zwar auch behandelt, doch wird das Thema wesentlich weiter gefasst.

Wenn man die Axiome der Mathematik als „Spielregeln“ interpretiert, ist es legitim, quasi alle Bereiche dieser Wissenschaft unter dem Gesichtspunkt „Spiel“ zu interpretieren. Deswegen können sich potenzielle Leser(innen) darauf einstellen, auch Ausführungen zu Teilbereichen präsentiert zu bekommen, die man unter dieser Buchüberschrift vielleicht nicht erwartet hätte: Wahrscheinlichkeitsrechnung, Finanzmathematik, Philosophie der Mathematik, ...

Das Thema „Spiele“ spielt natürlich die Hauptrolle. Man erfährt, wie man die wichtigsten Aspekte eines Spiels übersichtlich in einer Matrix codieren kann, was ein Gleichgewicht ist, wie man sich optimal beim Roulette und beim Black Jack verhalten sollte und vieles mehr.

Das Buch ist für alle geeignet, die sich einen ersten Überblick über den mathematischen Blickwinkel zum Thema „Spiel“ verschaffen und bei der Gelegenheit noch eine Menge im Umkreis dieses Fragenkreises lernen wollen. Für ergänzende Studien kann das Buch „Glück, Logik und Bluff“ von Jörg Bewersdorff empfohlen werden (GWV, 2001).

Rezension: Ehrhard Behrends, FU Berlin

Die Zahlen der Natur

die zahlen der natur

Die Zahlen der Natur
Mathematik als Fenster zur Welt

Ian Stewart
Spektrum Verlag, 1998, 9,95 €

ISBN: 3827411238

Das Buch "Nature's numbers" wurde 1995 geschrieben, seit einiger Zeit liegt es auch auf Deutsch vor. Ian Stewart - sicher der erfolgreichste Autor populärer Bücher zur Mathematik - behandelt zunächst die Frage, inwieweit man mit Mathematik die Ordnung der Welt besser verstehen kann. Es bleibt aber nicht beim Grundsätzlichen, in sechs weiteren Kapiteln wird an exemplarischen Beispielen gezeigt, wie moderne Mathematik bei der Erklärung einiger Aspekte unserer Umwelt zum Einsatz kommt. Man lernt viel über harmonische Schwingungen, Symmetriebrechungen, woher die Streifen des Tigers kommen, Chaostheorie, Wahrscheinlichkeitsrechnung, ...
Stewart hat ein Buch geschrieben, in dem keine einzige Formel vorkommt. Ihm gelingt aber das Kunststück, auch ohne diese bei Fachleuten sehr beliebten Methode, Aussagen sehr konzentriert darzustellen, das Wesentliche seiner Überlegungen zu vermitteln.
Er ist wirklich ein Formulierungskünstler: Wie könnte man zum Beispiel besser die Tatsache betonen, dass die Welt im Regime der Quantenmechanik durch den Zufall bestimmt ist, als durch

"Es ist nicht so sehr ein Universum, in dem Gott Würfel spielt - eine Vorstellung, die Albert Einstein ablehnte -, sondern es scheint ein Universum zu sein, in dem die Würfel Gott spielen."

Fazit: Es ist ein Buch, das für alle empfehlenswert ist, die einen ersten Eindruck von einigen Aspekten gegenwärtiger Mathematik gewinnen wollen.

(Rezension: Ehrhard Behrends)

Die Zukunft is fuzzy

die zukunft ist fuzzy

Die Zukunft is fuzzy
Unscharfe Logik verändert die Welt

Bart Kosko
Piper, 1999, 24,90 €

ISBN: 3492041876

Auf über vierhundert Seiten sollen wir in die Welt der Unschärfe ("fuzz") eingeführt werden. Dazu gibt es guten Grund! Schon zu Beginn wird uns vor Augen geführt, dass die Menschheit über zwei Jahrtausende auf dem Holzweg war. Das Problem ist nichts weniger als unsere binäre Logik (also wahr oder falsch) - die Grundlage unseres wissenschaftlichen Denkens.

Bart Kosko ist es nun gelungen, diese "aristotelische Haarspalterei" (S. 21) zu entlarven: "Die binäre Logik ist von jeher die Logik der Macht gewesen" (S. 12). (Und die Amerikaner waren nicht auf dem Mond, möchte man ergänzen.) Vielmehr bedarf es einer Theorie des Ungefähren, der Unschärfe, deshalb kommen ja auch Ying und Yang (S. 22) vor. Sinnfällige Beispiele unterlegen das, der Himmel ist eben nie völlig blau, die Erdumlaufbahn um die Sonne keine perfekte Ellipse.

Die Fuzzy-Logik versucht, solchen Tatsachen durch Wahrheitswerte gerecht zu werden, die nicht nur 0 und 1 (falsch und wahr) sondern auch Werte dazwischen annehmen können. So könnte man die Aussage "Der Himmel ist blau" unter Umständen zu 80% wahr nennen. Das ist die Fuzzy-Logik. Dass nun die "Mathematik der Fuzzy-Logik selbst nicht unscharf ist" (S. 27) wird als bloße Fuzzy-Ironie abgetan. Hat der Autor schon vergessen, dass er nur fünf Seiten zuvor mit eben dieser formalen Logik gründlich "aufgeräumt" hatte?

Schade, dass einem durch solche populistischen Entgleisungen die Lust genommen wird, das ganze wirklich ernstzunehmen. Und das muss man. Die Fuzzy-Technik findet man heute überall - von der Waschmaschine bis zur Steürung von Fahrstühlen, von Spamfiltern bis zur Fahrplanoptimierung. Vor allem enthält das Buch eine Menge Geschichtchen. Fuzzy in Wirtschaft, Politik, Kultur und überall. Alles bleibt ein bisschen unscharf. (Wie man ein Coase-Theorem lieber nicht beweist: s. Kapitel 6, wir lernen woher "links" und "rechts" in der Politik kommen, dank Fuzzy kann man sich überlappende Trapeze zeichnen (S. 60) und politische Gesinnungen von sozialistisch bis faschistisch unscharf (klar) klassifizieren.)

Und doch werde ich den Verdacht nicht los, dass diese nebulöse Masche am Ende Prinzip ist: fuzzy ist nicht was drinsteht sondern wie.

(Rezension: Bernd Schmidt)

Die Grammatik der Logik

die grammatik der logik

Die Grammatik der Logik

Wolfgang Blum
dtv, 1999, 8,50 €

ISBN: 3423330376

Dieses Büchlein, erschienen in der dtv-Reihe "Naturwissenschaftliche Einführungen", soll den Leser in die Welt der Mathematik führen, ja mehr noch, es soll das "Wissen unserer Zeit" aus dem Gebiet der Mathematik darstellen. Das ist streng genommen nicht möglich und wäre für den unbedarften Leser wohl kaum verdaulich. Also hat es der Autor unternommen, kurzweilig verschiedene Gebiete der Mathematik vorzustellen, deren Gegenstand knapp zu umreißen, und er hat auch gelegentlich Namen von Persönlichkeiten eingestreut, die das jeweilige Gebiet vertreten haben. So kommt ein Buch zustande, dass über lange Strecken gut zu lesen ist. Fuer manche Dinge, die im Text erörtert werden, gibt es separate Displays, in denen eine Beweisidee detailliert erklärt wird. Ein paar der dargestellten Sachverhalte reizen den Rezensenten jedoch zum Kommentar. Ein grober Schnitzer ist dem Autor unterlaufen, als er den Bereich der reellen Zahlen einführt, siehe auch Glossar, S. 123). Diese entstehen dort als Erweiterung der rationalen durch Hinzunahme von Wurzeln. Dadurch entstehen auch Zahlen, die nicht rational zu sein brauchen, der Beweis für die Quadratwurzel aus 2 wird geführt. Aber es gibt eben auch reelle Zahlen, die nicht algebraisch sind. Ein prominenter Verteter, die Zahl Pi, wird im Text ausführlich gewürdigt. Da hätte es sehr schon gepasst, wenn ein paar Worte zur Transzendenz von Pi gesagt wären. Es scheint eine besondere Herausforderung zu sein, den Bereich der Wahrscheinlichkeitstheorie vorzustellen. Auf S. 78 werden mögliche Anwendungen genannt, wobei bemerkt wird, dass sie "sogar zur Berechnung von Flächen" reichen. Dies ist die Keimzelle aller stochastischen Verfahren. Die meisten anderen Anwendungen werden erst dadurch ermöglicht, dass man das anstehende Problem auf eine Flächenberechnung zurückführt! An anderer Stelle, S. 73, wird dem Leser nahegelegt, "alle wichtigen Theoreme der Wahrscheinlichkeitsrechnung handeln davon, was bei unendlicher Wiederholung passiert". So weit würde der Rezensent dann doch nicht gehen wollen. Was der "Zentrale Grenzwertsatz" besagt, wird durch die Formulierung "in vielen Faellen läuft alles auf jene (Gaußsche Glocken-)kurve hinaus" nicht erhellt (S. 74). In der Darstellung der Statistik, ansprechend angekündigt unter "Lügen, grobe Lügen und Statistik", wird darauf hingewiesen, wie problematisch der falsche Umgang mit Daten sein kann. Es wäre aber schön gewesen, wenn dem Leser auch gesagt würde, dass bei richtiger Anwendung statistischer Methoden aus großen Datenmengen wichtige Informationen gezogen werden können, die sonst nicht zu erhalten wären. Insgesamt hinterlässt dies Buch beim Rezensenten einen zwiespältigen Eindruck. Das, was bei den Herausgebern als "Leichtigkeit und Humor" angepriesen wird, heißt eben auch, dass an vielen Stellen die Ernsthaftigkeit der Darstellung zu kurz kommt. Nur mit historischen Details, die oft recht interessant sind, und Anekdoten kann dem Leser die Mathematik nur begrenzt nahe gebracht werden, das Wissen unserer Zeit sowieso nicht. Ja, der (falsche) Eindruck, Mathematik sei etwas für exotische Außenseiter, wird durch das Buch eher untermauert als korrigiert.

(Rezension: Peter Mathé)

Die 85 Methoden, eine Krawatte zu binden

die 85 methoden eine Krawatte zu binden

Die 85 Methoden, eine Krawatte zu binden

Thomas Fink und Yong Mao
Hoffmann und Campe 2001, 143 Seite, 12,50 €
Taschenbuch: Piper, 2002, 7,90 €

ISBN: 3455112900
ISBN: 3492235069

Mathematik im Alltag, und das schon am frühen Morgen: Gleich nach dem Aufstehen, nach dem etwas verschlafenen Blick in den Spiegel mit dem "ich kenn Dich zwar nicht, aber ich rasier Dich trotzdem", kommt Mann an beim Versuch, die Krawatte zu binden. Nun hat Mann ja irgendwann (zur Konfirmation, oder zum Tanzstundenabschlussball?) einmal von Papa gezeigt bekommen, wie das geht, und versucht das dann die vielen Jahre und Jahrzehnte danach immer wieder (wenn nötig) genau so wie damals hinzukriegen. Erst übereinanderlegen, dann untendurchziehen, dann von rechts oben drüber, und nochmals unten durch, oder wie? Oder wer kann schon zwei verschiedene Krawattenknoten binden?
Nun, das vorliegende Buch kann einen da einiges lehren - und tut dies auf ausgesprochen unterhaltsame, elegante und charmante Art. Erstens: Das Problem hat Geschichte, Kulturgeschichte, wenn die auch nicht ganz bis zu den alten Griechen zurückgeht. Zweitens: In dem Problem steckt Mathematik drin: Wenn wir nicht bereit sind, mehr als x mal über/unter/quer zu stecken und zu falten, dann gibt's da eigentlich nur endlich viele Möglichkeiten. Wie viele eigentlich? Und wie viele der "endlich vielen Möglichkeiten" liefern nun schöne/vernünftige/brauchbare Krawattenknoten? Nun, die "85" im Titel kann einem natürlich schon was verraten. Und Drittens: Die Mathematik und die Ästhetik des Krawattenbindens gehen eine ganz harmonische und profitable Zweierbeziehung ein.
Und mehr sei dazu nicht verraten. Lesen, und/oder verschenken!

(Rezension: Günter M. Ziegler)