Leseecke

Fundamentals of Error-Correcting Codes

fundamentals of error

Fundamentals of Error-Correcting Codes

W. C. Huffman und V. Pless
Cambridge University Press, 2003, 646 Seiten, 64,00 $

ISBN 0-521-78280-5

Ein halbes Jahrhundert nach der Geburtsstunde der Codierungstheorie (Publikation von C. Shannons Artikel A mathematical theory of communication, 1948) erschien das zweibändige Handbook of Coding Theory, eine Sammlung aus 33 Beiträgen verschiedener Autoren zum aktuellen Stand der Forschung auf diesem Gebiet. Herausgeber des Handbook sind die beiden Autoren des vorliegenden Buches, das nach ihren eigenen Angaben unter anderem als Hinführung zum Handbook dienen soll.

Das Buch eignet sich für Leser mit soliden Kenntnissen in linearer Algebra; die benötigten Grundlagen aus der Algebra (z. B. endliche Körper, euklidischer Algorithmus) bzw. elementaren Zahlentheorie werden im Text entwickelt.

Der Hauptteil der Buches (Kapitel 1–11) ist der sogenannten elementaren Codierungstheorie gewidmet. Im einführenden Kapitel werden die Grundkonzepte linearer Codes erklärt: Erzeuger- und Kontrollmatrizen, Konstruktionen mit Codes, Äquivalenzbegriffe, Dualität, sowie erste Beispielklassen (Hamming-, Golay und Reed-Muller-Codes) und der Satz von Shannon. Die Kugelpackungsschranke liefert eine Überleitung zum zweiten Kapitel, in dem in aller Ausführlichkeit die verschiedenen (asymptotischen) Schranken behandelt werden. Die im Kapitel 3 entwickelten elementaren Aussagen über endliche Körper und verwandte Themen finden direkte Anwendung im folgenden Kapitel über zyklische Codes. Im fünften Kapitel werden BCH- und spezielle Reed-Solomon-Codes vorgestellt und mehrere Decodier-Algorithmen erklärt. Die QR-Codes (quadratische Reste) werden im sechsten Kapitel als Spezialfall der von V. Pless eingeführten sogenannten duadischen Codes entwickelt. Auch das siebte Kapitel über Gewichtsverteilungen behandelt nicht nur den Standardstoff, sondern z. B. auch verallgemeinerte Hamming-Gewichte.

Blockpläne (Designs) und Steinersysteme sind das Thema des achten Kapitels, wo u. A. die Nichtexistenz einer projektiven Ebene der Ordnung 10 (in Form einer Zusammenfassung) als Anwendung gegeben wird. Auf die Bedeutung der Steinersysteme für die Symmetriegruppen der Codes wird hier allerdings nicht eingegangen.

Zwei Kapitel über selbstduale Codes liegen mitten im Forschungsgebiet der Autoren. Die hier behandelten Themen gehen deutlich über den Umfang anderer Lehrbücher hinaus. In diesen Kapiteln finden sich auch besonders zahlreiche Research Problems. Das elfte Kapitel behandelt den Überdeckungsradius (die kleinste Zahl d, so dass jedes Wort des Alphabets Abstand höchstens d von einem Codewort hat) und Formeln zur Bestimmung desselben für einige Klassen von Codes.

Die letzten vier Kapitel des Buches lassen sich am besten als Ausblicke in andere Gebiete der Codierungstheorie verstehen. Im zwölften Kapitel werden erstmals nichtlineare Codes, nämlich sogenannte lineare Codes über Z/4Z, betrachtet, die als additive Untergruppen von (Z/4Z)n definiert sind und in Zusammenhang mit einigen bekannten Familien nichtlinearer binärer Codes stehen.

Die Einführung in die algebraische Geometrie und geometrische Goppa-Codes (Kapitel 13) ist sehr elementar und knapp gehalten und deshalb nicht beweisvollständig. Hauptresultat in diesem Kapitel (ebenfalls ohne Beweis) ist die Existenz geometrischer Codes, für die die Gilbert-Varshamov-Schranke überschritten wird (Tsfasman-Vladut-Zink). So wird auf wenigen Seiten klar, warum diese Codes sich wachsenden Interesses erfreuen.

Zwei Kapitel über Convolution Codes and Soft Decision schließen diesen zweiten Teil des Buches ab.

Der vorliegende Text ist gut zum Selbststudium geeignet, zahlreiche Übungsaufgaben (z. T. sehr elementar, aber eigentlich immer nützlich) erhöhen die Fingerfertigkeit im Umgang mit dem vorgestellten Material. Mindestens genauso wertvoll ist das Buch jedoch für die Vorbereitung von Vorlesungen und Übungen. Damit man angesichts der Fülle des Materials den Überblick behält, haben die Autoren der Einleitung einen Auswahlvorschlag für eine einsemestrige Vorlesung sowie Themenblöcke für weiterführende Vorlesungen beigefügt. Aber auch als Ergänzung zu anderen Texten und als Fundgrube für Beispiele und Gegenbeispiele ist dieses Buch überaus gut zu gebrauchen. Erfreulich sind auch die Abschnitte über Anwendungen z. B. in der CD-Codierung oder in der Raumfahrt.

Es ist den Autoren gelungen den Text klar verständlich zu halten, und es hat sich sicher ausgezahlt, dass sie dabei auf die Anregungen von Studenten und Kollegen (nach einigen Testläufen in Kursen) zurückgreifen konnten. Die große Sorgfalt, mit der dieses Buch geschrieben und bis zu seiner endgültigen Form überarbeitet wurde, ist heute leider nicht mehr selbstverständlich.

Rezension: Julia Hartmann (Heidelberg) aus Computeralgebra-Rundbrief, Nr. 35 - Oktober 2004

Das Geheimnis des kürzesten Weges

das geheimnis des kürzesten Weges

Das Geheimnis des kürzesten Weges

P. Gritzmann, R. Brandenberg
Springer Verlag, 2001, 356 Seiten, 19,95 €

ISBN: 354022193X

Ruth hat von ihrem Vater einen Computer geschenkt bekommen, nicht irgendeinen, sondern einen mit einer geheimnisvollen Kommunikationsbox versehenen. Ein kleiner Druck auf den Schalter und es meldet sich Vim, der - wie er sagt - gut zuhören kann und einiges zu erzählen hat. Und schon sind wir mittendrin in einer wundersamen Tour durch die Welt auf der Suche nach dem kürzesten Weg. Ruth erfährt von Vim, was Routenplanung mit Satellitenübertragung und Handys zu tun hat, über Schachprobleme und das Münchner U-Bahn-Netz wird diskutiert, weiter geht's von der Müllabfuhr zum Chinesischen Postboten, von platonischer Liebe und gierigen Algorithmen ist die Rede, und schließlich steigt sie mit Freund Jan in das Problem des Handlungsreisenden ein und erfährt staunend, was das mit dem Windows Minesweeper zu tun hat und mit der Datensicherheit und ...



(Rezension: Martin Aigner)

Der Zahlenteufel

der zahlenteufel

Der Zahlenteufel

Hans Magnus Enzensberger
Hanser, 1997, 263 Seiten 19,90 €
Hanser TB: Dtv 1999, 11 €

ISBN: 3446189009
ISBN: 3423620153

Hans Magnus Enzensberger, der Lyriker, Essayist und Liebhaber der Mathematik, hat ein Kinderbuch geschrieben, laut Untertitel "für alle, die Angst vor der Mathematik haben". Die Hauptfigur ist ein Teufelchen, ein leicht cholerisches und stets ungeduldiges Wesen, das dem Sechstklässler Robert Nacht um Nacht im Traum erscheint, um ihm diverse Tricks aus dem Reich der Zahlen vorzuführen. Anfänglich ist Robert wenig begeistert von seinem nächtlichen Besucher, ist er doch schon genug von schlechten Träumen bei Nacht und von den Aufgaben seines Mathematiklehrers bei Tag geplagt. Doch sehr schnell macht ihm der Zahlenteufel klar, dass die "richtige" Mathematik nichts mit dem schulischen Rechendrill zu tun hat, und weiht ihn in einige Geheimnisse der Null und der Eins, der Fibonacci-Zahlen und der Primzahlen, der unendlichen Mengen und vieler anderer Dinge ein, was Robert mehr und mehr begeistert. Aber Robert erfährt auch, dass die Essenz der Mathematik ist, aufgestellte Aussagen zu beweisen und nicht nur in wie vielen Einzelfällen auch immer zu überprüfen. Übrigens: Eines wird auch der Zahlenteufel im Gegensatz zu seinen Ankündigungen nicht schaffen, nämlich zu beweisen, dass "irgendwas hoch 0 gleich 1" ist; tatsächlich ist das eine Definition, und man kann nur argumentieren, warum sie sinnvoll ist, aber nicht, dass sie richtig ist. Nun ist der Zahlenteufel ein Traumwesen, und das berechtigt ihn offenbar, Rettich statt Wurzel, prima Zahl statt Primzahl, unvernünftige Zahl statt irrationale Zahl etc. zu sagen. Im Kontext der Geschichte ist das aber bei weitem nicht so anbiedernd albern, wie es sich im ersten Moment anhört; und hat nicht schon der große Göttinger Mathematiker David Hilbert geschrieben, man müsse statt Punkt, Gerade, Ebene stets auch Stuhl, Tisch, Bierseidel sagen können? Enzensberger hat ein Buch geschrieben, das allen Freunden der Mathematik und denen, die es werden wollen, die Mathematik von ihrer faszinierenden Seite zeigt; Rotraut Susanne Berner hat es wunderbar illustriert. Kinder jeden Alters (sagen wir zwischen 12 und 100) werden es mit Vergnügen lesen.



(Rezension: Dirk Werner)

The Dot and the Line

the dot n the line

The Dot and the Line

Norton Juster
Sea Star Books, New York, 2001, 76 Seiten, 7.95 US$

ISBN: 1587170663

Mathematik im Kinderbuch: Das war vielleicht noch nie charmanter, anregender und witziger als das Büchlein aus dem Jahr 1963 von Norton Juster: "The Dot & the Line. A romance in lower mathematics".

Eine Liebesgeschichte prall aus dem Leben: Eine aufrechte aber etwas steife Gerade hat sich Hals-über-Kopf in einen roten Punkt verliebt ...
"Once upon a time there was a sensible straight line
who was hopelessly in love
with a dot"

.... aber der hat nur "Augen" für einen Krakel - damit geht das Drama los, das liebevoll, humorvoll und witzig erzählt und illustriert ist: in rot-weiß-schwarz, was damals ganz modern war, und immer noch interessant wirkt.

Das Buch war offenbar ein Aufsehen erregender Erfolg. Dem Klappentext entnehmen wir, dass aus dem Buch von 1963 sogar ein Kurzfilm wurde - und der hat 1965 den Zeichentrick-Oscar gewonnen! Ein Klassiker aus dem Jahr 1963, jetzt frisch wieder aufgelegt: leider bisher nur auf Englisch zu haben... in dieser Form aber auch ein wunderbares Geschenk-Buch, für Kinder zwischen 5 und 105.



(Rezension: Günter M. Ziegler)

Wie man durch eine Postkarte steigt

Wie man durch ein Postkarte steigt

Wie man durch eine Postkarte steigt
... und andere spannende mathematische Experimente

Albrecht Beutelspacher, Marcus Wagner
Herder Verlag, 2008, 160 Seiten, 14,90 €

ISBN: 3-451-29643-8

Es gibt wieder etwas Neues von Albrecht Beutelspacher zu lesen. Gerade für interessierte Mathematiklaien oder -liebhaber ist dies immer eine gute Nachricht. So waren bereits seine Bücher Das ist o.B.d.A. trivial, Pasta all'infinito. Meine italienische Reise in die Mathematik oder Einmal sechs Richtige große Erfolge. Jedes Mal ist es ihm gelungen, mathematische Themen auf allgemeinverständliche und vor allem faszinierende Art und Weise zu präsentieren.
Jetzt hat er gemeinsam mit seinem ehemaligen Mitarbeiter am Mathematikum in Gießen und jetzigen wissenschaftlichen und pädagogischen Leiter des Dynamikum Science Center in Pirmasens, Marcus Wagner, ein mathematisches Experimentierbuch herausgegeben.
Dies ist hauptsächlich für Kinder konzipiert, bereits Kinder im Vorschulalter werden sich an dem einen oder anderen Experiment begeistern können. Jedoch stellt es auch für Erwachsene einige spannende Experimente bereit.
Das es sich wirklich um Experimente und gerade um mathematische Experimente handelt, ist den Autoren wichtig. So schreiben sie bereits im Vorwort:
"Wenn man den Unterschied zwischen einem physikalischen und einem mathematischen Experiment scharf fasst, kann man sagen: Mit einem physikalischen Experiment wird ein Naturgesetz nachgewiesen, mathematische Experimente regen Gedanken an. In jedem Fall ist es so, dass mathematische Experimente immer das gleiche Ergebnis liefern."
Auch beschreiben sie die mathematischen Experimente dadurch, dass sie Anlass zu Fragen geben, warum das Experiment ein solches Ergebnis liefert. Außerdem regen sie Vorstellungen an und bergen in sich Hinweise zur gedanklichen Klärung. Guten Gewissens kann hier behauptet werden, dass dies tatsächlich so ist. Zwar mögen einige der Experimente simpel erscheinen, doch gibt es genügend andere, bei denen man aus dem Staunen kaum heraus kommt. Was jedoch vor allem lobenswert ist, ist die Tatsache, dass man sich fast zwangsläufig Gedanken darüber macht, wie solche "Phänomene" funktionieren. Ganz ohne Druck kommt es so zu einer Auseinandersetzung mit mathematischen Prozessen, welche einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss auf das allgemeine mathematische Verständnis haben kann.
Insgesamt sind die Experimente in folgende acht Kategorien eingeteilt:

  1. Figuren
  2. Kurven
  3. Es passt!
  4. Zwischen zweiter und dritter Dimension
  5. Würfel und Pyramiden
  6. Reflexionen
  7. Kleine und große Zahlen
  8. Geheimnisvolles

Wie diese Einteilung schon andeutet, findet man zu vielen verschiedenen Themen spannende Experimente.
Auch die Experimente zu Beginn, welche noch äußerst einfach sind, wie beispielsweise aus Rechtecken gleichseitige Dreiecke zu falten, fördern interessante, oft nicht bekannte Tatsachen zu Tage, da sie jeweils mit ausführlichen Erklärungen versehen sind. So lernt man dabei gleich noch etwas über Symmetrieeigenschaften, Wurzeln oder Eigenschaften von DIN-Maßen.
Sehr positiv ist auch, dass im überwiegenden Fall der Experimente keine besonderen Hilfsmittel benötigt werden. Es genügen fast immer Papier, Klebstoff und eine Schere. So lassen sich die Experimente auch spontan durchführen. Bei einigen wenigen werden noch gewisse Zusatzhilfsstoffe gebraucht, beipielsweise Spiegelkacheln, doch können alle diese benötigten Stoffe problemlos in Bastel- oder Handwerkermärkten besorgt werden.
Hat man diese Ausrüstung dann zusammen, so kann man Möbiusbänder zerschneiden und sich fragen, warum man nicht zwei Teile, sondern nur ein längeres erhält, man kann verklebte Papierringe zerschneiden und zur allgemeinen Verwunderung ein Quadrat erhalten oder man lernt etwas über Codierungstechniken, um sich geheime Nachrichten zukommen zu lassen. Natürlich erfährt man auch die im Titel angedeutete Methode, durch eine Postkarte zu steigen.
Alles in allem ein großer und aufgrund der Vielzahl der Experimente auch lang anhaltender Spass für Kinder und Erwachsene.

(Rezension: Joerg Beyer)