Leseecke

Matherätsel (nicht nur) für Begabte der Klassen 4 bis 6

matheraetsel nicht nur fuer begabteTatiana Samrowski

Springer 2021, XII + 230 Seiten,

ISBN: 978-3-662-64014-2, 24,99 €
e-Book ISBN 978-3-662-64015-9, 19,99 €

Das vorliegende Buch ist eine Sammlung von Aufgaben für Mathematik-interessierte Schüler der 4.–6. Klasse. Hierbei liegt das Ziel weniger auf einer frühen Förderung von mathematischen Begabungen, sondern vielmehr in der Bereitstellung von Aufgaben, die einerseits als (Rätsel-)zeitvertreib dienen können, andererseits aber auch sehr gezielt Methoden und Denkweisen einüben, die schrittweise an die Schulmathematik heranführen. Frau Samrowski möchte hiermit einen Kontrapunkt zu den zum Teil reizlosen mechanischen Rechenaufgaben setzen, die das Interesse an der Mathematik eher erlahmen lassen, als es zu beflügeln. Ich denke, das ist ihr sehr gut gelungen.

Entstanden ist das Buch aus einer Sammlung von Aufgaben, die für den Unterricht der Junior Euler Society für Mathematik der Universität Zürich der Klassenstufen 3/4 und 5/6 in den Jahren 2012–2020 verwendet wurden. Sie richten sich an eine Zielgruppe, die zwar an Mathematik interessiert ist, aber heterogen was Begabung und Wissensstand angeht. Die Aufgaben dienten insbesondere zur Vorbereitung der Teilnahme an mathematischen Wettbewerben. Das Buch richtet sich daher in erster Linie an interessierte Kinder und deren Eltern zur Vorbereitung auf Wettbewerbe und Aufnahmeprüfungen für höhere Schulen. Natürlich bietet der reiche Aufgabenfundus auch Lehrern Material zur Vorbereitung von Wettbewerben und Ergänzungen zu den üblichen Lehrbuchaufgaben.

Strukturiert ist das Buch in zwölf Kapitel, die sich verschiedenen Themen widmen, wie z. B. Ziffern, Wiegen und Gewichte, Rückwärtslösen, Zeit, Abzählen von Möglichkeiten etc. Die einzelnen Kapitel haben alle die gleiche Struktur: Sie beginnen mit einführenden Aufgaben, deren vollständige Lösung vorgestellt wird. Danach gibt es Aufgaben zum selbstständigen Lösen und Wettbewerbsaufgaben sowie einige Aufgaben zur Wiederholung vorher behandelter Themen.

Die Aufgaben variieren in ihrem Schwierigkeitsgrad, was aber nicht heißt, dass die Wettbewerbsaufgaben durchweg die schwierigeren sind. Da die einzelnen Aufgaben eher kurz gehalten sind, haben sie nicht den abschreckenden Effekt vieler überlanger Textaufgaben, wie man sie oft in Schulbüchern findet. Sie haben durchweg einen klaren Fokus und sind mit den eingeübten Methoden, und manchmal etwas zusätzlichem Knobeln und Nachdenken, gut lösbar.

Eltern und Lehrern, die Kinder mit etwas weniger mechanischen Aufgaben an die Mathematik heranführen wollen, bietet diese Aufgabensammlung einen reichen Fundus, in dem für jeden Geschmack etwas zu finden sein sollte.

 

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Quelle: Springer Verlag, Mathematische Semesterberichte, 2022, Band 69, Seiten 149-150
Mit freundlicher Genehmigung des Verlags

Rezension: Karl-Hermann Neeb (Uni Erlangen)

Geometry and its Applications – in Arts, Nature and Technology

geometrie and its applicationsGeorg Glaeser

Springer 2020, X + 698 Seiten

ISBN: 978-3-030-61397-6, 58,84 €
e-Book ISBN 978-3-030-61398-3, 46,00 €

„In any case, geometry and mathematics complement each other quite nicely“. Über diesen Satz aus dem Vorwort zu Georg Glaesers Buch bin ich gestolpert. Er steht zwischen der Anmerkung, dass die Geometrie üblicherweise als Teil der Mathematik betrachtet wird und der Behauptung, dass zum Verständnis des vorliegenden Buches kein spezielles mathematisches Vorwissen erforderlich ist. Dazu später mehr.

Die Geometrie, wie sie in diesem Buch verstanden wird, ist eine Mischung von darstellender Geometrie und Visualisierungstechniken. Es besteht aus kurzen Essays, die immer wieder um die folgenden thematischen Schwerpunkte kreisen: Die Objekte der euklidischen Geometrie von Punkten und Geraden zu Polyedern, verschiedene Klassen von gekrümmten Flächen im Raum, Licht und Schatten, Perspektive, geometrische Formen in Architektur, Flora und Fauna sowie geometrische Formen in mechanischen Apparaten.

Die Präsentation des Materials ist mehr deskriptiv als deduktiv. Zwar gibt es immer wieder „Sätze“, das heißt Aussagen, die optisch durch eine Box hervorgehoben sind, und dazu auch Beweise. Aber in den meisten Fällen sind die präzisen Voraussetzungen nicht im Einzelnen ausgeführt und die Argumente eher nur skizziert. Besonders auffällig und für den Leser, der versucht die beschriebenen Sachverhalte genau zu verstehen, auch störend ist das fast vollständige Fehlen klarer Definitionen. Als Beispiel seien hier die abwickelbaren Flächen (developable surfaces) genannt. Sie kommen im Text über zweihundert mal vor, aber eine als solche gekennzeichnete Definition fehlt. Zwar werden immer wieder Eigenschaften genannt wie „If this contour only consists of straight lines for every projection, the surface is developable. It is only such surfaces that can be unfolded (developed) into the plane without distortion.“ Sucht man nach der Definition über den Index, so stellt man fest, dass es dort nur drei Einträge zu „developable surfaces“ gibt, die im Übrigen alle drei um eine Seite daneben liegen. Es handelt sich also eher nicht um eine „Example-driven introduction to the broad field of geometry“, wie die Internetseite des Verlags zu diesem Buch suggeriert. Es geht dem Autor ganz offensichtlich nicht darum, den Leser in die Lage zu versetzen, selbst abgesichert geometrische Einsichten zu entwickeln.

Was also hat der Autor im Sinn? Seine Darstellung ist mehr impressionistisch, eine Vorstellung vermittelnd, wenn man aus der Distanz schaut, aber nicht mehr greifbar, wenn es ums Detail geht. So gesehen hat der Autor wohl recht, wenn er sagt, es wäre kein spezielles mathematisches Vorwissen für die Lektüre dieses Buches nötig. Die Erklärung für seine Vorgehensweise gibt der Autor mit folgender Aussage auf Seite 261: „However, the issue is very elaborate and does not yield any impressive visuals – it, thus, falls outside the scope of this book.“

Damit sind wir bei der eigentlichen Stärke des Buches. Es ist voller wirklich beeindruckender Visualisierungen und auch schöner Aufnahmen geometrischer Objekte. Diese Bilder können Lehrer an Schulen und Hochschulen für ihren Geometrie-Unterricht inspirieren und viele Leser würden sich sicher dafür interessieren, wie man sie produziert.

Insgesamt fehlt mir in diesem Buch aber der rote Faden. Es wirkt auf mich zusammengestückelt, was sich auch durch mancherlei Wiederholungen bemerkbar macht, wenn Themen erneut aufgegriffen und ergänzt werden (wie zum Beispiel die abwickelbaren Flächen oder Zentralprojektionen). Auch wirkt die Verbindung von Abbildungen zu erklärendem Text bisweilen lieblos, wenn zum Beispiel in Abschn. 9.2 die Konstruktion der perspektivischen Darstellung eines Hauses erklärt werden soll, die zugehörige Abbildung eine Menge Informationen enthält, die in der Erklärung nicht angesprochen wird, umgekehrt aber nicht alle in der Erklärung benannten Objekte in der Abbildung auftauchen.

Die Lektüre am Stück ist tatsächlich ermüdend und manchmal auch frustrierend, wenn man einen Sachverhalt gerne genau verstehen möchte, die dafür erforderlichen Informationen aber nicht bereit gestellt werden. Manche der Unklarheiten im Text sind allerdings der englischen Übersetzung geschuldet. So lautet etwa der mir unverständliche Satz „Even the line at infinity of the plane can be determined in this way: It is equal to the center of the circle“ im Original „Damit lässt sich sogar die Fernebene erfassen: sie entspricht dem Mittelpunkt der Kugel“.

Interessant sind die beschriebenen Querverbindungen und Ähnlichkeiten zu geometrischen Objekten der realen Welt. Leider ist eine zielgerichtete Suche in diesem langen Buch schwierig. Der Index ist ein wenig aleatorisch und hat mir in keinem Fall geholfen, die Begriffserklärungen zu finden, von denen ich angenommen hatte sie nur vergessen zu haben. Überhaupt hat der technische Apparat Luft nach oben. Wiederholt laufen Referenzen ins Leere und erscheinen als [?].

„Geometry and its Applications“ ist eine Materialsammlung, in der ich einzelne Stücke sehr gelungener Miniaturen wiedererkannt habe. Es ist voller beeindruckender Visualisierungen. Wenn es aber mehr sein soll als ein „coffee table book“, sollte man Bilder und Text genauer aufeinander beziehen, es mit einem Glossar und einem zielgerichteten Index ausstatten. Dann hätte der interessierte Leser eine Chance, angedeutete Argumente selbst zu ergänzen.

 

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Quelle: Springer Verlag, Mathematische Semesterberichte, 2022, Band 69, Seiten 145-147
Mit freundlicher Genehmigung des Verlags

Rezension: Joachim Hilgert (Uni Paderborn)

Philosophie der Mathematik in der Antike und in der Neuzeit

Ulrich Felgner Philosophie der Mathematik in der AntikeUlrich Felgner

Springer Spektrum 2020, XIX + 229 Seiten,

ISBN: 978-3-030-35933-1, 79,99 €;
eBook ISBN 978-3-030-35934-8, 62,92 €

Zu den Schätzen meines Bücherschranks zählt ein in wunderbarer Kalligraphie handgeschriebenes Vorlesungsskript des Autors aus dem Jahr 1981, das er mir damals geschenkt hat, und mit dem ich mich einmal intensiver befasst habe, wie die vielen Anmerkungen auf dem Umschlag bezeugen. Die Titelseite ist hier wiedergegeben.

Das vorliegende Buch mit dem gleichen Titel hat inhaltlich eher wenig Überschneidung mit dem damaligen Skript. Es konzentriert sich stärker auf einige grundlegende Fragestellungen, die man in wenigen Sätzen so zusammenfassen kann: Was sind eigentlich die Gegenstände der Mathematik? Existieren sie unabhängig von uns? Von welcher Art ist ihre Existenz? Und was gibt uns die Gewissheit, wahre Aussagen über sie machen zu können?

Die Antworten auf diese Fragen mögen heute vielen von uns als Selbstverständlichkeiten erscheinen: Es ist prinzipiell unmöglich zu sagen, was ein Punkt, eine Gerade, eine Zahl etc. ist. Man kann nur komplette Systeme von Punkten und Geraden oder von Zahlen definieren, und wesentlich ist nicht, was diese Objekte wirklich sind, sondern nur, was ihre gegenseitigen Beziehungen sind. Diese sind in Axiomen festgelegt, und als wahr gilt eine Aussage dann, wenn sie sich nach vereinbarten Regeln der Logik aus den Axiomen ableiten läßt. Bei dieser Antwort verliert man aber leicht aus den Augen, wie schwer erkämpft dieser heutige Standpunkt ist, und welche Fallen des Denkens zu überwinden waren, um dahin zu gelangen. Das Anliegen des Buches besteht darin, ein tieferes Verständnis der aktuellen Denkweise zu vermitteln, indem der historische Weg in allen Stationen nachgezeichnet wird, der von den Anfängen der erkenntnisorientierten Mathematik im antiken Griechenland bis zu Hilbert und Gödel führt. Dazu ist es notwendig, auch das geistige Umfeld der jeweils betrachteten Zeit zu beleuchten und vor diesem Hintergrund zu untersuchen, warum von bestimmten Grundlagenfragen der Mathematik eine solch starke Beunruhigung ausging und warum die heute so offensichtlich scheinenden Auswege es keineswegs immer waren. Dies führt uns der Autor an Hand zahlreicher Quellen plastisch vor Augen. Zugleich geht er detailliert auf mathematische Entdeckungen und Entwicklungen ein, die einen starken Einfluss auf die Diskussion der Grundlagenprobleme hatten. Hierzu zählen beispielsweise die Entdeckung der Inkommensurabilität, der Beweis der Existenz unendlich vieler Primzahlen, generell das Phänomen des Unendlichen in der Mathematik, ebenso nichtkonstruktive Existenzbeweise wie im Fall von Hilberts Basissatz. Eine große Rolle spielen auch Paradoxien wie das Zenonsche Paradox von Achilles und der Schidkröte und die Russelsche Antinomie in der Mengenlehre, die die Gefahren bei ungezügelter Verwendung des Mengenbegriffs deutlich macht.

felgner philosopie der mathematikBeeindruckend ist für mich, welch ungeheure Fülle von ganz unterschiedlichen Ansätzen und Positionen zu den Grundlagenfragen es im Lauf von zweitausend Jahren gegeben hat. Manches davon war mir von Ferne bekannt, vieles auch gänzlich unbekannt. Der Autor schöpft aus einem gewaltigen Reservoir an Wissen über sein Thema. Das meiste davon sind Dinge, die im normalen Mathematikerleben gar nicht vorkommen, und gewiss nicht im mathematischen Alltag. Mit ihnen bekannt gemacht zu werden fand ich überaus bereichernd. Es ist mir nicht möglich, diese Vielfalt von Sichtweisen, die das Buch in 20 Kapiteln mit über 100 Abschnitten ausführlich beleuchtet, auch nur ansatzweise zu beschreiben. Die Beiträge, die eine Person, eine Strömung oder eine Epoche zu den Grundlagenproblemen der Mathematik geleistet hat, werden jeweils mit sorgfältig ausgewählten Originalzitaten in der Originalsprache und in deutscher Übersetzung vorgestellt und ihre ideengeschichtliche Wirkung wird gründlich diskutiert. Jedes Kapitel enthält ein eigenes Literaturverzeichnis mit Original- und Sekundärschriften.

Die hier besprochenen Fragen haben keineswegs nur Mathematiker bewegt, sondern auch Philosophen (Platon, Aristoteles, Locke, Hobbes, Kant, …) und Theologen (Augustinus und andere Kirchenväter). Man gewinnt sogar den Eindruck, dass die Philosophen den Verlauf der Entwicklung noch stärker beeinflusst haben als die Mathematiker. Das gilt sicherlich für die Wissenschaftstheorie des Aristoteles, der von einer Wissenschaft als erstes verlangt, dass sie einen klar bestimmten Gegenstand hat. Das Ringen um den Gegenstand der Mathematik war daher immer auch ein Ringen um ihren Wissenschaftsstatus. Bei Kant verhält es sich dagegen eher so, dass seine Auffassung, dass die Anschauung einen Platz in der mathematischen Wahrheitsfindung habe, die Mathematiker zum Widerspruch gereizt hat, ihnen gleichzeitig aber auch klar gemacht hat, dass sie größere Anstrengungen unternehmen mussten, um das Fundament der Mathematik solider zu gestalten. Er wurde damit zum Auslöser der Entwicklung, die schießlich zu Hilberts Auffassung von Axiomatik führt.

In einem (für das Thema des Buches eher nebensächlichen) Punkt möchte ich dem Autor widersprechen, nämlich bei der Bewertung der berühmten Zenonschen Paradoxien, etwa der von Achilles und der Schildkröte. Zenons Argumente werden vom Autor als fehlerhaft eingestuft. Die recht knappe Begründung lautet, hier würden zwei verzahnte Grenzprozesse (in Zeit und Raum) unzulässigerweise entkoppelt. Das kann ich so nicht erkennen. Tatsächlich konstruiert doch Zenon zwei Folgen, nämlich eine von Punkten auf der Rennstrecke und eine von zugehörigen Zeitpunkten, die beide in der jeweiligen Anordnung streng monoton wachsend und dennoch nach oben beschränkt sind. Dies ist in meinen Augen die Paradoxie, und diese Paradoxie besteht heute genauso wie vor zweitausend Jahren. Was Zenon damit offenbart ist die grundsätzliche Schwierigkeit, die uns das Verständnis unendlicher (und hier auch angeordneter) Mengen macht, weil es uns so schwer fällt, uns von unserer Erfahrung mit endlichen Anordnungen zu lösen. Die Einkleidung und die Kopplung der beiden Folgen durch die Betrachtung eines Bewegungsvorgangs dient einerseits als Mittel zur Konstruktion beider Folgen und andererseits als ein Mittel der Veranschaulichung. Zenon wird selbst nicht geglaubt haben, er hätte die Unmöglichkeit von Bewegung bewiesen, auch wenn er das so formuliert hat.

Nach der Schilderung des langen Wegs der Erkenntnis, die das Buch uns gibt, stelle ich mir gern diesen Weg als Kurve in einem metrischen Raum vor. Dann scheint mir die Distanz von Euklid zu Dedekind und Hilbert in diesem Raum wesentlich geringer zu sein als die längs der Kurve gemessene Distanz in der „inneren Metrik“. Euklid stellt zwar Definitionen für Punkte und Geraden an den Anfang seiner Geometrie, um einen oberflächlichen Bezug zur Anschauung herzustellen, aber aus diesen Definitionen lässt sich nichts ableiten und mit ihnen wird nie gearbeitet. Er arbeitet nur mit den Axiomen, die die gegenseitigen Beziehungen von Punkten und Geraden regeln. Daher teile ich übrigens nicht die Auffassung des Autors, der auf Seite 50 diese Definitionen im Aufbau von Euklids Theorie für unverzichtbar erklärt. Bei Euklid sehe ich im Keim den Standpunkt von Hilbert bereits vorgedacht. Aber unter dem Einfluss von Aristoteles konnte dieser Keim sich nicht entfalten, und erst Kant hat, eher unbeabsichtigt, den Anstoß dazu gegeben, dass der Weg von Euklid konsequent zuende geführt werden konnte. Dies ist freilich meine persönliche, naive und stark verkürzte Deutung. Das Buch weicht der Komplexität des Geschehens nicht aus, wie ich es hier tue, und wer diese spannende Geschichte im einzelnen verstehen will, kommt um die Lektüre nicht herum.

Das Buch ist sehr angenehm zu lesen, wenn man sich erst einmal an den recht freigiebigen Gebrauch von Kursivsatz, Anführungszeichen und Apostrophen gewöhnt hat, der zu einem leicht barocken Erscheinungsbild führt. In weiten Teilen setzt das Buch sehr wenig mathematische Vorkenntnisse vorus. Wo irgend möglich, werden mathematische Begriffe und Sachverhalte sorgfältig und verständlich erklärt. Es wird die gesamte Mathematik berücksichtigt. Das eigene Arbeitsgebiet des Autors (die mathematische Logik) spielt naturgemäß eine wichtige Rolle (etwa im Zusammenhang mit den Sätzen von Gödel über die Grenzen mathematischer Erkenntnis), wird aber nicht besonders herausgehoben. So wird dieses Buch nach meiner Einschätzung für viele ein großer Gewinn sein, angefangen von interessierten Nichtmathematikern, die schon immer wissen wollten, wovon Mathematik eigentlich handelt, bis hin zu Fachmathematikern, die gelegentlich beunruhigt sind angesichts der Schwierigkeit, das Vorgehen der Mathematik auf eine sichere Grundlage zu stellen, oder die sich nur ihres Verständnisses dieser Grundlage vergewissern wollen. Dem Autor gebührt großer Dank dafür, und ich empfehle die Lektüre wärmstens.

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Quelle: Springer Verlag, Mathematische Semesterberichte, 2022, Band 69, Seiten 141-144
Mit freundlicher Genehmigung des Verlags

Rezension: Rainer Löwen (TU Braunschweig)

Eins, zwei, viele – Eine Kulturgeschichte des Zählens

eins zwei viele eine kulturgeschichte des zaehlens

Mario H. Kraus

Springer-Verlag; 1. Aufl. 2021 Edition (2. Juli 2021); Taschenbuch, 239 Seiten, 24,99 €
ISBN-10: ‎3662631539
ISBN-13: ‎978-3662631539

Welche Bedeutung Zahlen und das Zählen haben, davon haben wir alle in den beiden Corona-Jahren viel mitbekommen: Inzidenzen, Impfquoten, Todesfälle beherrschen die Nachrichten in Rundfunk und Fernsehen, in Tageszeitungen, Zeitschriften und im Internet. Auch in diesem Buch wird von solchen Daten berichtet – Pest und Cholera und andere Seuchen haben in den Geschichtsbüchern eben auch Spuren in Form von Zahlen hinterlassen.

So spielt denn die Mathematik in diesem Buch nur eine Nebenrolle. Der Verfasser gibt – wie der Verlagstext auf dem hinteren Buchdeckel formuliert – im wesentlichen einen Überblick über die „philosophischen als auch soziokulturellen Zusammenhänge“ des Zählens und über Anwendungen in vielen Bereichen.

Der Autor bezeichnet zwei Abschnitte selbst als Sammelsurien. Im ersten sammelt er zu den Zahlen von 1 bis 12 und einigen weiteren alles, was er zu diesen Zahlen gefunden hat – von mathematischen Eigenschaften, über Wortbedeutungen (wie z. B. Zwilling oder Zwietracht zur „2“), von sprachlichen Auffälligkeiten (wie häufig auftretende dreibuchstabige Abkürzungen wie ARD oder ZDF zur Zahl „3“) bis hin zur Beschreibung der 7 als Glücks-, der 13 als Unglückszahl und der 60 als Basis des Hexagesimalsystems.

Im zweiten, von ihm so bezeichneten „Sammelsurium“ stellt er zusammen, wie und was in den verschiedenen Wissenschaften, z. B. der Chemie (u. a. mit der Avogadro-Konstanten und den Alkanen mit Schmelz- und Siedepunkten) oder der Technik (u. a. mit den Anzahlen der meistverkauften Automodelle), dem Militär (klassischer Aufbau eines europäischen Heeres) oder der Malerei gezählt oder mit Zahlen dargestellt wird.

Für mich ist eigentlich das ganze Buch ein Sammelsurium, das zwar nach gewissen Kategorien sortiert, aber doch eine Sammlung von Einzelheiten bleibt, die teils willkürlich zusammengestellt wirken. Der Begriff Sammelsurium ist dabei nicht (ab)wertend gemeint, sondern beschreibend, wie die Aufzählung der Inhalte zweier weiterer Kapitel zeigen soll.

So werden beispielsweise unter der Überschrift „Eigenschaften der Zahlen“ die natürlichen Zahlen, die Primzahlen und das Fundamentaltheorem der Arithmetik kurz vorgestellt, nach dem Begriff Zahlenverhältnis werden der Goldene Schnitt und die DIN-Papierformate erwähnt, es folgen die Cantor’schen Begriffe Abzählbarkeit und Mächtigkeit von Mengen, bevor die Peano-Axiome aufgezählt werden. Dem schließen sich auf mehreren Seiten philosophische Überlegungen an, die der Phänomenologie (nach Husserl und Heidegger) folgen. Zum Ende werden einige Folgen und Reihen genannt und der Polyedersatz von Euler am Beispiel des Würfels verifiziert.

Im Kapitel „Raum und Zeit“ schildert der Autor die Entstehung des julianischen Kalenders unter Caesar, wissenschaftliche Diskussionen um eine Kalenderreform im Mittelalter und die Einführung des gregorianischen Kalenders – wobei er das Jahr der Umstellung in verschiedenen Ländern aufzählt (als letztes Land die Türkei im Jahre 1927). Eine mathematisch-physikalische Begründung für die Ursache dieser Kalenderreform gibt er nicht. Nach drei Seiten mit Einzelheiten zur Zeitmessung wendet er sich dem Raum zu, über den er ein wenig esoterische Bemerkungen  macht. Denn er spricht (ausgehend von Euklid) vom 1-, 2-, und 3-dimensionalen Raum, nennt die „von Einstein ergründete Raumzeit“ und endet mit dem Satz: „Somit erfüllt menschliches Leben fünf Ausdehnungen: […] \(D_5\) als Möglichkeitsraum vereinigt die Zukünfte; das ist der Bereich des Erwartens, Hoffens, Planens, Glaubens und Fürchtens“. Weiter schreibt er „Mit dem Ansatz der Dimensionalität können Menschen in Raum und Zeit verortet werden“ und zählt ausführlich beschreibend der Reihe nach auf: Anschriften mit Postleitzahlen, GPS, IBAN, Steuernummer, IP-Adresse und Telefonnummer. Das Kapitel beschließt er mit mehreren Seiten philosophischer Betrachtungen (nach dem Phänomenologen O. F. Bollnow).

In der Einleitung schreibt der Verfasser, das Buch „... soll unterhaltsam an die Wissenschaftsgeschichte heranführen und vielleicht auch dabei helfen, alte Abneigungen gegen Mathematik zu überwinden.“ Das Buch enthält allerdings nur wenig Mathematik, dafür aber – wie ich an einigen Abschnitten versucht habe zu zeigen – eine Unmenge an einzelnen interessanten Ereignissen, Daten und Zahlen. Damit man diese schnell auffinden könnte, wäre es sinnvoll, diese detailliert in einem Stichwortverzeichnis aufzuführen. Leider fehlt das. Die abgedruckten Tabellen am Ende zu den Primfaktoren und Teilermengen der ersten 100 natürlichen Zahlen und die Dualzahldarstellung der Zahlen von 1 bis 255 hätte man dafür gerne weglassen können.

Rezension: Hartmut Weber (Kassel)

ADA und die Algorithmen – Wahre Geschichten aus der Welt der künstlichen Intelligenz

ADA und die Algorithmen Wahre Geschichten aus der Welt der künstlichen IntelligenzStefan Buijsman

C.H.Beck; 1. Edition (16. September 2021), 235 Seiten, 20,00 €

ISBN-10: ‎3406775632
ISBN-13: ‎978-3406775635

Digitalisierung – dieser Begriff beherrscht schon seit einigen Jahren öffentliche Diskussionen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass er in den Bundestagswahl-Programmen der großen Parteien vielfach auftaucht. Überraschend aber doch, dass selbst die beiden Schlüsselworte des Buchtitels „Algorithmen“ und „künstliche Intelligenz“ in ihnen zu finden sind.

Der vom Verlag als „mathematisches Wunderkind“ apostrophierte sehr junge Autor (Jahrgang 1998, mit einem Studienabschluss in Philosophie und einer Promotion in Mathematik) ist der Auffassung, dass die Berichterstattung über Künstliche Intelligenz (KI) teilweise übertrieben, ja „reiner Hype“ ist und führt das auf die undurchsichtige Technik zurück, die der KI zugrunde liegt. So will er uns in seinem Buch eine Vorstellung davon vermitteln, „wie künstliche Intelligenz funktioniert“. Dass er da weit bis ins 19. Jahrhundert zu Charles Babbage und seiner „Programmiererin“ Ada Lovelace zurückgeht, verwundert – diese historische Reminiszenz ist wohl eher der Tatsache geschuldet, dass Ada im Buchtitel auftritt.

Um die großen Veränderungen in diesem Bereich richtig einordnen zu können, unterscheidet der Autor die informelle Mathematik (wie er sie bezeichnet), so wie z. B. Ingenieure oder Betriebswirte sie im Alltag benutzen, von der formalen Mathematik mit ihren abstrakten Postulaten, Regeln und Aussagen, wie sie als Wissenschaft betrieben wird: denn „der formale Charakter der Mathematik bestimmt die Art und Weise, wie sich künstliche Intelligenz entwickelt hat“.

Diese regel-basierte künstliche Intelligenz prägte die ersten Jahrzehnte der Entwicklung. Beispiele für diese frühen Ansätze der KI zeigt der Verfasser an Hand eines medizinischen Expertensystems und des berühmten scheinbar natürliche Sprache verstehenden Computerprogramms Eliza von Joseph Weizenbaum. Diese Art KI-Software blieb bis in die 90iger Jahre des letzten Jahrhunderts hinter den hochgespannten Erwartungen zurück, auch wenn sie mit dem Schachprogramm Deep Blue, das den  Weltmeister 1996 schlug, einen „letzten Höhepunkt des traditionellen Ansatzes der KI“ erreichte.

Den Großteil des Buches nehmen die modernen Verfahren ein, die alle mit Hilfe von neuronalen Netzen arbeiten. Mit ihnen versuchen die Entwickler weg von den formal-mathematischen Regeln zu kommen und „Computer stattdessen auf eine für uns intuitivere Art lernen zu lassen“. An dem einfachen Beispiel der automatischen Erkennung von handgeschriebenen Ziffern zeigt der Autor, wie das prinzipiell funktioniert: Der Computer wird mit Millionen von handgeschriebenen Ziffern „gefüttert“ und mit der Information, welche Ziffer das sein soll. Bei diesem Prozess erstellt die Software ihre eigenen Regeln, identifiziert Muster und lernt also selbständig an den Beispielen. Nach Ende dieser Trainingsphase erkennt das neuronale Netz eine Ziffer mit extrem hoher Sicherheit. Das neuronale Netz hat Eingabe-Neuronen, die die Pixel des Ziffernbildes registrieren, und Ausgabe-Neuronen, die das Ergebnis, die ermittelte Ziffer, ausgeben. Und dazwischen liegen verborgene Neuronenschichten, die mit Hilfe mathematischer Methoden das Ergebnis errechnen. Diese Methoden werden nur exemplarisch und kurz mit dem sogenannten „Gradientenabstieg“ erläutert, ansonsten wird nicht auf die dahinter liegende Mathematik eingegangen.

Danach leitet der Autor über zur allgemeinen Mustererkennung in Bildern, Fotos und Texten. Neuronale Netze („Convolutional Neural Networks“ – CNN, seit 2012) versuchen dabei, Funktionsweisen von Gehirnen zu imitieren, die die Gehirnforschung im letzten Jahrzehnt bei Mensch und Tieren gewonnen hat. Auch für die Verarbeitung von natürlicher Sprache in Wort und Schrift lernen wir die neuesten Typen von neuronalen Netzen kennen, die erst in den letzten Jahren entwickelt worden sind – häufig von den Forschungsabteilungen der großen Firmen Amazon, Apple und Google. Programme, die Gesprochenes in Schrift umwandeln und Rede oder Text in eine andere Sprache übersetzen, sind heute durch die neuen Smartphones weithin bekannt. Dieser schnelle Fortschritt ist wesentlich auf zwei Gründe zurückzuführen. Zum einen verfügen die Konzerne über eine riesige Menge an Daten, die sie als Trainingsmaterial für die neuronalen Netze verwenden können und die wir alle ihnen freiwillig und kostenlos liefern. Zum zweiten hat sich die Rechenleistung der Computer weiter immens vergrößert, so dass die Software auf ein großes „Gedächtnis“ zurückgreifen kann.

Auch für die kreative Erzeugung und Manipulation von Fotos und Videos sind erst jüngst (seit 2014) neuartige neuronale Netze entwickelt worden („generative adversarial networks“ - GAN). Sie umfassen, sehr vereinfacht ausgedrückt, zwei Programmteile, deren einer den anderen kontrolliert. Diese GAN können frei erfundene Portrait-Fotos erzeugen, kurze Video-Clips aus einem einzigen Foto herstellen oder gar „Kunstwerke“ wie Gemälde oder Kompositionen kreieren (ein Portrait eines fiktiven Mannes wurde 2018 vom Aktionshaus Christie’s für 432500 US-Dollar versteigert). Diese Algorithmen sind – auch wenn Buijsman auf den mathematischen Hintergrund verzichtet – in ihrer Funktionsweise nicht einfach nachzuvollziehen .

„Geschichten“, wie im Untertitel des Buches angekündigt, findet man allerdings auch, vor allem wenn über Fehler, Fehlleistungen und misslungene Verfahren der KI berichtet wird. Aus diesen Mängeln haben die Entwickler, wie der Autor immer wieder hervorhebt, eine wesentliche Erkenntnis gewonnen: „Neuronale Netze … sind fragil, wenn man sie für etwas einsetzt, das von ihren Trainingsdaten abweicht.“

Der Autor – kein Wunder, wenn man sich beruflich mit Philosophie beschäftigt – streut in seine Beschreibung dieser Fakten immer wieder Überlegungen ein, in denen er in Frage stellt, wie die teils enthusiastischen Bewertungen solcher Produkte zu beurteilen sind. Handelt es sich bei diesen Computerkunstwerken wirklich um Kunst? Können Computer nicht nur einfache Sachtexte, sondern wirklich literarische Texte erzeugen oder sind das nicht nur Imitationen? Wie unterscheidet sich unser Gehirn von einem neuronalen Netz, woran fehlt es Computern? Menschen schreiben ihre Sätze stets im Kontext und im Zusammenspiel mit ihrer Umwelt, die einem Computer nicht zur Verfügung steht – der entwickelt seine Texte aus statistischen Daten. Aber der Autor ist vorsichtig. Seiner selbst gestellten Frage „Sind Computer zu einer Sprache ohne Bedeutung verdammt?“ gibt er die Antwort „bin ich verhalten optimistisch, dass Computer eines Tages die Bedeutung ihrer Sprache verstehen werden.“ Aber auch diese Aussage zieht er einige Absätze weiter wieder in Zweifel und kommt abschließend zum Fazit „Von allgemeiner künstlicher Intelligenz sind wir noch weit entfernt.“

Das Buch enthält viele Abbildungen, die leider zum Teil sehr klein und meistens nur in Graustufen abgedruckt sind, so dass die Sichtbarkeit leidet. Auch die Zuordnung eines Bildes zum zugehörigen Text ist nicht immer optimal vorgenommen worden. Bemerkenswert ist die große Anzahl von abgedruckten QR-Codes, mit denen man die verschiedensten Quellen im Internet aufrufen kann, die von im Buch enthaltenen Abbildungen, über youtube-Videos bis hin zu wissenschaftlichen Artikeln reichen. Das über zwanzig Seiten umfassende Literaturverzeichnis ist sorgfältig zusammengestellt, es ist nach Sachgebieten gegliedert und ermöglicht daher einfach und gezielt, sich weitere Informationen zu verschaffen, zumal von den über 200 Literaturstellen rund die Hälfte Internet-Verweise sind. Noch hilfreicher wäre es gewesen, wenn allgemein verständliche Publikationen im Unterschied zu fachwissenschaftlichen hervorgehoben wären.

Dem Laien gibt das Buch den hochaktuellen Forschungsstand der KI ausführlich wieder, erfordert allerdings in Teilen, will man sie verstehen, ein intensives Mitdenken und auch eine zusätzliche Beschäftigung mit den angegebenen Quellen aus den QR-Codes. Wer sich schon ein wenig mit der Materie auskennt, wird sicher von den zusätzliche Verweisen profitieren können.

Diese Rezension erschien am 18. November 2021 auch bei Spektrum.de: https://www.spektrum.de/rezension/buchkritik-zu-ada-und-die-algorithmen/1940668

Rezension: Hartmut Weber (Kassel)