Leseecke

Das BUCH der Beweise

dasbuchderbeweise

Das BUCH der Beweise

Martin Aigner, Günter M. Ziegler
Springer Verlag, 2002, 249 Seiten, 29.95 €

ISBN: 3540401857

Das BUCH der Beweise - klemmt die Umschalttaste auf Großbuchstaben auf dem Computer der Autoren? Ganz und gar nicht! Was hier vorliegt, ist eine Sammlung von Beweisen, die in das von Paul Erdös immer wieder zitierte BUCH gehören, das vom lieben (?) Gott verwahrt wird und das die perfekten Beweise aller mathematischen Sätze enthält. Manchmal lässt der Herrgott auch einige von uns Sterblichen in dieses BUCH blicken, und die so resultierenden Geistesblitze erhellen den Mathematikeralltag mit eleganten Argumenten, überraschenden Zusammenhängen und unerwarteten Volten. Erdös hat übrigens stets versichert, dass man nicht an Gott zu glauben braucht - er selbst tat es wohl auch nicht, titulierte er doch das höchste Wesen despektierlich als SF (= Supreme Fascist) -, dass man aber als Mathematiker an das BUCH glauben sollte.
Hier ist es also, das BUCH der Beweise in der wunderbaren Version von Martin Aigner und Günter Ziegler (genauer ist es die deutsche Ausgabe der 2. englischen Auflage). Es enthält 32 Kapitel aus den Gebieten Zahlentheorie, Geometrie, Analysis, Kombinatorik und Graphentheorie; nicht von ungefähr sind das die Gebiete, auf denen Erdös selbst aktiv war. Viele der dargestellten Beweise stammen auch von ihm; so erfahren wir im 2. Kapitel den BUCH-Beweis des Satzes, wonach zwischen einer Zahl n und ihrem Doppelten 2n stets eine Primzahl liegt (im Wesentlichen aus der ersten Publikation des damals knapp zwanzigjährigen Erdös), und im letzten Kapitel wird die Erdössche "probabilistische Methode" vorgestellt, die die Kombinatorik revolutioniert hat. Dazwischen geht es um irrationale Zahlen, die Eulersche Polyederformel, Körper und Schiefkörper, Zerlegungen konvexer Mengen, Ungleichungen, Polynome, Färbungsprobleme und und und ...
Es liegt in der Natur der Sache, dass für manche Kapitel mehr Kenntnisse beim Leser vorausgesetzt werden als für andere. Da das Buch recht kondensiert geschrieben ist, verlangt die Lektüre hohe Konzentration; aber für alle, die zwei Semester Mathematik studiert haben und die bereit sind, diese Konzentration aufzubringen, wird die Mühe reichlich belohnt, zumal das Buch hervorragend gesetzt und illustriert ist (ob es das BUCH auch ist?). Auch hierfür gebührt den Autoren und ihren TeX-Beratern höchstes Lob.
Wer (wie ich) bislang vergeblich versucht hat, einen Blick ins BUCH zu werfen, wird begierig in Aigners und Zieglers BUCH der Beweise schmökern.
(Die englische Version Proofs From THE BOOK ist hier rezensiert; ferner gibt es Besprechungen zur Erdös-Biographie Der Mann, der die Zahlen liebte und zu dem Erdös-Video N is a number.

(Rezension: Dirk Werner)

In der Presse gab es viele weitere sehr positive Reaktionen. Stellvertretend empfehlen wir einen Artikel von W. Blum in der Ausgabe 16/02 der Weltwoche.

Bilder der Mathematik

bilder der mathematik

Bilder der Mathematik

Georg Glaeser, Konrad Polthier
Verlag: Springer Spektrum; Auflage: 2. Aufl. 2010. Nachdruck 2014 (27. August 2014), 24,99 €

ISBN-10: 3662434164
ISBN-13: 978-3662434161

Es folgen die Rezensionen von Mark Krüger, Thomas Sonar und Hans Havlicek


„Ein Bild ist kein Beweis“. Dieser aus Anfängervorlesungen bekannte Satz ist tief im mathematischen Denken verankert. Dabei ist Mathematik mehr als nur Beweis, und das Bild mehr als nur Abbildung. Das Bild ist vor allem aber Veranschaulichung.
Dieses Buch steht in der noch jungen Tradition für die vielen erfolgreichen Ansätze von Mathematikern, Mathematik in die Öffentlichkeit zu vermitteln. Bilder sind dafür unverzichtbares Hilfsmittel. Ein Blick auf das Portal des DFG Forschungszentrums MATHEON (www.matheon.de) lohnt sich daher immer.

Mit mehr als 1000 Bildern auf über 300 Seiten in 15 Kapiteln und aus einigen Dutzend mathematischer Disziplinen ist dieses Buch ausgestattet mit allem, was man braucht, um einen starken optischen Eindruck auch bei Nichtmathematikern zu hinterlassen. Es finden sich neue alte Veranschaulichungen bekannter Themen wie Polyeder, Kegelschnitte, natürlich Möbiusbänder (dem neuen Logo der DMV!), algebraische Flächen (wie in der Kopfzeile von www.mathematik.de) aber auch Borromäische Ringe (drei ineinanderverschlungene Ringe), dem Logo der International Mathematical Union (www.mathunion.org). Dabei stellen vermeintlich bekannte Visualisierungen oft unerwartete Verbindungen her etwa wie das Pascalsche Dreieck zum Sierpinski-Dreieck. Die Veranschaulichung von Problemen und Lösungen eigentlich bildferner Gebiete ausserhalb der klassischen Gebiete wie Geometrie, Topologie oder Graphentheorie ist ein besonderes Verdienst dieses Buches.
Darüber hinaus eröffnet es einen grossen neuen Zugang zu vielen aktuellen Problemen aus speziellen Disziplinen, die auch dem Mathematiker ausserhalb seines eigenen Spezialgebietes verborgen geblieben sind.

Und doch bleibt dieses Buch nicht bei dem Bild stehen. Jede Doppelseite enthält weitgehende Quellen in Form von Links, Buch- und Artikelverweisen zur weiteren Vertiefung. Eine eigene Homepage findet sich auf www.math-image.de.
Die Materialfülle sollte jedem Leser neue Horizonte erschliessen. Entweder, weil er über unbekannte Fragen vorher noch nicht nachgedacht hat (Hört man Trommeln ihren Klang an? - Gibt es einen optimalen raumpackenden Schaum? - Kann man einen 4-dimensionalen Würfel konstruieren? - Gibt es ein konvexes Stehaufmännchen ohne Gewichte und wie sieht es aus?). Oder, weil er sich bekannte Fragen auf diese Weise noch nicht gestellt hat (Wie sieht ein Algorithmus für minimalspannende Bäume aus? - Gibt es Irrfahrten, die ans Ziel kommen? - Wie sehen formstabile Wellen aus?).

Die Verwendung des Buches sehe ich in (nahezu) allen Lebensbereichen: Von der frühen Beschäftigung mit Bildern bei Kindern, Heranführung an die Mathematik und erste komplizierte Fragen in der Schule, Erweiterung des mathematischen Horizonts im Studium, und nicht zuletzt für den interessanten Zeitvertreib (will sagen für Bus und Bahn oder den Nachttisch).

Das Buch weist gleichermassen den Weg in Richtung auf ein modernes Bildlexikon der Mathematik wie man es heute in gedruckter Form und mit aktuellen Inhalten leider noch vermisst. Ein aussichtsreicher Kandidat dafür hat sich mit diesem Buch aber heute schon gefunden.

Die Frage „Büchlein, Büchlein in der Hand, was ist das schönste Bild im ganzen Band?“ muss wohl jeder Einzelne für sich entscheiden – man wird viel Freude bei der Suche nach einer Antwort haben.

Rezension: Mark Krüger


 
Was geschieht, wenn zwei an Kunst interessierte Mathematiker zusammenkommen? Ein wunderbares Buch über Mathematik als Kunst oder Kunst in der Mathematik entsteht! Seit ihrem Bestehen ist die Computergraphik eine von der Mathematik durchdrungene Wissenschaft, die durch die rasante Entwicklung der Rechner und ihrer Graphikkarten in Bereiche unglaublicher Komplexität vorgedrungen ist. Für die Anwendungen der Computergraphik in der Mathematik ist dabei nicht nur eine ästhetische Komponente von Bedeutung, sondern Bilder können auch echte „Aha!“-Erlebnisse auslösen und zum Verständnis erheblich beitragen. Die Autoren zitieren daher auch in ihrer Einleitung die altbekannte, aber nichtsdestoweniger richtige Schulweisheit: „Von der Lösung keine Spur, dann zeichne eine Hilfsfigur“. Der vorliegende Band ist voll von solchen „Hilfsfiguren“, und zwar aus Bereichen, die kreuz und quer im Reich der Mathematik verteilt sind. Die Themen, die auch die 15 Kapitel des Buches bestimmen, sind Polyedrische Modelle, Geometrie in der Ebene, Alte und neue Probleme, Formeln und Zahlen, Funktionen und Grenzwerte, Kurven und Knoten, Geometrie und Topologie von Flächen, Minimalflächen und Seifenblasen, Parkette und Packungen, Raumformen und Dimensionen, Graphen und Inzidenzen, Bewegliche Formen, Fraktale Mengen, Landkarten und Abbildungen, sowie Formen und Verfahren in Natur und Technik. Die Darstellungsformen reichen von einfachen Graphen (im Kapitel über Funktionen und Grenzwerte) bis hin zu komplexen 3-D-Darstellungen wie etwa bei der Raumkollineation im Kapitel über Landkarten und Abbildungen und selbst die Doppelseite „Verrückte Formeln der Kreiszahl π“ ist nicht bildfrei. Die erläuternden Texte sind knapp aber stets sehr verständlich. Jeder Beitrag wird von Referenzen auf Literatur oder Internetquellen begleitet, so dass man das Buch auf (mindestens) zwei verschiedene Arten lesen kann: Entweder als entspannende Lektüre im „Stöbermodus“, oder aber als Startpunkt für einen Ausflug in Teilbereiche der Mathematik, die man schon immer mal kennenlernen wollte.

Das Buch macht mir, der ich im bourbakistischen Geiste des sich kein Bild machen Dürfens erzogen wurde, wieder einmal klar, dass die Mathematik eine sehr „visuelle“ Wissenschaft ist und wieviel an Einsicht man schon gewinnen kann, wenn man „genau hinschaut“. Selbst mein verehrter, inzwischen verstorbener blinder Lehrer Helmut Epheser verwendete die Frage: „Sehen Sie das, meine Damen und Herren?“, selbst wenn er als Blinder unter Sehenden der Einzige schien, der wirklich ein klares Bild „vor Augen“ hatte. Von solchen klaren Bildern zeigt das vorliegende Buch eine große Fülle. Der Verlag hat das Buch mit festem Glanzpapier ausgestattet, auf dem die Bilder hervorragend zur Geltung kommen, aber leider die Bilder der vorhergehenden Seite teilweise ganz leicht durchscheinen. Das fast quadratische Format des Buches gibt auf jeder Seite viel Raum für die Bilder. Das Buch ist sowohl dazu geeignet, Jugendliche für Mathematik zu begeistern, als auch den Mathematik-Profis ein paar neue Einblicke zu geben. Für Lehrerinnen und Lehrer sollte das Buch ein Füllhorn sein und ab und zu gibt es auch durchaus Ideen für Aufgaben. Es ist einfach ein wundervolles Buch das keine Wünsche offen läßt, zumal die zahlreiche Literaturhinweise zum Weitermachen animieren.

Rezension: Thomas Sonar, Braunschweig

Quelle: Springer Verlag, Mathematische Semesterberichte, April 2010, Band 57, Heft 1, S. 152
Mit freundlicher Genehmigung des Verlags


 
Das vorliegende Werk wurde 2008 erstmals publiziert. Schon im Jahre 2010 erschien auf Grund der günstigen Aufnahme eine erweiterte zweite Auflage. Diese liegt nunmehr in Form einer vollständig durchgesehenen und korrigierten Softcover-Ausgabe vor.

Die erste Auflage des Buches hat Herr Sonar in dieser Zeitschrift ausführlich besprochen und gewürdigt; vgl. dazu Heft 57 (2010), 152–153. Die Unterschiede zur aktuellen Ausgabe sind nicht allzu groß. Nach wie vor ist der Text in 15 Kapitel gegliedert: Polyedrische Modelle, Geometrie in der Ebene, Alte und neue Probleme, Formeln und Zahlen, Funktionen und Grenzwerte, Kurven und Knoten, Geometrie und Topologie von Flächen, Minimalflächen und Seifenblasen, Parkette und Packungen, Raumformen und Dimensionen, Graphen und Inzidenzen, Bewegliche Formen, Fraktale Mengen, Landkarten und Abbildungen, Formen und Verfahren in Natur und Technik. An manchen Stellen wurden kleine Umgruppierungen vorgenommen. Es wurden auch Illustrationen der früheren Auflage durch neues Bildmaterial ersetzt, wie etwa auf Seite 290 (Gebietseinfärbungen), wo nun allerdings eine für den Geschmack des Referenten eher schrille Farbgebung auf das nach wie vor erstklassige, sorgfältig und geschmackvoll erstellte Gesamt-Layout trifft. Auf insgesamt 17 Seiten finden sich eine Reihe von neu hinzugekommenen Themen. Einige davon seien im Folgenden genannt: Bézierkurven und Splines, Die Laterne von Schwarz, Verwobene Flächen und verbundene Löcher, Gruppentafeln und besondere Untergruppen, Indiras Perlen, Das Behälterproblem.

Die Autoren zitierend richtet sich das Werk an „alle Freunde der Mathematik, die nicht nur trockenen Text und endlose Formeln sehen wollen. Vom Schüler bis zum Lehrer, vom Studenten bis zum Professor.“ In der Tat! Hier liegt ein Buch für alle jene vor, denen die Begeisterung für und das Verständnis von Mathematik am Herzen liegen. Wie das Buch eindrucksvoll zeigt, können dabei zielgerichtet erstellte Illustrationen wie eine Art Katalysator wirken. Sicherlich vermag das Buch mathematische Laien anzusprechen, und es leistet so einen wichtigen Beitrag zur Propagierung unseres Faches. Es wäre aber völlig falsch, das Werk alleine als ein populärwissenschaftliches „Bilderbuch der Mathematik“ anzusehen. Denn die vielen eindrucksvollen Bilder kommen immer gepaart mit kurzen, aber prägnanten Erklärungen und sorgfältig recherchierten Literaturhinweisen, welche zu weiterem Studium und vertiefter Behandlung der vorgestellten Themen einladen. An vielen Stellen finden sich auch nützliche Querverweise auf Ressourcen im Internet. Insgesamt untermauert dieses schöne Buch die Gültigkeit einer uns allen vertrauten Redensart: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!

Quelle: Springer Verlag, Mathematische Semesterberichte, April 2015, Band 62, Heft 1
Mit freundlicher Genehmigung des Verlags

Rezension: Hans Havlicek (Wien)

Bezaubernde Beweise

claudi alsina

Bezaubernde Beweise
Eine Reise durch die Eleganz der Mathematik

Claudi Alsina, Roger B. Nelson
Springer Spektrum; Auflage: 2013 (14. Juni 2013), 24,99 €

ISBN-10: 3642347924
ISBN-13: 978-3642347924

„Sätze und ihre Beweise sind das Herz der Mathematik.“ schreiben die Autoren Claudi Alsina und Roger Nelson im Vorwort der deutschen Ausgabe dieses Büchleins, dessen Ziel es ist, Das BUCH der Beweise von Martin Aigner und Günther Ziegler fortzusetzen.

Bekanntlich ist ja das BUCH eine fiktive Begriffsbildung, die vom großen ungarischen Mathematiker Paul Erdos geprägt wurde. Es enthält jene Beweise, die sozusagen göttlichen Ursprungs sind.1 Sowohl das Buch von Aigner und Ziegler als auch das vorliegende Buch haben den Anspruch, die schönsten bzw. die bezauberndsten Beweise der Mathematik zu sammeln, wobei die Zielrichtungen leicht verschieden sind und es tatsächlich kaum zu Überschneidungen kommt.

Der Fokus des sehr lesenswerten Buches Bezaubernde Beweise liegt mehr auf der elementareren Seite und gibt gleichzeitig eine Vielzahl von mathematischen Sätzen – samt deren Beweisen – an, während sich Das BUCH der Beweise aufwändigeren Themen widmet. Besonders hervorzuheben sind die geometrischen Kapitel („Spielwiese der Vielecke“, „Eine Schatzkiste voller Dreieckssätze“, „Aufregende Kurven“, „Abenteuer mit Pakettierungen und Färbungen“ etc.). Hier finden sich viele Perlen der Elementargeometrie wie z. B. der Satz von Pick, die Quadratur von Vielecken, das Problem der Museumswächter, die Ungleichung von Erdos und Mordell, das Morley-Dreieck und vieles mehr.

Das Material wird durch Einschübe aufgelockert, die entweder auf die Geschichte oder auf aktuelle Entwicklungen der Mathematik eingehen. Jedes Kapitel schließt mit einigen sorgfältig ausgewählten Übungsbeispielen, deren Lösungen am Ende des Buches zusammengefasst sind.

Es ist ein schönes Buch zum Schmökern und zur mathematischen Entspannung und kann allen mathematisch Interessierten wärmstens empfohlen werden.

1Erdos soll auch gesagt haben, dass es für Mathematiker nicht unbedingt notwendig wäre, an Gott zu glauben, aber wenigstens an das BUCH.

Quelle: Springer Verlag, Mathematische Semesterberichte, Oktober 2013, Band 60, Heft 2
Mit freundlicher Genehmigung des Verlags

Rezension: Michael Drmota (Wien)

Studien- und Berufsplaner Mathematik

studien und berfusplaner

Studien- und Berufsplaner Mathematik
Schlüsselqualifikation für Technik, Wirtschaft und IT. Für Studierende und Hochschulabsolventen

Regine Kramer (Ges.red.)
Vieweg 2015, 5. Auflage, 300 Seiten, 19,99 €

ISBN 978-3-658-04129-8

Sind Sie Oberschüler(in) und kommt das Fach "Mathematik" möglicherweise als Studienfach infrage? Oder wollen Sie aus irgendwelchen anderen Gründen wissen, was Mathematikerinnen und Mathematiker in der Berufswelt so machen?
Dann sollten Sie unbedingt zu diesem Buch greifen: Nie vorher sind so ausführlich und so kompetent Fragen im Umkreis von Studium und Berufswirklichkeit der Mathematik beantwortet worden. Man

... wird über einige gute Gründe informiert, warum man dieses Fach studieren sollte (gute Berufsaussichten!)

... erfährt alles Wichtige über Universitäten und Studiengänge

... lernt die Branchen kennen, in denen Mathematiker beschäftigt werden

... erfährt in einer Reihe von Interviews, wie das an der Uni gelernte Wissen im Berufsleben umgesetzt wird

... (Tipps fürs Studium, Finanzierung, Bewerbungs-Tipps, Existenzgründung)

Gratulation an den Vieweg-Verlag zu diesem Buch, das die 2001 begonnene Reihe fortsetzt!

(Rezension: Ehrhard Behrends)

Alex im Wunderland der Zahlen

alex bellos

Alex im Wunderland der Zahlen
Eine Reise durch die aufregende Welt der Mathematik

Alex Bellos
Berlin-Verlag, Berlin 2011, 512 Seiten, 24,00 €

ISBN-10: 3827008387
ISBN-13: 978-3827008381

Eine Reise durch die Welt der Zahlen! Mit der Mathematik ist es so eine Sache. Die Königin der Wissenschaften steht im Ruf, trocken und kompliziert zu sein. Ihre Reize stellt sie nicht öffentlich zur Schau. Diese erschliessen sich in der Regel nur dem, der bereit ist, sich auf das Abenteuer des abstrakten Denkens einzulassen. Mathematik kann aber auch ganz anders sein. Sie kann unterhalten, uns zum Staunen bringen und sogar den Laien begeistern. Wer es nicht glaubt, der sollte sich von Alex Bellos eines Besseren belehren lassen. In seinem Buch „Alex im Wunderland der Zahlen“ tritt der britische Journalist den Beweis an, dass eine Reise durch die Welt der Mathematik eine aufregende Sache sein kann.

Die Reise beginnt – wie sollte es anders sein – mit dem Ursprung der Mathematik, den Zahlen. Bellos geht der Frage nach, wie diese entstanden sind und wie sich daraus das heutige Dezimalsystem entwickelt hat. Dabei macht der Leser Bekanntschaft mit „rechnenden“ Pferden, zählenden Schimpansen und einem im Amazonasgebiet lebenden Naturvolk, das bis heute keine Namen für Zahlen grösser als 5 kennt. Der Leser lernt auch den Vorsitzenden einer Gesellschaft kennen, die seit Jahrzehnten gegen das Dezimalsystem kämpft und es durch ein System auf der Basis der Zahl 12 ersetzen will.

Dieses Faible fürs Anekdotische zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Egal ob Bello über die Erfindung der Null, die Chancen beim Glücksspiel, die verschiedenen Grade der Unendlichkeit oder die mathematischen Aspekte des Origamis referiert. Stets findet er einen Dreh, sein Thema in eine Geschichte zu verpacken. Was bei manchen Autoren arg bemüht wirkt, kommt bei Bellos ganz natürlich daher.

Zur Lebendigkeit des Buches tragen auch die vielen Personen bei, die Bellos auf seiner Reise durch die Welt der Mathematik getroffen hat. Die wenigsten entsprechen dem Bild, das man sich gemeinhin von Mathematikern macht. Und doch ist ihr Leben von der Mathematik durchdrungen. Da ist zum Beispiel der Zahnarzt, der im goldenen Schnitt das Geheimnis schöner Zähne entdeckt hat, oder die Dozentin, die in ihrer Freizeit Gebilde mit einer hyperbolischen Geometrie häkelt, oder der Mathematiker, dessen Hobby im Sammeln von Zahlenfolgen besteht. Das klingt skurril und ist es zum Teil auch. Das Schöne ist aber, dass es Bellos nicht beim Skurrilen belässt. Immer wieder erlaubt er sich Exkursionen zu den „wahren“ Problemen der Mathematik. Auf diese Weise gelingt ihm das kleine Wunder, dem Leser fast beiläufig einen Eindruck von der Schönheit der Mathematik zu vermitteln.

(Rezension: Christian Speicher)
Erschienen in der "Neuen Zürcher Zeitung" am 26.10.2011
Mit freundlicher Genehmigung der Neuen Zürcher Zeitung